Fehlendes Verantwortungsbewusstsein

Nach Unfall: Göttinger Gericht verbietet Mann weitere Kindertagespflege

+
Das Verwaltungsgericht Göttingen: Hier fiel die Entscheidung zur Kindertagespflege.

Göttingen. Wer Kinder unbeaufsichtigt lässt und sie dadurch gefährdet, kann nicht weiter in der Kindertagespflege arbeiten. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden.

Die Kammer wies die Klage eines gelernten Elektronikers gegen den Landkreis Göttingen ab. Dieser wehrte sich dagegen, dass die Behörde seine befristete Erlaubnis zur Kindertagespflege nicht verlängern wollte.

Das Gericht begründete dies unter anderem damit, dass eines seiner Pflegekinder auf seinem Hof von einem Auto angefahren und erheblich verletzt worden war und er das Jugendamt nicht über den Unfall informiert hatte.

Das Gericht gab der Behörde Recht. Der Kläger habe sich als unzuverlässig und damit als ungeeignet erwiesen. Er habe daher keinen Anspruch auf eine weitere Erlaubnis zur Kindertagespflege (Aktenzeichen 2 A 379/14).

Die Behörde erfuhr erst zwei Wochen später und nur durch Zufall von dem Unfall. Sie lud den Kläger zu einem Gespräch ein, das dieser jedoch ohne Begründung absagte. Daraufhin machten zwei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes einen unangekündigten Hausbesuch. Dort stellten sie fest, dass zwei Kinder ohne Aufsicht im Sandkasten spielten.

Dieser Bereich sei vom Haus aus, wo sich der Kläger mit weiteren Kindern aufgehalten habe, nicht einsehbar gewesen. Nach diesen Vorfällen lehnte es der Landkreis ab, die Erlaubnis zur Kindertagespflege zu verlängern. Da der Kläger mehrfach seine Aufsichtspflicht grob vernachlässigt habe, sei davon auszugehen, dass die Sicherheit der ihm anvertrauten Kinder künftig nicht gewährleistet sei. Ihm fehle es sowohl an Verantwortungsbewusstsein als auch an der nötigen Zuverlässigkeit und Kooperationsfähigkeit.

Dies sah auch das Verwaltungsgericht so. Der Kläger sei nicht in der Lage, altersbedingte Gefahren für Kinder abzuschätzen und darauf angemessen zu reagieren. Dies zeige sich auch daran, dass er nach dem Unfall den Betrieb der Kindertagespflege habe weiterlaufen lassen, ohne unfallverhütende Maßnahmen zu ergreifen. Erst ein halbes Jahr später habe er ein festes Tor eingebaut, damit keine Autos mehr auf den Hof fahren können, wenn dort Kinder spielen.

Uneinsichtigkeit

Zuvor hatte ihm das Amtsgericht Duderstadt eine erschreckende Uneinsichtigkeit vorgeworfen. Der Kläger hatte sich dort aufgrund des Unfalls in einem Strafverfahren verantworten müssen. Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe.

In seinem Urteil wies es darauf hin, dass der Angeklagte die Schuld an dem Unfall nur bei anderen suche. Dies spreche nicht gerade dafür, dass er zum Betrieb einer Tagespflege geeignet sei. 

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.