Nackte Tatsachen und ein Schilderwirrwarr: Kurioser Rückblick der Polizei Göttingen

+

Unter den zahlreichen Einsätzen der Göttinger Polizei waren 2015 auch Kurioses und Geschichten fürs Herz. Ein Rückblick mit flüchtenden Radfahrern und singenden Seemännern.

Am Mittwoch hat die Polizei zum Jahresende eine kleine Auswahl veröffentlicht. Sie schreibt: "Los geht's also mit Verkehr, Sonstigem, Erlebnissen aus dem Tierreich und nackten Tatsachen. Viel Spaß beim Lesen und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Ihre Polizei Göttingen."

Stichwort "Verkehr"

Also das war nun doch wirklich nicht zu übersehen. Auch nicht für eine Zivilstreife der Polizei. Auf der Rudolf-Winkel-Straße blieb das wachsame Auge der Beamten an einem Nachmittag im Februar zwangsläufig am Heck eines Renault Twingo hängen. Das hintere Kennzeichen auf dem Kopf angeschraubt, war ein 31 Jahre alter Göttinger mit dem Wagen unbekümmert unterwegs. Bis ihn die Polizei stoppte. Das falsch montierte Kennzeichen stellte sich bei der Kontrolle als das geringere Übel heraus. Den Beamten präsentierte der Mann nämlich einen gefälschten Führerschein. Einen anderen hatte er offenbar nicht. Fahrt zu Ende.

Ebenso schlecht gelaufen ist es für einen 46 Jahre alten Göttinger, der nur seiner Meldeauflage nachkommen wollte. Mit seinem frisch auf ihn zugelassenen BMW fuhr der Mann auf das Gelände der Polizeidienststelle an der Groner Landstraße. Das kam bei den Beamten gar nicht gut an, war doch dort bekannt, dass der 46-Jährige eigentlich wegen einer bestehenden Fahrerlaubnissperre noch gar nicht "mobil" sein durfte. Schließlich tischte der Göttinger den Ermittlern noch die Totalfälschung eines rumänischen Führerscheines auf. Jetzt war aber Schluss mit lustig. BMW und Fälschung wurden beschlagnahmt, Ermittlungen eingeleitet. Fahrt zu Ende.

Das Wort "schief" spielt auch in unserem nächsten "Verkehrsfall" irgendwie eine entscheidende Rolle. Im Heidkopftunnel auf der Autobahn 38 trug sich Mitte März folgendes zu: Ein 64 Jahre alter Autofahrer war mit seinem VW Golf in Richtung Göttingen unterwegs. Ungefähr als er sich in der Mitte des Bauwerkes befand, verrutschte dem Mann aus Nordrhein-Westfalen plötzlich die Brille. Bei der "Korrekturhandlung", verlor der 64-Jährige offenbar die Kontrolle über sein Fahrzeug. Das Auto kam  von der Fahrbahn ab, prallte gegen die Tunnelwand, wurde von dort abgewiesen und blieb schließlich auf dem Überholfahrstreifen stehen. Die Tunnelwand wurde bei dem Aufprall nur leicht beschädigt. An dem VW Golf hingegen entstand erheblicher Schaden. Bis zum Abtransport des Wagens musste die Röhre in Richtung Göttingen außerdem eine Stunde voll gesperrt werden. Es bildete sich ein ca. drei Kilometer langer Stau. Der Autofahrer blieb unverletzt.

