Multipler Sklerose schneller den Schrecken nehmen

Neuro-Forscherin: Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler

Göttingen. 40 Jahre dauert es, bis ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose (MS) auf den Markt kommt. Zwei Göttinger Wissenschaftler arbeiten in einem internationalen Team daran, die Entwicklungsphasen zu beschleunigen und so letztlich MS-Kranken schneller helfen zu können.

Über ein Forschungsprojekt, das die Hertie-Stiftung nun mit 100 000 Euro fördert, wollen Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler und Prof. Dr. Mikael Simons, beide vom Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), eine zügigere Anwendung der Erkenntnisse und Medikamentenreife erreichen.

Zunächst wird die Grundlagenforschung enger vernetzt, das Wissen gebündelt und durch eine besonders enge Zusammenarbeit intensiv genutzt. So tauschen deutsche und amerikanische Forscher bereit Versuchsprotokolle aus und teilen nicht veröffentlichte Ergebnisse miteinander. „Das ist in der Welt der Forschung eher unübliches Verfahren“, sagt Mikael Simons. „Dafür ist ein großes Maß an Vertrauen notwendig. Denn, wer gibt schon gern nicht veröffentlichte, aber wertvolle Ergebnisse preis?

Die beiden hochspezialisierten Neurowissenschaftler aus Göttingen arbeiten auf dem Feld der Wiederherstellung der Nervenschutzhülle Myelin und kooperieren bereits länger mit amerikanischen Forschern. „Der Kontakt ist sehr eng, wir haben eine monatliche Telefonkonferenz und fliegen zwei Mal pro Jahr nach San Francisco, um uns auszutauschen – jeder weiß, was der andere macht“, erklärt Simons.

Was diese internationale Zusammenarbeit bewirken kann, zeigt das Beispiel Forschungscluster in den USA, das seit 2004 arbeitet und beachtliche Erfolge melden verbuchen konnte: Neun US-Patente wurden angemeldet, zwei identifizierte Wirkstoffe werden gerade in klinischen Studien getestet. Und: Bis 2024 soll eine MS-Therapie entwickelt werden.

Die Bemühungen der MPI- und UMG-Forscher Christine Stadelmann-Nessler und Mikael Simons gehen dahin, über eine in der Therapie erreichte Regeneration der durch die Krankheit geschädigten Markscheiden die Folgen der MS schon im frühen Stadium positiv zu beeinflussen.

Sowohl Christine Stadelmann-Nessler, als auch Mikael Simons haben für ihre Forschungsarbeiten bereits mehrere Preise erhalten.

Die Unterstützung durch die gemeinnützige Hertie-Stiftung kommt zur rechten Zeit. Die Hertie-Stiftung ist der größte privater Förderer der Hirnforschung in Deutschland und hat bislang etwa 50 Millionen Euro in MS-Projekt investiert.

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