Thailand

Netze gegen Todes-Quallen - Falschberichte über Tod der Göttingerin

Sicherheitsvorkehrungen: Mittlerweile haben Behörden in Thailand und auf Koh Samui reagiert. Am Strand von Lamai Beach gibt es Infos für Touristen und Badegäste zur Quallengefahr. Foto: Sam Gruber

Göttingen/Koh Samui. Der Tod einer jungen Frau aus Göttingen durch einen Würfelquallen-Stich hat Thailand-Touristen verunsichert, Reisen werden storniert. Auch kursieren Falschberichte über den Vorfall – bis hin zu Beschuldigungen an die 20-Jährige und ihre gleichaltrige Freundin.

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Die Familie des Opfers, die den Leichnam nicht obduzieren lässt, will verhindern, dass die Freundin und zwei Freunde, die ebenfalls dabei waren, in ein falsches Licht gerückt werden. So habe die ebenfalls durch die Qualle verletzte Freundin, die noch in der Nähe der Unglücksstelle in einem Hotel wohnt, nach Aussage des Vaters des Opfers Übermenschliches geleistet.

In Internet-Berichten und -Kommentaren wird den Frauen nachgesagt, unter Alkoholeinfluss gestanden zu haben. Die beiden wurden auch des fahrlässigen Verhaltens und Nichtbeachtens von Warnschildern bezichtigt. Das alles sei falsch, berichtet Sam Gruber, der für das Nachrichtenportal „Der Farang“ arbeitet, deren Mitarbeiter am Strand recherchierten. So hätten die Frauen – sie waren noch in Begleitung zweier Freunde – in einer Standbar am Lamai Beach Fruchtsäfte getrunken.

Die Göttingerin wollte danach unbedingt noch ins Wasser. Die beiden Frauen seien aber nicht – wie zunächst berichtet – schwimmen gegangen, sondern hätten nur wenige Meter vom Strand entfernt im seichten Wasser gesessen. Plötzlich habe die Freundin einen brennenden Schmerz an der linken Hand verspürt und sei panikartig aus dem Wasser gelaufen. Die Göttingerin aber wurde an Armen, Beinen und Bauch von den Tentakeln der Qualle gestochen, taumelte dann zum Strand.

Laut „Der Farang“ hätten die Freunde berichtet, dass sie schon am Strand wiederbelebt werden musste, weil sie in ein schockähnliches Koma gefallen sei. Eine Krankenschwester aus Südafrika habe zunächst allein geholfen – erfolglos. Die Rettungskräfte seien überfordert gewesen, habe die Frau berichtet.

Polizisten, die auch Fotos der Toten an Zeitungen weitergeben haben sollen, die auch in einer großen deutschen Boulevardzeitung veröffentlicht wurden, hatten den Frauen eine Mitschuld gegeben, weil sie Warnschilder missachtet und Alkohol getrunken hätten. Die Farang-Reporter aber hatten bei einer Strandinspektion kein Hinweisschild auf Quallengefahr entdeckt, mittlerweile seien Schilder aufgestellt worden. Nun haben auch die Behörden reagiert, ein Bade-Verbot nach Sonnenuntergang verhängt.

Die Hotelbetreiber auf Koh Samui hatten schnell zur Selbsthilfe gegriffen und Netze im Wasser anbringen lassen, die in Australien ein üblicher Schutz gegen Killerquallen sind. Die Netze sollen so lange bleiben, bis die Würfelquallen ab November dort nicht mehr auftauchen sollen. Während es zunächst hieß, die hochgiftigen Würfelquallen tauchten dort fast nie auf, sprechen Einheimische im Internet davon, dass speziell in der Bucht Phukets und an der Küste von Koh Lanta immer wieder Würfelquallen gesehen werden.

„Ein einziges Wort der Warnung hätte genügt – und die junge Frau wäre noch am Leben sein können“, klagt der Journalist Sam Gruber. „Es war eine Verkettung unglücklichster Umstände“, sagte der Journalist unserer Zeitung.

In der nächsten Woche kommt die Göttingerin zurück in ihre Heimatstadt. Der Leichnam wird von Bangkok aus überführt. Damit geht eine unendlich traurige Geschichte zu Ende, nicht aber der Leidensweg der Angehörigen und Freunde.

Die Rückführung, die Absprachen mit den Behörden, viele organisatorische Aufgaben - um all das hat sich die Freundin der Verunglückten gekümmert, obwohl sie selbst unter Schock steht und selbst durch die Qualle verletzt wurde.

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