Nach 10 Jahren: Sturm Kyrill beschleunigte den ökologischen Waldbau

Kyrill hatte zugeschlagen: Entwurzelte und abgebrochene Bäume liegen am 20. Januar 2007 in der Nähe von Wilmsdorf (Kreis Siegen-Wittgenstein) an einem Hang. Der Sturm hinterließ auch in Niedersachsen schlimme Schäden. Mittlerweile wurde von den Landesforsten viel aufgeforstet, mit stabileren und ökologisch wertvolleren Baumarten. Foto: dpa

Göttingen/Hannover. Kyrill kam am 18./19. Januar 2007 mit Macht über das Land und machte diesen Namen berühmt. Das Sturmtief fegte mit Windgeschwindigkeiten von 200 km/h hauptsächlich über Niedersachsen und Hessen – deckte Dächer ab und schlug Schneisen in Wälder.

Eine Katastrophe für die Forstwirtschaft, aus der in Niedersachsen Möglichkeiten entstanden ist – die Wälder wachsen wieder.

1,4 Millionen Kubikmeter Sturmholz „produzierte“ Kyrill damals. Der Orkan zerstörte so die Silhouetten der Wälder 4000 Hektar in Niedersachsen waren verwüstet: Kyrill veränderte die Landschaft.

Die Landesforsten haben die sich daraus unerwartet ergebende Chance genutzt: 2000 Hektar wurden aufgeforstet. Die Förster konnten eine neue Waldgeneration auf den zunächst brachliegenden Flächen aufbauen. Auf Stücken mit abgenickten Nadelbäumen wurden nach dem Abräumen standortangepasste – zum Teil auch wertvollere – Baumarten gepflanzt wie Buchen, Eichen, Lärchen und Douglasien.

„So sind stabile , zukunftssichere und ökologisch wertvolle Mischwälder entstanden“, sagt Dr. Klaus Merker, Präsident der Landesforsten. „Die Wunden, die Kyrill im Wald hinterlassen hat, wurden bereits zwei Jahre später wieder geschlossen.“ Und: Wirtschaftlich sind die gesetzten Baumarten auch nicht uninteressanter.

Räumliche Schwerpunkte waren dabei die Bergregionen Harz, Solling und Teutoburger Wald.

Dabei half den Förstern ein mittlerweile seit 25 Jahren praktiziertes Programm mit dem markanten Namen „LÖWE“, das bedeutet „Langristige Ökologische Waldbewirtschaftung“. Grundsatz dabei ist, ein kontinuierlich und stabiles Waldgefüge, bestehend aus Laub- und Mischwäldern, zu schaffen und erhalten. Die sind auch Stürmen besser gewappnet als Monostrukturen, denn Eichen, Buchen, Douglasien und Lärchen trotzen Stürmen als gleichaltrige Nadelbäume wie Fichten. Diese Fichtenreinbestände zum Beispiel wurden durch „LÖWE“ umgebaut in Mischwälder. Das brauchte und braucht Zeit. Kyrill aber beschleunigte den „Umbau“.

Stürmen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 150 km/h aber werden weiter zu Schäden, auch in Mischwäldern, führen, sagt Landesforsten-Chef Klaus Merker. Darauf sei man aber mittlerweile über einen Notfallplan vorbereitet. Der enthält alle Maßnahmen vor, während und nach einem solchen Naturereignis. (tko)

Infos im Internet: www.landesforsten.de

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