Söder-Vorteil, SMS-Duell und Gelb-Grüne-Bande

Notizen aus Hannover: Das Rätsel um die A- und B-Länder

Peter Mlodoch
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Peter Mlodoch

Korrespondent Peter Mlodoch hat in Hannover hingeschaut und zugehört.

Nachhilfe von Weil

Warum eigentlich darf nach den Corona-Runden von Bund und Ländern immer Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) sitzen, um seine Kommentare zu den Ergebnissen kundzutun? Die Länderseite ist bereits durch Müller als Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz ausreichend abgedeckt. Staatsbürgerliche Nachhilfe aus berufenem Mund konnte Stephan Weil (SPD) geben: „Kollege Müller ist Koordinator der A-Länder, Kollege Söder Koordinator der B-Länder.“ Die Buchstaben bezeichnen das politische Lager der jeweiligen Ministerpräsidenten. Dass die Union so aber doppelt vertreten ist und Söder durch seine Dauerpräsenz einen Vorteil im Rennen um die Kanzlerkandidatur bei CDU/CSU erzielt, wollte Weil lieber nicht kommentieren.

Opposition-Koalition

Koalition in der Opposition gibt es gemeinhin nicht. Doch bei Grünen und FDP im Landtag konnte fast den Eindruck gewinnen, dass sie diesen politischen Lehrsatz unbedingt widerlegen wollten. Die Fraktionschefs Julia Willie Hamburg und Stefan Birkner geißeln seit Monaten falsche Schwerpunkte und zögerliches Handeln der SPD/CDU-Landesregierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie, stoßen sogar gemeinsam parlamentarische Initiativen an. Angst vor einer grün-gelben Fusion muss aber niemand bekommen. „Für Blockaden des Naturschutzes, wie es die FDP fordert, sind wir nicht zu haben“, stellte Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer nach der Rede des FDP-Kollegen Hermann Grupe zum Insektensterben klar.

Liebevolle Gegner

Auf der großen, öffentlichen Bühne überziehen sich politische Kontrahenten oft mit rüden Attacken. Hinter den Kulissen bevorzugen sie eher liebevolle Frotzeleien. „Und schon vorbereitet auf die flammende Bilanz deines Masterplans?“, stichelte Grünen-Wirtschaftsexperte Detlev Schulz-Hendel per SMS an Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) vor der Debatte zur Digitalisierung. „Klar, das wird ein Feuerwerk“, antwortete der. „Na, dann werde ich mal löschen“, erwiderte der Grüne, der seit gemeinsamen Tagen in der Lüneburger Kommunalpolitik dem CDU-Mann in fairer Gegnerschaft verbunden ist. Das dürfe er gerne, gab sich Althusmann generös. So sei Pyrotechnik ja verboten, aber die Grünen bräuchten angesichts der Diskussion um ein Eigenheimverbot ein wenig Aufmunterung. „Dafür sorge ich gerne.“ (Peter Mlodoch)

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