Die Flucht vor der Polizei endete für einen 23 Jahre alten Radfahrer im August in einem Göttinger Heckenrosenbeet. Der junge Mann war den Beamten aufgefallen, weil er mit hoher Geschwindigkeit und in leichten Schlangenlinien den Nikolausberger Weg hinunter fuhr. Eigentlich wollten die Polizisten ihn in einem Gespräch nur über die leicht mangelhafte Beleuchtung an seinem Gefährt aufklären. Doch es kam anders. Wenige Meter vor der Rot zeigenden Ampel im Kreuzungsbereich Bühlstraße/Humboldtallee sprachen die Beamten also den Radler an und sagten ihm, dass er für eine Verkehrskontrolle stehen bleiben möge. Der antwortete aber grinsend: "Nö, keinen Bock!", trat in die Pedale und fuhr in Richtung Humboldtallee davon. Hierbei überfuhr er die beschriebene Ampel und dann auf dem Gehweg weiter in Richtung Krankenhaus. Auch der zweite Anhalteversuch scheiterte. Wieder reagierte der Radfahrer nicht, sondern fuhr durch eine kleine Hecke direkt auf das Gelände des Krankenhauses. Noch immer verfolgt von der Polizei versuchte er jetzt, seine Fahrt zu beschleunigen. In diesem Moment bemerkte der 23-Jährige, dass sich unmittelbar vor ihm eine kleine Beetrosenhecke und ein Fahrradständer befanden. Seine eingeleitete Vollbremsung brachte ihn ins Schlingern, so dass er mit seinem Lenker gegen den Außenspiegel des Streifenwagens stieß und danach seinen Lenker verriss, was ein "Absteigen über selbigen" zur Folge hatte. Die Landung erfolgte in einem Beet aus kniehohen Heckenrosen. Gegenüber den beiden Polizisten räumte der Mann schließlich ein, dass es eine "sehr doofe Idee" gewesen sei, vor der Polizei abzuhauen und ihm dieses Leid täte. Er stand nur leicht unter Alkoholeinfluss.

Ein echter Fall von mangelnder Ladungssicherung ereignete sich im September. Der interessante Plan eines 53 Jahre alten Göttingers, eine 90 mal 200 cm große Matratze mit seinem Peugeot-Kleinkraftrad zu transportieren, scheitere leider kläglich. Auf dem Schlagenweg verfing sich die eingeklemmte Schlafunterlage im Vorbeifahren an einem Autoreifen und brachte Fahrer mitsamt Ladung zu Fall. Bei dem Sturz zog sich der Göttinger leichte Verletzungen zu. Er wurde ins Krankenhaus gebracht.

Einen etwas ungewöhnlichen Verkehrsunfall gibt es schließlich noch aus dem Dezember zu berichten. Bei dem Versuch, sich während der Fahrt durch das Fenster ihres Autos zu übergeben, kam auf der L569 kurz hinter dem Ortsausgang von Göttingen eine junge Frau von der Straße ab und landete im Straßengraben. Die Göttingerin überstand den Vorfall unverletzt. Bei der Unfallaufnahme wurde Alkoholgeruch in der Atemluft der Frau festgestellt. Ihr Führerschein wurde sichergestellt. Eigenen Angaben zufolge, sei ihr während der Fahrt plötzlich sehr übel geworden.

Stichwort: "Sonstiges"

Noch am Tatort schon mal eben selbst bestraft, hat sich ein amtsbekannter Göttinger im August. Vom späten Abend bis in die Nacht hatte der unter Alkoholeinfluss stehende 52 Jahre alte Mann insgesamt elfmal den Polizeinotruf gewählt, ohne dass dafür ein "polizeilich relevanter Notfall" vorlag. Eine Funkstreife stattete dem Störenfried schließlich einen Hausbesuch ab. Die Beamten nahmen den Dauerwähler erst ins Gebet und eröffneten ihm danach die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Missbrauchs von Notrufen. Das gefiel dem 52-Jährigen nun gar nicht. Ohne Vorwarnung holte er sein Mobiltelefon hervor, warf es auf den Boden, trat darauf herum, hob es wieder auf und brach es abschließend noch in der Mitte durch. Weitere unzulässige Anrufe über "110" blieben daraufhin logischerweise aus.

