Eier für den Wochenmarkt

Zwei neue Hühnermobile: Seulinger Landwirt Sascha Wedekind investiert 300.000 Euro

Landwirt Sascha Wedekind steht vor einem Hühnermobil inmitten von Hühnern. Im linken Arm hält er eine Henne.
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Hält im Eichsfeld-Dorf Seulingen insgesamt 2050 Legehennen: Landwirt Sascha Wedekind.

Wöchentlich 12.000 Eier aus eigener Freilandhaltung verkauft Sascha Wedekind auf dem Göttinger Wochenmarkt – so viele wie kein anderer Standbetreiber dort. In diesem Jahr hat der Seulinger Glüxsei-Unternehmer 300.000 Euro in zwei neue Mobilställe investiert.

Seulingen – „Die mobilen Ställe, die ich auf vier Hektar gepachteter Fläche regelmäßig umsetze, habe ich nach eigenen Vorgaben bauen lassen“, berichtet der gelernte Landwirt, der sieben Mitarbeiter beschäftigt. Jeweils 800 Hennen passen in die beiden Ställe, die den eigenen Strombedarf mit Solarzellen auf dem Dach decken. Die Fütterung der Tiere läuft ebenso automatisch wie das morgendliche Öffnen der Stalltüren.

Wenn die Sonne untergeht, gehen unter dem Mobilstall die Lichter an. „Hühner laufen immer zum Hellen“, berichtet Wedekind. Nach einer Weile geht dann das Licht im Stall selbst an und die Lichter unterm Stall aus. Die Tiere gehen hinein, setzen sich auf ihre Stangen. Sind alle drin, geht das Licht automatisch aus. Die Stalltür schließt sich. Gegen Füchse, Marder und Waschbären schützt ein Elektrozaun die Tiere. Unterstände auf der Wiese bieten tagsüber Schutz gegen den Habicht, der von Zeit zu Zeit am Himmel kreist.

Mit Hühnern ist Wedekind groß geworden. Der Großvater und der Onkel sind Bauern. Nach seiner 2004 beendeten Lehre hat der Seulinger in einem Gartenbaubetrieb gearbeitet. Damals erkannte er das Potenzial, das in der Direktvermarktung steckt. Wer seine Kunden persönlich kennt, kann angemessene Preise besser durchsetzen als ein Landwirt, der große Mengen für einige wenige Abnehmer oder gar den Weltmarkt produziert.

Von Gras allein werden Legehennen nicht satt: Die Tiere bekommen vor allem Getreide, Mais und Sojaschrot zu fressen.

Im Mai 2017 machte sich der Vater von zwei Söhnen an der Hauptstraße 17 selbstständig. Er setzt auf Transparenz, schätzt die kritischen Kunden des Göttinger Wochenmarkts. Sie wollen zum Beispiel wissen, was mit dem Brüderküken passiert. „Sie werden vom kommenden Jahr an aufgezogen“, berichtet der Landwirt, der seine Hennen im Alter von 20 Wochen kauft. Das Nachsehen haben dann jedoch Tierhalter, die mit toten Brüderküken bisher ihre Reptilien oder Raubvögel satt bekamen, gibt er zu bedenken.

Die Kunden wollen auch wissen, womit Wedekind seine Hühner füttert. „Mit Gras und Regenwürmern können Legehennen ihren hohen Energiebedarf nicht decken“, betont der Unternehmer. Sein zugekauftes Futter besteht zu drei Vierteln aus Gerste, Weizen und Mais. Ein Viertel macht Sojaschrot mit etwas Erbsen aus. Den Hühnerkot übernimmt der Betreiber einer örtlichen Biogasanlage. Mit den Gärresten wird später das Grünland gedüngt, auf dem Wedekind seine 2050 Hennen hält. Jedem Tier stehen dort 20 Quadratmeter zur Verfügung.

13 Monate lang legen die Hühner für den Seulinger Eier. Dann werden sie geschlachtet. Die Suppenhühner verkauft der Bauer ebenfalls auf dem Wochenmarkt. Aus Eiern, die nicht vermarktet werden können, lässt er Nudeln und Gebäck, Eierlikör und Pralinen herstellen. Etwa 2000 Eier in der Woche verkauft Wedekind über Hofläden und demnächst einen Supermarkt. (Michael Caspar)

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