Neue Uni-Forschungsarbeit: Detektive im Kunstdepot

Präsentation: Zum Abschluss der Forschungsarbeit stellte das Team mit (von links) Andreas Lampe, Lea Grüter, Stephanie Vierkorn, Susanne Wenzel und Juliet Ackermann – hier mit Projektbetreuerin Christine Hübner – die Ergebnisse öffentlich vor. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Göttingen. Gibt es einen unerkannten Schatz im Depot der Kunstsammlung der Universität Göttingen? Während des Forschungsprojektes wurde die Arbeit mit den italienischen Gemälden der Lehrsammlung für die beteiligten Studierenden der Kunstgeschichte immer spannender.

Sichtlich begeistert berichteten sie während der öffentlichen Präsentation, mit der die achte Auflage des Projekts „Forschungsorientiertes Lehren und Lernen“ (FoLL) endete, über ihre kunstgeschichtliche Detektivarbeit.

Dabei kamen die BachelorStudenten der Kunst näher als üblich, mussten sich nicht wie im Studium mit Abbildungen begnügen. „Es war sehr spannend, selbst mit ein oder zwei Originalen zu arbeiten und zu überlegen, wie kann ich vorgehen“, berichtete eine Teilnehmerin.

Eine kniffelige Aufgabe, denn wie fast alle Werke der Kunstsammlung gelangten die etwa 30 italienischen Gemälde durch Schenkungen in den Besitz der Universität. Bislang gab es keine grundlegende Forschung zu diesem Teil der Göttinger Sammlung und so ist in vielen Fällen nicht einmal der Künstler bekannt.

Eine Station, um die Geschichte der Werke aus dem 14. bis 19. Jahrhundert zu klären, war das Archiv. Das Aktenstudium kann schwierig sein, stellten die Studenten fest. Zum Beispiel, wenn man eine mehr als 100 Jahre alte Handschrift entziffern will.

Wissen und ein wenig Glück

Der Geldtopf der Universität für das FoLL-Projekt (siehe Hintergrund) ermöglichte auch aufwändige Wege. So reisten für einen Studientag Experten italienischer Kunst aus Bonn, Mainz und Kassel an, um mit dem Team über die Bilder zu sprechen. Dabei profitierten die Studenten nicht nur vom Wissen und der Erfahrung der Fachleute. Auch ein bisschen Glück ist manchmal nötig. „Das Bild kenne ich. Davon habe ich eine Postkarte“, erfreute ein Experte eine Studentin. Ihr Bild entpuppte sich als Ölskizze eines Altarsgemäldes, das Gianbettino Cignaroli (1706-1170) aus Verona geschaffen hat. Vergleichen, vergleichen, vergleichen, lautete das Motto der Arbeit. Dabei wuchs der Ehrgeiz, mehr über das „eigene“ Bild zu erfahren, waren sich die Projektteilnehmer einig. „Man will herausfinden, wer der Künstler ist.“

Nicht immer endet die Recherche wie erhofft. So führte eine Exkursion nach Altenburg in einer Sackgasse. Ein Blick auf die dortige Kreuzigungsszene von Lorenzo Monaco (um 1370 bis 1425) genügte, um festzustellen, dass „wir hier in Göttingen keinen Monaco haben“. Eine Schwarz-Weiß-Kopie hatte auf die falsche Fährte geführt. Aber der Blick auf das Original offenbarte den großen Qualitätsunterschied.

Obwohl die angehenden Kunsthistoriker nicht alle Rätsel lösen konnten, bleibt ihr Forschungsprojekt nicht nur Theorie. Denn Ziel der wissenschaftlichen Aufarbeitung ist die Erstellung eines Bestandskatalogs. Der soll 2015/16 erscheinen und - das hoffen die Studenten - mit einer Ausstellung verbunden werden. (zsh)

Hintergrund: Forschen schon im Bachelorstudium

Während des Bachelor-Studiums geht es vor allem um die Aneignung von Fachwissen. Die Möglichkeit, einmal über den Tellerrand zu blicken und selbst in einem Team praxisnah zu forschen, bietet Studierenden das Projekt „Forschungsorientiertes Lehren und Forschen“ (FoLL).

Dabei erleben die Teilnehmer einen kompletten Forschungszyklus von der Projektplanung bis zur öffentlichen Präsentation. Begleitet werden sie von Lehrenden. Die Hochschuldidaktik bietet begleitende Workshops an. Pro Jahr unterstützt die Uni zehn Forschungsprojekte mit bis zu 5000 Euro aus dem Topf des Programms „Göttingen Campus Qplus“, das Bund und Land fördern. Aktuell läuft die Bewerbung für die nächsten Forschungsprojekte im Wintersemester. (zsh)

Mehr Infos: www.uni-goettingen.de/forschendeslernen

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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