Hinweise auf flüchtige Terroristen?

RAF-Bunker in Niedersachsen entdeckt? Polizei untersucht Fundstücke

In einem Wald in Niedersachsen wurde ein Bunker entdeckt. Die Polizei geht von einem Versteck der RAF aus. Die Fundstücke werden noch analysiert.

  • Bei Seevetal in Niedersachsen wurde ein Erdbunker entdeckt.
  • Das Landeskriminalamt geht von einem Versteck der Roten Armee Fraktion aus.
  • Neue Hinweise auf flüchtige Ex-RAF-Mitglieder gibt es bisher nicht.

Kassel - Waldarbeiter haben bei Seevetal im nördlichen Niedersachsen möglicherweise einen Erdbunker der Roten Armee Fraktion (RAF) entdeckt. Unter anderem wurden Schriftstücke aus den 80er-Jahren gefunden. Das Landeskriminalamt (LKA) untersucht die Fundstücke derzeit.

Seitens der Behörden rechnet man damit, frühestens Ende der Woche erste Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchungen zu haben, so eine Sprecherin gegenüber dem NDR. Die Ermittler, die auch Unterstützung vom Bundeskriminalamt erhalten, gehen von einem früheren Versteck der RAF aus.

Niedersachsen: Handelt es sich um RAF-Bunker Nummer 15?

Dem NDR zufolge gehen RAF-Experten davon aus, dass die Linksterroristen in Deutschland 18 Erdbunker angelegt haben. In den Verstecken sollen Geld, gestohlene Ausweisdokumente und Waffen deponiert worden sein. 14 wurden bisher gefunden, ob es sich bei dem kürzlich entdeckten Erdbunker in Niedersachsen um Nummer 15 handelt?

Zumindest spricht der Standort dafür: Seevetal ist mit seiner Anbindung an die A1, A7 und A39 ein zentral gelegener und wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Auch die anderen Bunker wiesen diese Eigenschaften auf.

Niedersachsen: In dem Wald bei Seevetal sind in einem Erddepot möglicherweise Hinterlassenschaften der linksterroristischen RAF gefunden worden.

Polizei durchkämmt Gebiet in Niedersachsen: Kein weiterer möglicher RAF-Bunker entdeckt

Von Freitagnachmittag (15.01.2021) bis Samstagabend (16.01.2021) durchkämmten Polizei, Feuerwehr und Experten des LKA das Waldstück bei Seevetal. Unter anderem wurde das Gebiet in Niedersachsen weiträumig nach weiteren Depots abgesucht - jedoch ohne Erfolg.

Vor Ort wurden zudem einige in dem möglichen RAF-Bunker versteckte Behälter untersucht, in denen Flüssigkeiten entdeckt worden sind. Laut Angaben des Landeskriminalamts handelt es sich dabei um handelsübliche Chemikalien. Genauere Informationen gebe es wohl erst, nachdem die Stoffe im Kriminaltechnischen Institut in Hannover weiter untersucht wurden.

Mutmaßliches RAF-Versteck in Niedersachsen: LKA analysiert Schriftstücke

Wie das Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen berichtet, waren unter den gefundenen Schriftstücken offenbar auch Anleitungen, wie bei Bombenanschlägen besonders viele Menschen verletzt und getötet werden können. Diese Beweismittel werden ebenfalls im Kriminaltechnischen Institut auf Spuren untersucht. Außerdem werden einige Teile von der Polizei Harburg analysiert.

Es sei möglich, dass sich noch DNA-Spuren oder Fingerabdrücke auf den Fundstücken nachweisen lassen, so das LKA. Waffen wurden in dem mutmaßlichen RAF-Depot allerdings keine gefunden.

Niedersachsen: Ein Feuerwehrmann in Schutzkleidung wird nach dem Einsatz in einem Wald, in dem ein mögliches Erdversteck der RAF entdeckt wurde, mit Wasser abgespritzt.

Neue Hinweise auf Ex-RAF-Mitglieder? LKA Niedersachsen rechnet nicht damit

Das Landeskriminalamt Niedersachsen geht derzeit nicht davon aus, dass die Entdeckung weitere Hinweise auf den Aufenthalt der drei untergetauchten Ex-RAF-Mitglieder Ernst Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette liefert. „Wir können es aber nicht komplett ausschließen“, sagte eine Sprecherin.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das LKA einen europaweiten Fahndungsaufruf gestartet. Trotz darauf eingetroffenen Hinweisen, ergab sich für die Beamten bis heute aber keine heiße Spur. (Nail Akkoyun)

Rote Armee Fraktion (RAF)

Die Rote Armee Fraktion bekämpfte mehr als 20 Jahre lang das angeblich „imperialistische System“ der Bundesrepublik Deutschland. Von 1971 bis 1993 töteten die Terroristen dabei 34 Menschen, darunter auch Repräsentanten von Wirtschaft und Politik, wie etwa Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Oft ging es dabei um verschiedene Forderungen, wie die Freilassungen von inhaftierten RAF-Mitgliedern. Am 20. April 1998 erhielt die Nachrichtenagentur Reuters ein Schreiben, in dem die RAF nach 28 Jahren ihre Auflösung bekanntgab: „Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“

Sehr geehrte Leser*innen, in einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass die RAF im Jahr 1993 ihre Auflösung bekannt gegeben hat. Das war ein Fehler und wir bitten, dies zu entschuldigen.

Rubriklistenbild: © dpa/Feuerwehr Seevetal

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