1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen

Neun-Euro-Ticket: Fragen und Antworten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bernd Schlegel

Kommentare

Das Neun-Euro-Ticket wird voraussichtlich ab Montag in Südniedersachsen verkauft. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – Fragen und Antworten dazu.

Göttingen – Ab dem 1. Juni 2022 soll in Deutschland für drei Monate das Neun-Euro-Ticket im Nahverkehr eingeführt werden. In ganz Niedersachsen, vor allem aber in Südniedersachsen rund um Göttingen, werden viele Durchreisende erwartet.

Das Monatsticket, das im Juni, Juli und August 2022 beliebig viele Fahrten im Nahverkehr in Bahnen und Bussen in der zweiten Klasse in Deutschland erlauben soll, wird an Fahrkartenautomaten, in Service-Centern des Verkehrsverbundes Südniedersachsen, Reisezentren der Deutschen Bahn und im Internet zu bekommen sein. 

Neun-Euro-Ticket: Fragen und Antworten zum deutschlandweiten Nahverkehr-Angebot

Ein Metronom vor der Kulisse der Marienburg südlich von Hannover.
Ein Metronom vor der Kulisse der Marienburg südlich von Hannover: Mit dem Neun-Euro-Ticket werden ab Anfang Juni voraussichtlich besonders viele Fahrgäste mit diesen Zügen zwischen Göttingen und der Landeshauptstadt unterwegs sein. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Bei bestehenden Abonnement-Kunden werden die Preise für Juni, Juli und August auf monatlich neun Euro gesenkt. Mit der gültigen VSN-Abo-Karte kann man dann bundesweit unterwegs sein. Das Neun-Euro-Ticket gilt nicht im Fernverkehr.

Wir haben mit Michael Frömming, dem Geschäftsführer des Zweckverbands Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN), gesprochen. Fragen und Antworten zu dem deutschlandweiten Nahverkehr-Angebot:

Welche Strecken werden in Südniedersachsen während der Neun-Euro-Ticket-Periode besonders gefragt sein?

Das sind im Bahnverkehr die Strecken zwischen Hannover und Göttingen sowie zwischen Göttingen und Kassel. „Viele werden auf der Hauptroute zwischen Hamburg und Frankfurt unterwegs sein und dann durch unsere Region fahren“, sagt Michael Frömming, Geschäftsführer des ZVSN.

Gibt es Tipps für Bahnkunden, die im Regionalverkehr unterwegs sind?

Ja, es kann sich lohnen, die Züge außerhalb der Stoßzeiten zu nutzen, damit es nicht zu Konflikten mit Pendlern kommt.

Wie sieht es mit der Auslastung an den Wochenenden aus?

„Das wird die große Frage, die bisher noch niemand beantworten kann“, sagt Frömming. Er geht davon aus, dass im Harz das Busangebot stärker genutzt wird.

Warum werden nicht einfach die Züge verlängert, um in den drei Monaten mehr Kapazität zu bieten?

Das ist laut Frömming aus zweierlei Gründen nicht möglich. Alle Reserven werden ohnehin im Einsatz sein. Außerdem sind an mehreren Stationen die Bahnsteige nach der Modernisierung kürzer geworden. Würde der Metronom mit acht statt sechs Wagen fahren, so stünden in manchen Fällen zwei Wagen auf freier Strecke.

Wie sieht es mit der Fahrradmitnahme beim Neun-Euro-Ticket aus?

Eine bundesweite Regelung gibt es nicht. Es gelten die regionalen Tarifbestimmungen. Man muss sich vorab informieren. In Südniedersachsen ist die kostenlose Radmitnahme in Regionalbussen erlaubt, sofern Platz ist. Für die Mitnahme in Bahnen in Südniedersachsen muss ein Fahrradticket gelöst werden. Wegen des hohen Aufkommens sollte auf die Mitnahme von Rädern verzichtet werden.

Ist das Neun-Euro-Ticket übertragbar?

Nein. Es wird mit dem Eintrag des eigenen Namens personalisiert, ähnlich wie beim Niedersachsen-Ticket.

Kann man das Neun-Euro-Ticket stornieren oder umtauschen?

Nein. Auch wenn es verloren geht, so gibt es keinen kostenlosen Ersatz.

