Elternprotest-Initiative betrachtet Vorschläge des Ministers nur als Einstieg und will weitermachen

Noch keine Lösung für die Hebammen

Aufsehenerregend: Am Göttinger „Nabel“ trafen sich viele hundert Eltern und Unterstützer zu der Motto-Kundgebung „Längste Nabelschnur der Welt“ im März 2014 in Göttingen. Foto: Triesch
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Aufsehenerregend: Am Göttinger „Nabel“ trafen sich viele hundert Eltern und Unterstützer zu der Motto-Kundgebung „Längste Nabelschnur der Welt“ im März 2014 in Göttingen. Foto: Triesch

Göttingen. Hoffnung für die Hebammen: Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat am Mittwoch Ergebnisse einer interministeriellen Arbeitsgruppe vorgestellt. Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) begrüßt die Vorschläge. Eine Göttinger Initiative sieht darin allerdings nur erste Ansätze.

Gröhe hat auch vorgeschlagen, dass die freien Hebammen mehr Geld von den Krankenversicherungen bekommen sollen. Der Sicherstellungszuschlag soll gewährleisten, dass auch Hebammen mit nur wenigen betreuten Geburten im Jahr die steigenden Prämien für die Haftpflichtversicherungen bezahlen können. Das ist ein Ergebnis des Abschlussberichts der Arbeitsgruppe „Versorgung mit Hebammenhilfe“.

Für die Göttinger Initiative von „Kidsgo“, die den Hebammenprotest in der Universitätsstadt organisiert, stellen die „präsentierten Lösungen lediglich erste Ansätze“ dar, wie Barbara Hirt sagt. „Die Situation der Hebammen hat sich dadurch nicht grundlegend verändert.“ Allerdings zeige der Elternprotest eine Wirkung, das sei ein Erfolg.

Das gemeinsame Engagement, die Petitionen und die Elternprotestaktionen auch mit der von der Zeitschrift „Kidsgo“ initiierten „Längsten Nabelschnur der Welt“ hätten dazu beigetragen, dass zeitnah erste Lösungsansätze präsentiert werden.

Aber von einer Sicherung der Hebammenversorgung könne angesichts der bestehenden Probleme in der Geburtshilfe keine Rede sein. Eine flächendeckende Versorgung mit Hebammen sei schon heute nicht mehr bundesweit vorhanden.

Der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) wertet die Entwicklung positiver: Erfreut sich darüber, dass die Vorschläge auf dem Tisch liegen und die Bundesregierung die Belange der Hebammen sehr ernst nimmt. „Jetzt gilt es, die Vorschläge schnell umzusetzen“, hofft Güntzler auf zügige Gesetzesberatungen. „Das ist wichtig auch für die Versorgung in der Region.“

Und um die ist es laut Barbara Hirt nicht immer gut bestellt: „Täglich melden sich Frauen bei uns, die keine Hebamme für die Geburts- und Wochenbettbetreuung mehr finden können. Das ist eine dramatische Entwicklung –es muss schnellstens gegengesteuert werden.“ Hirt kündigte deshalb eine Fortsetzung der Proteste an. Nächste Jedermann-Aktion: Am Montag, 5. Mai, dem „Tag der Hebamme“, sollen überall Herzen mit abwaschbarer Kreide auf das Pflaster von Fußgwegen und Straßen gemalt werden – auch mit dem Schriftzug und dem Status „Familien brauchen Hebammen“. (tko)

Von Thomas Kopietz

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