Kommentar zum A7-Unfall: Müssen Giftstoffe per Lkw transportiert werden?

+
Ein Großeinsatz, wie es ihn selbst in Deutschland nicht alle Tage gibt. Seit Freitagmorgen waren mehr als hundert Einsatzkräfte damit beschäftigt, mit dem Folgen des verunglückten Gefahrguttransporters auf der A7 fertig zu werden.

Der Unfall des Gefahrguttransporters auf der A7 bei Göttingen wirft Fragen auf. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteur Thomas Kopietz.

Müssen Giftstoffe, wie das Aluminiumphosphid in dem auf der Autobahn 7 bei Göttingen havarierten Lastwagen, überhaupt auf der Straße transportiert werden? Diese Frage stellt sich einmal mehr nach dem Unfall am Freitagmorgen.

Die Forderung eines Lesers, dass Zeug wie Rattengift nichts auf Lkw zu suchen haben und auf die Schiene gehöre, ist nicht neu und nicht unberechtigt. Tatsache ist: Unfälle auf der Schiene sind seltener als auf der Straße, der Transport in Spezialwaggons möglich. Bleibt auch die Frage, warum auf einem „normalen“ Sattelzug mit Plane derartige Giftstoffe durch die Republik gefahren werden können und dürfen?

Die Gift-Folgen in Göttingen jedenfalls hätten weitaus schlimmer sein können, für Autofahrer, Anwohner und die vielen Helfer. Immer wieder fingen die Aluminiumphosphid-Kristalle Feuer, stiegen unkontrolliert giftige Dämpfe auf. Dabei half das Glück: Der Wind trug die Wolken weg von den im Stau stehenden Autofahrern, den Dörfern Mengershausen und Groß Ellershausen sowie den südlich postierten Helfern.

Dennoch: Einige der 300 Helfer gingen wie häufig bei ihren Einsätzen auch das Risiko ein, die eigene Gesundheit zu gefährden, um andere vor Schäden zu bewahren. Der dramatische Unfall mit einem Toten auf der A 7 hat gezeigt: Ohne diese – oft freiwilligen – Helfer geht es nicht. Dafür gebührt ihnen Dank.

Gezeigt hat der Unfall und die damit verbundene A-7-Sperrung auch, dass es ohne Autobahn in Südniedersachsen nicht geht: In und um Göttingen herrschte ein Verkehrschaos. Grund: Es gibt keine parallel verlaufenden Entlastungsstraßen. So wird es also zu weiteren Stillstand-Staus in Göttingen kommen.

Was tun? Verkehrslenkende Maßnahmen wie das Abschalten der Ampeln und eine Verkehrsregelung durch die Polizei könnte ein probates Mittel sein, um die Situation zu verbessern – oder ein grundsätzlich überarbeitetes, der Aktualität angepasstes städtisches Verkehrskonzept. All das wäre wichtig, wie das Wochenende gezeigt hat, als zeitweise in der City auch Rettungswagen nur im Schritttempo vorankamen. Eine untragbare Situation.

Weil aber die Wirtschaftswelt mit den Just-In-Time-Lieferungen und der mobilen Lagerhaltung nicht umzudrehen sein wird, könnte der nächste Gefahrgutunfall schon bald wieder passieren. Das befeuert die Gedanken über Alternativen nachzudenken. Der Transport auf der Schiene wäre eine solche Möglichkeit.

Gehetzte, übermüdete Laster-Fahrer jedenfalls sind generell eine Schwachstelle, ein unkalkulierbares Risiko. Das Samstagabend erlebte Beispiel mag dafür stehen: Auf der A 44 überholte mich am Samstag auf schneeglatter Fahrbahn ein Lkw. Der Tacho zeigte 100 km/h. Wahnsinn.

Der Tag nach dem A7-Unfall: Bergungsarbeiten und Staus um Göttingen

Reparatur der A7 nach schwerem Lkw-Unfall

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.