Polizeirevier Delmenhorst

19-Jähriger in Polizeigewahrsam kollabiert und gestorben - Obduktion soll Klarheit bringen

Ein 19-Jähriger ist im Gewahrsam der Polizei Delmenhorst kollabiert - und später im Krankenhaus gestorben. Familie und Freunde erheben auf Facebook Vorwürfe gegen die Beamten.
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Ein 19-Jähriger ist im Gewahrsam der Polizei Delmenhorst kollabiert - und später im Krankenhaus gestorben. Familie und Freunde erheben auf Facebook Vorwürfe gegen die Beamten.

Nach einer Polizeikontrolle bricht ein 19-Jähriger in Delmenhorst in einer Polizeizelle zusammen. Kurz darauf stirbt er. Noch ist nicht geklärt, was wirklich passiert ist.

Delmenhorst – Ein 19-jähriger Mann ist am Freitagabend (05.03.2021) in einer Polizeizelle im niedersächsischen Delmenhorst kollabiert und am Samstagabend im Krankenhaus gestorben. Das teilte die Polizei am Sonntag mit und auch fr.de* berichtet.

Die Polizei spricht von einem „Unglücksfall im Gewahrsam der Polizei“, doch wie die taz berichtet, haben Angehörige und ein Zeuge Zweifel an der Darstellung der Polizei.

Polizeizelle in Delmenhorst: 19-Jähriger bricht zusammen und stirbt im Krankenhaus

Nach Angaben der Polizei haben zwei in zivil gekleidete Beamte am Freitagabend gegen 18.30 Uhr im Wollepark in Delmenhorst zwei junge Männer kontrolliert, die laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) „offensichtlich gerade Drogen nahmen“. Nachdem sich die Beamten als solche zu erkennen gegeben hatten, sei einer der beiden jungen Männer geflohen, konnte jedoch nach wenigen Metern eingeholt werden.

Danach soll es zu einer Auseinandersetzung gekommen sein, in der der 19-Jährige einen der beiden Polizisten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben soll, weswegen dieser Pfefferspray eingesetzt habe. Laut Polizei hat der 19-Jährige es abgelehnt, von den alarmierten Rettungskräften behandelt zu werden.

Tod des 19-Jährigen in Delmenhorst: Auf Facebook werden Polizeiangaben diskutiert

Die taz beruft sich auf eine lokale Facebookgruppe, in der Freunde und Familie des Verstorbenen um ihn trauern. Neben Beileidsbekundungen seien dort auch rassistische Hasskommentare gepostet worden. Auch die Geschehnisse und die Darstellung der Polizei werde dort diskutiert.

Die Schwester des zweiten kontrollierten jungen Mannes schreibt dort laut der taz etwa, dass ihr Bruder die Vorgänge ganz anders schildere als die Polizei. Demnach soll der 19-Jährige die ärztliche Notversorgung nicht abgelehnt haben, sondern die Rettungskräfte hätten behauptet, dass er schauspielert. Inzwischen seien die Kommentare wieder gelöscht worden.

Die taz berichtet zudem, dass der junge Mann der Yezidischen Gemeinde Niedersachsen angehörte. Der zweite Vorsitzende der Gemeinde, Ilyas Yanc, habe in einem Facebook-Video seine tiefe Anteilnahme ausgedrückt. Yanc soll sich demnach auch an die Mitglieder der Gemeinde gerichtet haben, und sie gebeten haben, keine weiteren Spekulationen in die Welt zu setzen und auf den Rechtsstaat zu vertrauen. Einige Facebook-Nutzer hatten ihre Vermutung geäußert, dass die Polizei bei der Kontrolle übermäßig Gewalt angewandt habe.

Delmenhorst: Blut des 19-Jährigen soll untersucht werden – dann kollabiert er in der Zelle

Nach Angaben der Polizei hat eine Bereitschaftsrichterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft nach der Kontrolle im Park eine Blutprobe angeordnet. Während die Polizeibeamten auf den Arzt, der diese durchführen sollte, gewartet hätten, hätten sie den 19-Jährigen in eine Gewahrsamszelle gebracht.

In dieser Zeit, also bevor der Arzt eingetroffen ist, haben die Polizeibeamten gegen 20 Uhr per Videoüberwachung gesehen, wie der 19-Jährige in der Zelle sein Bewusstsein verlor und zusammenbrach. Diese hätten nach eigenen Angaben daraufhin Erste Hilfe geleistet und den Rettungsdienst alarmiert, der den jungen Mann versorgt habe.

19-Jähriger stirbt nach Polizeikontrolle in Delmenhorst: Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt

Im Krankenhaus ist der 19-Jährige dann gestorben.  Die Todesursache ist noch ungeklärt. Aus Neutralitätsgründen übernahm die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland die Ermittlungen von der Polizei in Delmenhorst.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg sagte, dass eine Obduktion auf Antrag der Behörde vom Gericht angeordnet wurde. Ergebnisse lägen noch nicht vor. Auch der Zeitpunkt der Obduktion sei noch nicht bekannt, sagte er. (Sandra Böhm)

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