Nach Kritik des Landesrechnungshofes: Fusion Neu Bethlehem und Neu-Mariahilf nicht absehbar

Nach Kritik des Landesrechnungshofes: Keine Fusion der Kliniken?

+
Direkte Nachbarn: Die beiden Krankenhäuser liegen nebeneinander zwischen Humboldtallee (unten) und Waldweg. Links das katholische Neu-Mariahilf, rechts das evangelische Neu Bethlehem.

Göttingen. Die Kritik des niedersächsischen Landesrechnungshofes an einer fehlenden Zusammenarbeit der Krankenhäuser Neu Bethlehem und Neu-Mariahilf in Göttingen ist bei den Betroffenen auf Unverständnis und Enttäuschung gestoßen. Der Landesrechnungshof sei „sehr pauschal mit seinen Vorwürfen“, sagte der Geschäftsführer von Neu Bethlehem, Hans-Hermann Heinrich, auf Anfrage der HNA.

Neu-Mariahilf verwies darauf, seit fast 20 Jahren keine Landesmittel in Anspruch genommen zu haben. „Ich weiß nicht genau, was der Landesrechungshof von uns will“, sagte der stellvertretende Verwaltungsleiter Jens Wegmüller. „Neu Bethlehem hat kein Problem damit, ein neues christliches Krankenhaus an der Humboldtallee aufzumachen.“

Der Rechnungshof hatte die Krankenhausplanung des Sozialministeriums beanstandet und dabei die Situation in Göttingen als Negativbeispiel genannt. Obwohl in der Stadt mit dem Uni-Klinikum ein medizinischer Vollversorger zur Verfügung stehe, unterstütze das Land das evangelische Neu Bethlehem und das katholische Neu-Mariahilf.

„Man könnte sich eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Häusern vorstellen. Man kann zum Beispiel Verwaltungen zusammenlegen“, sagte der Vizepräsident des Rechnungshofes, Fritz Müller, gegenüber dieser Zeitung. Wenn etwas historisch gewachsen sei, stießen Veränderungen zwar teilweise auf Widerstände. „Dann muss man miteinander positiv arbeiten, um diese Widerstände aufzulösen“, sagte Müller.

Diese Ermunterung findet in Göttingen ein wenig begeistertes Echo. Die beiden Krankenhäuser liegen nebeneinander zwischen Humboldtallee und Waldweg, in der Nachbarschaft haben sich mehrere Ärztehäuser angesiedelt. Träger von Neu Bethlehem ist Pro Diako, Träger von Neu-Mariahilf der in Hildesheim ansässige katholische Orden der Vinzentinerinnen.

Ärzte in Northeim

Beide Krankenhäuser fühlen sich einem christlichen Weltbild verpflichtet, aber: „Die Konfessionen sind vielleicht schwierig unter einen Hut zu bekommen“, sagt Jens Wegmüller (Neu-Mariahilf). Sein Haus sei eng verzahnt mit niedergelassenen Ärzten, arbeite mit dem Labor des Uni-Klinikums zusammen und strebe neuerdings Kooperationen mit Northeimer Ärzten an. Eine Fusion mit Neu Bethlehem werde es „in absehbarer Zeit“ nicht geben. „Das ist für Außenstehende sicher schwierig zu verstehen“, räumt Wegmüller ein, stellt aber klar: „Was wir hier machen, machen wir aus eigenen Mitteln.“ Derzeit baut Neu-Mariahilf ein neues Bettenhaus, Kosten: 3,5 Millionen Euro.

Neu Bethlehem erinnert daran, dass in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Anläufe unternommen worden seien, um die Kooperation der Nachbarn zu verstärken. Man habe den Eindruck gewonnen, dass eine Zusammenarbeit seitens der Kongregation (d.h. des Ordens) nicht erwünscht sei, sagt Geschäftsführer Heinrich. „Ich vermute, der katholische Orden hat große Probleme, mit einem evangelischen Krankenhaus zusammenzuarbeiten.“

Nur weil Neu Bethlehem sich ernsthaft um eine Zusammenarbeit bemüht habe, habe es Fördermittel vom Land erhalten, obwohl eine Fusion nicht zustande gekommen sei, sagt Heinrich. „Neu Bethlehem hat kein Problem damit, ein neues christliches Krankenhaus an der Humboldtallee aufzumachen.“

Fördermittel des Landes für Krankenhäuser in Göttingen

Nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums erhielten die Krankenhäuser in Göttingen folgende Fördermittel:

Evangelisches Krankenhaus Weende:
- 2001 Sanierung Altbau, Neustrukturierung 3. Bauabschnitt: 12,71 Mio Euro
- 2006 Zusammenschluss mit Lungenklinik Lenglern: 17,1 Mio Euro
- 2009 Umbau der Radiologie: eine Mio Euro

Neu Bethlehem:
- 2006 Sanierung und Erweiterung 2. Bauabschnitt 10,8 Mio Euro

Neu-Mariahilf: kein aktueller Bedarf
- 1989 Sanierung 1.Bauabschnitt 9,6 Mio Euro
- 1992 Sanierung 2.Bauabschnitt 12 Mio Euro (coe)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.