Nacht des Wissens schlägt Rekorde: Riesenhunger auf Wissenschaft

3. Nacht des Wissens Göttingen: Es puffte und wirbelte im Hörsaal der Physik bei der Physik-Show. Elf Akteure und viele Helfer holten sich am Ende einen kräftigen Applaus des Publikums. Viele Besucher fanden kleinen Platz im Saal. Foto: Kopietz

Göttingen. 25 Veranstaltungsorte, 320 Programmpunkte – die „3. Nacht des Wissens war gigantisch“. Ein Streifzug:

DPZ: Lernen von Affen

Im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) sind die Stände des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) gefragt bei Kindern. Es ist voll im oberen Foyer. Um etwas zu sehen, heißt es Schlange stehen. DPZ-Mitarbeiter erklären unermüdlich, wie Affen mit Aufgaben am Bildschirm auf Experimente vorbereitet werden. Die Tiere lernen durch Ausprobieren und Belohnung. Am Nachbartisch experimentieren Kinder mit Pipette und Mikroskop als Infektionsforscher. Im Hörsaal erklären Expertinnen, dass man im alten Ägypten vor allem auf die Kombination von Naturheilkunde und Magie setzte. Ein Schmerzmittel aus 1350 vor Christus kann probiert werden – Zutaten: Dill, Datteln, Rosinen und Wein.

PFH: Geiz in nicht Geil

Themawechsel in die Gegenwart: In der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) erklärt Prof. Michael Heinlein, warum Geiz nicht geil ist. Auf den ersten Blick sind Rabatte gut für Kunden, aber langfristig führen sie zur Marktkonzentration. Am Ende würden wenige Unternehmen die Preise wieder diktieren, sagt Heinlein.

Zurück zur Keilschrift

Zurück in die Vergangenheit führt das Kulturwissenschaftliche Zentrum. Besucher stehen am Tisch mit alten Karten des Institutes für Historische Landesforschung. Am Computer lassen sie sich zeigen, wie ihr Wohnort vor 200 Jahren aussah. Auch die älteste Schrift der Menschheit fasziniert. Studenten der Altorientalistik helfen dabei, einige der Keilschrift-Zeichen in Tontäfelchen zu ritzen.

Magnet Nordcampus

Der Nordcampus ist „der“ Renner der NDW: Viele Parkplätze sind belegt, die kostenlosen Shuttle-Busse spucken massenweise Besucher aus. Viele gehen auch den Weg vom nahen Klinikum zu Fuß. Angekommen, wird es eng, es heißt oft Schlange stehen: So, um einen Blick in der Astrophysik durch das Teleskop zu erhaschen oder eine Führung im Laserlaboratorium und dem enorm gefragten, schönen Gebäude des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung (MPS) zu erwischen, wo über 200 Helfer dabei sind. Viele tausend Menschen sind fasziniert von fremden Welten, Planeten und der Kometenmission „Rosetta“, durch die das MPS weltweit im Gespräch war.

„Wir können ja nicht für die Nacht des Wissens größere Hörsäle bauen!“ Prof. Arnulf Quadt, Chef der Physik-Show, steht um 18.30 Uhr vor einem Problem, der Andrang ist groß, der Hörsaal zu klein. 200 Menschen müssen draußen bleiben, manche kommen um 23 Uhr zur Late-Night-Show wieder. Vor der Chemie stehen um 20.45 Uhr etwa 300 Menschen vor der Tür. Keiner darf mehr hinein. Die Sicherheitskräfte sind auch wegen Gas- und Feuer-Experimenten strikt, keiner darf auf den Treppen sitzen.

Lilienthal und ein Jet

Mehr Freiraum gibt es im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in der Südstadt. In der prächtig beleuchteten Halle hängt der Nachbau des Lilienthal-Gleiters neben dem Dornier-Versuchsjet. Historie trifft auf Gegenwart – auch das ist die Nacht des Wissens 2017.

Uni-Klink einmal anders

Schon früh am Abend ist im Universitätsklinikum viel los. Die Hörsäle sind voll, dicht umlagert ist der Operations-Roboter „Da Vinci“ – jeder wollte einmal Chirurg sein und ausprobieren, wie der Roboter arbeitet. Am Samstag operieren die Besucher nicht wirklich, sondern versuchen, Ringe auf Stangen zu stecken. „Ich habe es mir komplizierter vorgestellt“, sagt der 24-jährige Student Drin Krasniqi und ergänzt: „Das wird noch vielen Menschen helfen.“ Der Roboter wird vor allem für urologische Eingriffe eingesetzt, sagt Dr. Valentin Popeneciu.

Eingriff in eine Paprika

„Normale Instrumente“ können vor allem Kinder mit den HNO-Ärzten entdecken: Mit Endoskopie-Instrumenten muss ein Gummibärchen aus einer Paprika entfernt werden. Auf einem Bildschirm beobachten die Kinder das Innenleben der Paprika. „Währenddessen erklären wir den Besuchern die Instrumente und die Bereiche der Nasennebenhöhlen, wie die Stirn- oder die Kieferhöhle“, sagt Christoph Braunwarth. Philipp Gründel aus Göttingen macht die – gelungene – Operation viel Spaß: „Es ist interessant, einmal selbst die Instrumente ausprobieren zu können.“

Riesiger Darm

Mächtig was los ist derweil im Darm, der heute durchschritten werden kann. Aber die Warteschlange an dem sechs Meter langem Dickdarm-Modell ist lang. Fast zehn Minuten Zeit mussten die Besucher investieren, wenn sie in das Organ gehen wollten. „Im Darm sind typische Krankheitsbilder zu sehen, auch Polypen, aus denen Krebs entstehen kann“, sagt die Gastroentrologin Dr. Silke Cameron. Auch können die Besucher Körperwerte messen, wie den Fettgehalt – ein klassische Risiko für Darmkrebs sind Übergewicht und Diabetes“, sagt Cameron.

Die UMG stellt zu jeder Nacht des Wissens ein begehbares Organ aus, vor zwei Jahren war es ein Herz.

25.000 Besucher bei Nacht des Wissens in Göttingen

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