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9-Euro-Ticket: Drei Bahnen in Niedersachsen verbieten Fahrrad-Mitnahme über Pfingsten

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Von: Bernd Schlegel

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Blick in den Fahrradwagen eines Metronom-Zuges: Nicht alle hielten sich über die Pfingstfeiertage an das Mitnahmeverbot für Räder.
Blick in den Fahrradwagen eines Metronom-Zuges: Nicht alle hielten sich über die Pfingstfeiertage an das Mitnahmeverbot für Räder. © Bernd Schlegel

Das Pfingstwochenende sorgte für den ersten Härtetest des 9-Euro-Tickets – auch in Südniedersachsen. Nun wirkt sich das auch auf die Fahrrad-Mitnahme aus.

Göttingen – Das Pfingstwochenende sorgt für den ersten Härtetest durch das Neun-Euro-Ticket – auch in Südniedersachsen. Wegen des hohen Fahrgastaufkommens hatten drei Bahnbetreiber die Notbremse für Fahrräder gezogen und deren Mitnahme über die Feiertage untersagt.

Betroffen waren Fahrgäste, die mit ihren Fahrrädern den Metronom, den Enno und den Erixx in Niedersachsen nutzen wollten. Auf den Bahnsteigen wurde auf den Zugrichtungsanzeigern ein entsprechender Hinweis eingespielt, dass wegen des „hohen Fahrgastaufkommens“ die Mitnahme bis einschließlich Pfingstmontag, 6. Juni, untersagt ist.

Allerdings hielten sich viele der Neun-Euro-Kunden, die ihr Fahrrad dabei hatten, nicht an die Vorgabe, wie eine Stichprobe ergab. So waren in einem Metronom in Richtung Hannover mehr als ein Dutzend Fahrräder mit an Bord, da konnten auch die Fahrgastbetreuer wenig ausrichten.

Andrang in Zügen durch Neun-Euro-Ticket: Rücksichtnahme in Niedersachsen gefordert

Hintergrund für den Fahrradstopp: Deutlich mehr Reisende als üblich wollen jetzt die Züge nutzen. Unter Experten gilt die Faustregel, dass für ein Fahrrad zwei Fahrgäste zusätzlich mitgenommen werden können. „Bitte nehmt Rücksicht aufeinander und helft euch gegenseitig. Seid nett zu euren Mitreisenden und zu unserem Personal. So kommen alle entspannt an ihr Ziel. Danke dafür!“, schreiben die Betreiber von Metronom, Enno und Erixx übereinstimmend.

Großer Andang herrschte am Bahnhof Göttingen an den Metronom-Zügen.
Großer Andang herrschte am Bahnhof Göttingen an den Metronom-Zügen. © Bernd Schlegel

Experten erwarten nun, dass auch während der Sommerferien, die in Niedersachsen am 22. Juli beginnen, zu dem Mittel des Verbots der Fahrradmitnahme gegriffen werden könnte. Die Verbünde, darunter auch der Verkehrsverbund Südniedersachsen, bitten darum, während der Neun-Euro-Ticket-Zeit bis Ende August auf die Mitnahme von Fahrrädern zu verzichten.

Niedersachsen: Andrang in Zügen durch Neun-Euro-Ticket

Ein weiteres Problem: Es gibt keine einheitliche Regelung für die Mitnahmebedingungen, denn eine „Fahrradkarte zur Mitnahme im Nahverkehr“ ist nicht überall gültig. Man muss sich also vorab gut informieren. Weitere Infos können unter zu.hna.de/rad622 abgerufen werden.

Die Deutsche Bahn schreibt auf ihrer Homepage, dass bis Ende August die Mitnahme des Fahrrads „nicht garantiert“ werden könne. Deshalb empfiehlt das Unternehmen, als Alternative ein Fahrrad am Ausstiegsbahnhof zu leihen. Das ist inzwischen auch in Göttingen möglich.

Andrang in niedersächsischen Zügen durch Neun-Euro-Ticket: Enge im Waggon

Unterdessen herrscht in vielen Nahverkehrszügen von und nach Göttingen drangvolle Enge, während hingegen an den beiden Fernverkehrsbahnsteigen in der Uni-Stadt nicht so viel wie sonst los ist. Probleme mit den Kapazitäten gibt es insbesondere auf der bei vielen Nutzern des Neun-Euro-Tickets beliebten Route zwischen Hamburg/Hannover und dem Rhein-Main-Gebiet. Während der Metronom von Göttingen in Richtung Hannover mehr als 600 Plätze bietet, sind es in einem vierteiligen Cantus zwischen Kassel und Göttingen nur gut 200.

Viele Pendler klagen inzwischen über die zu vollen Cantus-Züge. So zum Beispiel eine HNA-Leserin aus Hann. Münden: „Der Zug war schon ziemlich voll, als ich einstieg, aber ich habe noch einen Sitzplatz bekommen. Dann wurde ein Anschlusszug abgewartet. Die Abfahrt verzögerte sich aufgrund von Menschenmassen, die auf einmal in den Zug stürmten. Sowas habe ich noch nicht gesehen und ich pendele schon viele Jahre mit dem Zug nach Kassel. Der Lokführer musste mehrfach ermahnen, die Türen freizumachen“, so die Leserin.

Andrang in Niedersachsen wegen Neun-Euro-Ticket: Cantus ist Anschlusszug

Das Problem: Die Leserin nahm in Kassel in einen Cantus-Zug Platz, der Anschluss für einen RegionalExpress aus Frankfurt am Main war, der zwischen dem Herkules und dem Main im Zwei-Stunden-Takt pendelt. Dementsprechend voll wird es dann in den Cantus-Zügen. Dieses Unternehmen setzt deshalb zwischen Kassel und Göttingen in der Regel nun vier- statt dreiteilige Zugeinheiten ein. Ein weiteres Problem in allen Zügen: Viele Reisende, übrigens auch im Metronom, geben den Sitz neben sich für andere nicht frei. Dadurch müssen ebenfalls zahlreiche Reisende stehen, weil sie keinen Platz finden. (Bernd Schlegel)

Hintergrund: Osthannoversche Eisenbahnen AG ist beteiligt

An den drei Bahngesellschaften Metronom, Enno und Erixx sind die Osthannoversche Eisenbahnen AG sowie zum Teil andere Gesellschafter beteiligt. Metronom fährt zwischen Göttingen und Hamburg sowie zwischen Hamburg und Bremen. Der Enno, eine 100-Prozent-Tochter von Metronom, pendelt zwischen Wolfsburg und Hannover/Hildesheim. Erixx ist unter anderem zwischen Hannover und Bad Harzburg sowie zwischen Bad Harzburg und Uelzen unterwegs. (bsc)

Noch bis Ende August gibt es das Neun-Euro-Ticket. Fragen und Antworten zu dem Angebot gibt es hier. (Bernd Schlegel)

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