Kurz und bündig verlief das Telefonat zwischen einem angeblichen Polizeibeamten der "Kripo Kassel/Hamburg" und einer 71 Jahre alten Dame aus Hann. Münden ebenfalls im August dieses Jahres. Der mutmaßliche Trickbetrüger hatte die Frau aufgefordert, wegen Datenmissbrauchs 3800 Euro zu zahlen. Die Antwort des angedachten Opfers fiel kurz und inhaltlich unmissverständlich aus. Mit den Worten "Du kannst mich mal" legte sie einfach den Hörer auf.

Auf extra großes Diebesgut hatten es Unbekannte im Juni und im September abgesehen. Von einer Weide in der Feldmark bei Ebergötzen etwa verschwand Mitte Juni ein kompletter Weideunterstand spurlos.

Auch ungewöhnlich: Während ein 38 Jahre alter Göttinger beruflich auf Montage weilte, räumten unbekannte Diebe das Apartment des Mannes in einem Wohnkomplex an der Groner Landstraße vollständig aus. Von Mikrowelle, Waschmaschine, Kühlschrank, Sofa, Flachbildschirmfernseher, Schrankwand und sogar dem verklebtem Teppichboden fehlte jede Spur.

Wieder aufgetaucht ist im Juni hingegen eine vor 25 Jahren gestohlene Brieftasche. Eine Frau aus Groß Schneen fand das ramponierte Täschchen am Wendebachstausee und gab es bei der Polizeistation Friedland ab. Anhand des noch immer vorhandenen Führerscheins und eines Fahrzeugscheines konnte der Eigentümer ermittelt und auch erreicht werden.

Doch nicht immer geht es harmonisch zu. Selbst in der allertrautesten Zweisamkeit gibt es ab und zu mal Stress. So geschehen im September in Rosdorf. Hier rief ein Mann die Polizei, weil er sich mit seiner Lebenspartnerin stritt. Als die Beamten eintrafen, war die verbale Auseinandersetzung zwar bereits beendet, dennoch kam man natürlich ins Gespräch. Es kam ans Licht, dass Anlass des Streites die "fehlende Mitarbeit des Mannes bei der Hausarbeit" gewesen sei. Der Rosdorfer versprach, sich zu bessern.

Der größte "kuriose" Kriminalfall des Jahres 2015 dürfte aber wohl der mysteriöse Ortsschildertausch im Juni des Jahres sein. Was war das für eine Aufregung. Über Nacht wusste auf einmal niemand nicht mehr so recht, in welchem Ortsteil oder gar Landkreis er war. Gelöst wurde der unheimliche Fall leider nicht. Oder wollen sich die Verursacher vielleicht doch noch bei uns melden?

Stichwort: "Erlebnisse aus dem Tierreich"

Auch in einer großen Stadt wie Göttingen gibt es interessante Begebenheiten mit der heimischen Tierwelt.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass auch unseren haarigen Freunden anscheinend nichts Menschliches fremd ist. Eindeutiger Beweis für diese These ist das Auftreten eines erheblich alkoholisierten Waschbären in Hann. Münden im Juni. Vermutlich durch den Konsum vergorener Früchte vollkommen berauscht, torkelte der kleine Bär durch die Gegend. Dies rief besorgte Anwohner auf den Plan, die eine Verletzung vermuteten. Mehrere Anrufe ereilten die Polizei Hann. Münden, die im weiteren Verlauf zweimal ausrückte, um nach Procyon lotor zu sehen. Zuletzt fanden die Ermittler den Waschbären wohlbehalten im Unterholz, wo er offenbar seinen Rausch ausschlief.

Auch entlaufene Tiere beschäftigten die Polizei in Göttingen. Beispielhaft erwähnt sei an dieser Stelle die Eselin "Gretha", die sich im Juni in Reinhausen umsah. Oder auch das amtsbekannte Hausschwein (Name unbekannt) einer Studentenverbindung in der Reinhäuser Landstraße, das sich im Juni durch ein Loch im Zaun mehr Auslauf verschaffte. Aus einem privaten Gehege im Bereich Holtensen hatte sich gleich zu Beginn des Jahres eine Hirsch-Familie auf die Wanderschaft gemacht. Und auch Schafe haben einen gewissen Freiheitsdrang. Im September zog eine kleine Herde durch mehrere Straßen der Südstadt, bis man ihrer schließlich im Windausweg vor einer Bäckerei habhaft werden konnte.