Müssen Kunden des Neun-Euro-Tickets einen Wohnsitz in Deutschland haben?

Nein. Das Ticket kann auch von ausländischen Touristen gekauft werden.

Können Kinder das Neun-Euro-Ticket nutzen?

Kinder unter sechs Jahren fahren in Begleitung einer erwachsenen Person ohnehin kostenlos mit. Kinder ab sechs Jahren benötigen allerdings ein eigenes Neun-Euro-Ticket. Eine besondere Kinderfahrkarte gibt es bei diesem Angebot nicht.

Wie sieht es mit einem Übergang in die 1.Klasse aus, wenn der Zug voll ist?

Das ist nicht vorgesehen. Dafür muss ein gesondertes Ticket für die erste Klasse erworben werden.

Was ist, wenn der Zug überfüllt ist?

In solchen Fällen kann es passieren, dass Züge notfalls geräumt werden müssen. Wenn die Sicherheit bei der Fahrt durch Überfüllung gefährdet ist, dann besteht kein Anspruch auf Mitnahme. Leidtragende könnten auch die Zugbegleiter werden, die den Ärger abbekämen.

Was ist mit Studenten, die das Semesterticket haben?

Dazu sind derzeit keine Informationen, auch nicht auf der Homepage des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni Göttingen, zu bekommen. Der Gültigkeitsbereich steht auf einem Beiblatt.

Gibt es Zusagen für die finanzielle Entlastung des ÖPNV in Südniedersachsen?

Nur bedingt. Bislang wurden bundesweit 2,5 Milliarden Euro zugesagt. Wie viel davon in Südniedersachsen ankommt, steht noch nicht fest. Frömming bezweifelt, dass die notwendige Summe am Ende ankommt.

Was wird mit dem Südniedersachsen-Azubi-Ticket?

Es wird wegen des Neun-Euro-Tickets um einen Monat nach hinten verschoben und voraussichtlich zum 1. September eingeführt. Es ermöglicht Azubis die Nutzung der VSN-Verkehrsmittel für 30 Euro im Monat.

Wie wird das Reisen während der Neun-Euro-Ticket-Zeit werden?

„Wir müssen uns alle auf volle Züge auf den Hauptachsen einstellen“, sagt Frömming. Da könne es zu Problemen kommen. „Auf den Nebenstrecken und im Regionalbusverkehr dürfte das Angebot ausreichen.“

Ist das Neun-Euro-Ticket aus Sicht des Zweckverbandes Verkehrsverbund Südniedersachsen sinnvoll?

„Ja, um die Möglichkeiten des Nahverkehrs aufzuzeigen. Viele können das Angebot einmal testen und werden dabei feststellen, dass es durchaus attraktiv ist“, so Frömming. Aus seiner Sicht hätte man das Geld auch dafür einsetzen können, den Takt im Nahverkehr zu verdichten. „Das hätte eine nachhaltige Wirkung gehabt.“

Weitere Informationen zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Holzminden finden Sie hier. (Bernd Schlegel)

Neun-Euro-Ticket: Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet Engpässe auf zahlreichen Regionalstrecken in Niedersachsen

Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet durch das Neun-Euro-Ticket Engpässe auf zahlreichen Regionalstrecken in Niedersachsen. Betroffen sind vor allem Abschnitte, die in der Regel nur im Stundentakt bedient werden. Hier die Übersicht: RE 2: Göttingen-Hannover, RE 3: Hannover-Celle-Uelzen-Lüneburg-Hamburg; RE 1 und 8: Bremen-Hannover; RE 10: Hannover-Hildesheim-Goslar-Bad Harzburg; RE 5: Cuxhaven-Stade-Hamburg; RB 42/43: Braunschweig-Goslar/Bad Harzburg; RE 21: Goslar-Halberstadt-Halle; RB 50: Hildesheim-Wolfsburg; RE 1 und RE/IC 56: Norddeich Mole-Bremen; RE 60: Rheine-Osnabrück-Minden-Hannover. (bsc)

Noch bis Ende März 2022 ließ das 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr einige Fragen offen. Die Umsetzung des 9-Euro-Ticktes blieb lange Zeit unklar.

Auch interessant

Kommentare