Ab und zu ein Zigarettchen

Älteste Deutsche kommt aus Göttingen:  Gertrud Henze ist 112

Gertrud Henzes Rezept für ein hohes Alter: Viel lesen, reger Austausch, manchmal eine Zigarette und ein Gläschen Wein – und niemals heiraten. Foto:  dpa

Göttingen. Gertrud Henze ist vermutlich nicht durch ein besonders enthaltsames Leben 112 Jahre alt geworden. Den kleinen Freuden des Lebens sei die Jubilarin weiterhin zugeneigt, sagt Annette Paetzold, Sprecherin des Göttinger Wohnstiftes, in dem Henze seit Jahren lebt.

„Gertrud Henze raucht bei Gelegenheit noch immer gerne eine Zigarette.“ Am 8. Dezember, feiert Deutschlands vermutlich älteste Frau ihren 112. Geburtstag.

Sie gönne sich auch ab und an ein Gläschen Wein und nasche gern Süßes, berichtet die Sprecherin. Besonders schätze sie jedoch den regelmäßigen Kontakt mit anderen Bewohnern des Stiftes, bei denen sie wegen ihrer offenen und lebensbejahenden Art sehr beliebt sei. Großen Trubel möchte Gertrud Henze zu ihrem Geburtstag aber nicht. Die Jubilarin wolle den Tag im kleinen, ganz privaten Rahmen feiern, sagt die Sprecherin. Beim 111. Geburtstag im vergangenen Jahr sei ihr alles etwas viel gewesen. Auch Interviews zu ihrem Geburtstag mag sie daher nicht mehr selbst geben.

Ob es möglicherweise noch ältere lebende Deutsche gibt als Gertrud Henze, kann das Statistische Bundesamt nicht beantworten. Eine entsprechende Liste wird dort nicht geführt.

Die frühere Bibliothekarin Henze sei geistig noch total fit und auch körperlich in recht guter Verfassung, sagt Wohnstiftsprecherin Paetzold, die seit vielen Jahren mit Gertrud Henze befreundet ist. Die Jubilarin sei eine erstaunliche Frau. Sie habe ihren Alltag noch voll im Griff.

Sie lese gerne, auch wenn das Augenlicht zuletzt nachgelassen habe. Und sie sei mit Hilfe ihres Rollators auch fast täglich im Haus unterwegs. „Sie ist allerdings nicht mehr sehr stark belastbar.“ Vor einem Jahr hatte sie erklärt, sie freue sich, dass sie noch immer lebe. Ihr Geburtstagswunsch? Ein Alpenveilchen.

Gertrud Henze stammt aus einem Pfarrhaus auf Rügen. Später lebte sie lange in Goslar und arbeitete dort als Bibliothekarin. Über ihren früheren Beruf mache Henze bisweilen immer noch Scherze, sagt Annette Paetzold. Dass sie so alt geworden ist, habe sie der Konservierung durch den Bücherstaub zu verdanken. Vielleicht aber auch der Tatsache, dass sie niemals verheiratet war. (dpa)

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