In Duderstadt schließlich musste die Polizei an einem Abend im Juni gar ausrücken, um einen aufdringlichen Hunderüden zu verjagen. Die Halterin einer läufigen Hündin wusste sich keinen anderen Rat mehr, nachdem sämtliche Vertreibungsversuche ihrerseits gescheitert waren, den freilaufenden Hund loszuwerden. Der unbekannte Vierbeiner verhielt sich dann irgendwie wie die meisten "Tatverdächtigen". Mit Eintreffen der Beamten ergriff er sofort die Flucht.

Einen ungewöhnlich langen Weg hatte im Mai ein in Berlin verloren gegangener Ehering hinter sich, bevor er in Göttinger wieder auftauchte. In einem Berliner Krankenhaus landete der wertvolle Fingerschmuck einer 32 Jahre alten Frau versehentlich mit in der Krankenhauswäsche. Diese wurde am darauffolgenden Tag in eine Göttinger Großreinigung gefahren. Hier konnte das vermisste Schmuckstück zum Glück wieder aufgefunden und später an seine rechtmäßige Trägerin ausgehändigt werden.

Ebenfalls ungewöhnlich ist die folgende Geschichte. Während er an einer französischen Tankstelle übernachtete, ist im September ein 52 Jahre alter Wohnmobilfahrer aus der Gemeinde Staufenberg von einem unbekannten Eindringlich bestohlen worden. Der Dieb entkam mit der Geldbörse des Mannes, in der sich mehrere hundert Euro befanden, und dessen Handy. Ein LKW-Fahrer fand wenig später das Portmonee, nahm es mit nach Rumänien, übergab es hier einem Vertreter seines Arbeitgebers, der wiederum nahm die Börse mit nach Deutschland und gab sie bei der Polizei ab. Bargeld und Handy sind zwar weg, die gezeigte Hilfebereitschaft ist aber auf jeden Fall diese kurze Mitteilung wert.

Stichwort: "Nackte Tatsachen"

Ein unbekleideter Mann, der sich in einem Waldgebiet bei Herberhausen an seinem Auto aufhielt, zog an einem Abend im Mai den Einsatz eines Streifenwagens nach sich. Was war passiert: eine Frau hatte den Nackedei gesehen und die Beamten alarmiert. Die überprüften die Situation genau und stellten schließlich fest, dass sich der 61 Jahre alte Mann aus Hessen in Begleitung einer Frau befand. Beide gaben übereinstimmend an, "dass man sich im Auto näher gekommen und zum Auskleiden ausgestiegen sei". Das klingt einleuchtend.

Wie "der liebe Gott ihn schuf", also völlig unbekleidet, soll ein Mann im Juli mehrfach bei einem Göttinger Imbiss aufgetaucht und sich Döner bestellt haben. Das ging eine Zeit lang gut. Irgendwann reichte es dem Imbissbetreiber schließlich und er informierte die Polizei. Die Beamten suchten den mutmaßlichen Nacktgeher in seiner Wohnung auf und führten ein klärendes Gespräch. Das Motiv für sein Verhalten ist unklar.

Zum Schluss noch die kuriose Premiere des Jahres 2015. Am Neujahrstag gegen 17 Uhr sammelte eine Funkstreife der Polizei im Windausweg einen Zitat "stark angetrunkenen Seemann ein, der seinen Weg nicht mehr allein fortsetzen konnte". Die Beamten brachten den 74 Jahre alten Mann nach Hause. Als kleines Dankeschön für die freundliche Hilfe sang er den beiden Polizisten während der Fahrt zu seinem "Heimathafen" Seemannslieder. So geht es also auch.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.