Studentenwohnprojekt kann zu Seniorenwohnanlage umgebaut werden

Neues Studentenwohnhaus in der Nordstadt: Gemeinschaftsprojekt von Städtischer Wohnungsbau GmbH und Studentenwerk, die Planer waren die Architekten Sergio Pascolo (links) und Lothar Ülsmann. Foto: Kopietz

Göttingen. Zur Schlüsselübergabe für das Studentenwohnhaus Theodor-Heuss-Straße 13 kam auch Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt. Das hatte seinen Grund, denn mit dem Projekt setzen die Beteiligten ein Zeichen für die Zukunft.

Was ist das Besondere an dem Studentenwohnhaus? 

Hell und abwechslungsreich: Ein Flur im neuen Studentenhaus in der Theodor-Heuss-Straße. Die Planer nennen die Flure Galerien – hier das Beispiel im vierten Stock.

Das viergeschossige Gebäude wurde so von dem Ideengeber und Architekten Sergio Pascolo (Venedig) konzipiert, dass die Doppelappartements und Drei-Zimmer-Gruppenwohnungen für Studenten-Wohngemeinschaften schnell zu 43 altersgerechten Wohnungen umgebaut werden können. Das ist einmalig und trägt der demographischen Entwicklung Rechnung. Obwohl: Göttingen wird eine stabile Studierendenzahl bis weit in die 2020er-Jahre vorhergesagt. Zum Baulichen: Auch die Flure sind nicht nur Zugänge zu den Wohnungen. Sie heißen Galerien, sind unterschiedlich breit und sollen laut Pascolo Treffpunkte sein.

Wie viele Studierende können dort ab wann wohnen? 

Ziel bei Baubeginn vor etwas mehr als zwölf Monaten war es, zum Wintersemester 2015/16 fertig zu sein. Das gelang. Wie der ausführende Architekt Lothar Ülsmann (Architektengruppe Wagener, Göttingen) sagte, bauten Handwerker aus 28 Firmen das 2400 Quadratmeter umfassende Haus, das 43 Wohnheinheiten und Platz für 96 Studenten bietet. Die Wohnheimplätze wurden gegenüber dem alten, abgerissenen Gebäude laut Studentenwerk-Geschäftsführer Jörg Magull um 50 Prozent gesteigert.

Wie teuer war das Projekt und wie viel Miete zahlen die Bewohner?

Das Haus kostete 6,9 Millionen Euro und wurde mit Geld aus dem Wohnungsbauförderprogramm des Landes errichtet. Das Studentenwerk, für das es der erste Neubau seit 22 Jahren ist, vermietet für 300 Euro Warmmiete pro Kopf. Die Zimmer sind etwa 20 Quadratmeter groß, es gibt ein Bad mit Dusche und eine Küche.

Sind noch Plätze für Studenten frei? 

Nein, keine Chance! Das Studentenwerk hat längst alle Wohnungen vermietet. Die Studierenden ziehen ab nächster Woche ein.

Wie steht es um die Optik des Gebäudes? 

Den Festrednern gefiel es. Sie freuten sich wie Claudia Leuner-Haverich (Städt. Wohnungsbau) über die Aufwertung der Theodor-Heuss-Straße. Die tongebenden Farbtöne sind Grau, Anthrazit, Schwarz und Weiß. Flure und Zimmer sind hell. Versucht wurde, die Ost-West-Position aufzubrechen und über Einbuchtungen und Fenster Licht aus Süden zu bekommen.

Gab es aus den Reihen der Studenten noch Proteste wegen des Neubaus? 

Nein, der Protest verebbte mit der Zeit. Bewohner hatten sich gewehrt, hielten den Abriss für nicht gerechtfertigt und bemängelten die Verteuerung der Miete. Bei der Einweihung waren auch studentische Vertreter als Gäste dabei.

Ist das Göttinger Studentenwerk auch der Bauträger? 

Riesen-Schlüssel: Sozialministerin Cornelia Rundt und Claudia Leuner-Haverich (Städt. Wohnungsbau) übergeben den Hausschlüssel an Prof. Jörg Magull vom Studentenwerk.

Nein, auch das ist ein Novum: Bauträger ist die Genossenschaft Städtische Wohnungsbau GmbH. Sie konnte deshalb auch Geld vom Land aus dem Wohnungsbauförderprogramm bekommen. Außerdem konnten so andere Wohnungen der Genossenschaft wieder in die Sozialpreisbindung genommen werden. Das heißt: Günstiger Mietwohnraum, der in Göttingen immer knapper wird, konnte erhalten werden, wie Leuner-Haverich sagte. Das Studentenwerk Göttingen ist Mieter und Betreiber des neuen Gebäudes, und war allerdings auch schon an der Planung und Ausstattung beteiligt.

Warum kommt die Planung von einem Architekten aus Italien? 

Pascolo ist kein Unbekannter in Göttingen. Er hat bereits Häuser für die Städtische Wohnungsbau geplant, darunter die „Roten Häuser“ auf den Zietenterrassen, die mit Architektur-Preisen ausgezeichnet wurden. Zudem hat Pascolo familiäre Bande nach Göttingen, Ehefrau Anja stammt aus Rosdorf. Die Baubetreuung übernahm in enger Abstimmung mit Pascolo das Architektenbüro Wagener aus Göttingen-Geismar. Lothar Ülsmann dazu augenzwinkernd: „Sergio Pascolo war für den kreativen Teil zuständig, wir haben da eingesetzt, wo die italienische Architektur für die Behörden eine deutsche Übersetzung brauchte.“ Ülsmann lobte die Projekt-Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

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