Niedersachsen fördert Kooperation der Universitäten Göttingen und Jerusalem mit 150.000 Euro

Forscher untersuchen religiöse Praktiken

Forscher untersuchen religiöse Praktiken
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Historisches Zeugnis: Dieser Auferstehungschristus im Kloster Wienhausen stammt aus dem späten 13. Jahrhundert.

Göttingen . Ein gemeinsames historisches Forschungsprojekt der Universität Göttingen und der „Hebrew University of Jerusalem“ beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Sachsen und dem Heiligen Land im Mittelalter.

Die Forscher aus der Geschichtswissenschaft und der Kunstgeschichte untersuchen religiöse Praktiken von Nonnen und Mönchen. Die Forscher untersuchen unter anderem Frömmigkeitspraktiken rund um die Passion Christi, mit dem Wallfahrtswesen und mit den Beziehungen von sächsischen Zisterzienserklöstern zum Heiligen Land. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Projekt drei Jahre lang mit etwa 150.000 Euro.

Weibliches Klosterwesen und weibliche Frömmigkeit erreichten am Vorabend der Reformation in Deutschland ihren Höhepunkt. Auf dem Gebiet des mittelalterlichen Sachsen gab es etwa 100 aktive Frauenkonvente, die vielfältige spirituelle Zeugnisse und religiöse Kunstwerke hervorbrachten.

Ein Problem bei der Erforschung stellt die Tatsache dar, dass das spätmittelalterliche Sachsen heute auf mehrere Bundesländer aufgeteilt ist: Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg. „Da die landeskundliche Forschung in der Vergangenheit oft auf diese Ländergrenzen Rücksicht nehmen musste, wird die Region Sachsen in der Literatur nicht als einheitlicher Kulturraum wahrgenommen“, sagt Projektleiterin Professor Dr. Hedwig Röckelein vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen. „Wir wollen diese Situation ändern und die spezifischen Komponenten der mittelalterlichen Region Sachsen identifizieren.“

Sieben Nachwuchswissenschaftler

Konkret werden sich die sieben Nachwuchswissenschaftler des Projekts unter der Leitung von Professor Röckelein und Dr. Galit Boga-Banai beispielsweise mit materiellen und schriftlichen Überlieferungen zum spätantiken und frühmittelalterlichen Kreuzkult beschäftigen sowie mit Jerusalem-Pilgern und ihren zu Hause gebliebenen Ehefrauen und weiblichen Verwandten.

Darüber hinaus soll das Projekt mit dem offiziellen Titel „Practicing Love of God: Comparing Women’s Practice and Men’s Practice in Medieval Saxony“ die Grundlage für zukünftige vergleichende Untersuchungen zu den Geschlechterverhältnissen und den Regionen bilden. (bsc)

www.geschichte.uni-goettingen.de/roeckelein

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