seit Öffnung des Grenzdurchgangslagers 1945

Nach 68 Jahren: Das Rote Kreuz verlässt das Lager Friedland

Grenzdurchgangslager: Viele, die seit 1945 hier ankamen, wurden von Helfern des Deutschen Rotes (DRK) betreut. Gleich hinter dem Denkmal mit der Friedensglocke gibt es noch eine Kleiderkammer. Die Helfer werden zum Jahreswechsel abgezogen. Foto: Kopietz

Friedland. Das Deutsche Rote Kreuz gehört seit Öffnung des Grenzdurchgangslagers am 20. September 1945 zu der Einrichtung wie die berühmte Friedensglocke. Zum Jahreswechsel wird es das Symbol und die DRK-Mitarbeiter, die für die wohltätige Arbeit im Lager Friedland stehen, dort nicht mehr geben:

Das Deutsche Rote Kreuz Niedersachsen schließt die Betreuungsstelle.

Damit zieht sich ein Wohlfahrtverband aus dem eingespielten Dreier-Team mit Caritas und Innere Mission im Diakonischen Werk zurück. „Damit geht eine Ära zu Ende“, sagt Heinrich Hörnschemeyer, Leiter des Grenzdurchgangslagers. Er ist seit mehr als 20 Jahren dabei und auch für ihn wird es ungewohnt sein, wenn keine DRK-Mitarbeiter mehr im Lager arbeiten. „Sie gehörten dazu“, sagt Hörnschemeyer, der aber betont, dass der Wegfall der Betreuungsstelle keine Lücke reißen wird. „Die Betreuung ist gesichert, die Arbeit wird weitergehen – es bricht nichts zusammen.“

Zwei DRK-Mitarbeiter leisten Hilfe für die Asylbewerber, Kriegsflüchtlinge und Spätaussiedler, die in Friedland ankommen, die ersten Tage möglicherweise in einem neuen Heimatland verbringen.

Vielfältige Aufgaben

Die Aufgaben sind vielfältig, die Verteilung derer ist eingespielt für mit den anderen caritativen Helfern im Lager. „Das läuft reibungslos“, beschreibt Hörnschemeyer. Eine Rädchen greife in das andere.

Die DRK-Mitarbeiter beraten und begleiten die Menschen im Lager Friedland, sie besuchen sie in den Unterkünften, helfen bei Behördengängen, betreuen eine Kleiderkammer und verleihen auch Rollstühle. Schon am Bahnhof nehmen die Rote-Kreuz-Helfer die Ankömmlinge in Empfang, das war vor 60 Jahren so und ist heute so.

Hilfe gibt es auch bei kleinen Dingen und Antworten auf Fragen wie „Wo ist das Telefon?“, berichtet Hörnschemeyer.

Der DRK-Landesverband sieht ein „Abhandenkommen der Aufgaben“ im Lager Friedland, nachdem sich dort in den vergangenen Jahren viel verändert hat: Weniger Spätaussiedler, dafür Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge, die in zweiwöchigen Crash-Kursen – veranstaltet von anderen Einrichtungen – haben das Lager und die Betreuungsaufgaben verändert, so das DRK.

Das sei zweifelsohne so, sagt auch Heinrich Hörnschemeyer, der aber durchaus noch ein Betätigungsfeld für die zwei festen DRK-Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen, die für das Rote Kreuz immer wieder helfen, sieht. „Noch einmal, wir bedauern den Rückzug. Aber der Landesverband wird seine Gründe haben.“ Das niedersächsische DRK spart 1,5 Stellen und die Verwaltungskosten ein.

Wichtiges Symbol

Mit dem Jahreswechsel verschwindet mit den Mitarbeitern auch ein für viele der vier Millionen Ankömmlinge in Friedland dort ein wichtiges Zeichen: „Das Rote Kreuze steht weltweit für ein Symbol: Hier bekomme ich Hilfe. Das war auch bei uns in Friedland immer so“, sagt Heinrich Hörnschemeyer. (tko)

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