Organspende-Skandal: Zwei Staatsanwaltschaften ermitteln

Göttingen. Zwei Staatsanwaltschaften beschäftigen sich mittlerweile mit dem immer weitere Kreise ziehenden Skandal um Lebertransplantationen an der Göttinger Universitätsmedizin (UMG).

In Braunschweig wird in 23 Fällen wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und in Göttingen wegen fahrlässiger oder bedingt vorsätzlicher Tötung ermittelt – gegen den ehemaligen Chef der Transplantationschirurgie und den am Mittwoch beurlaubten Abteilungsdirektor Gastroenterologie.

Lesen Sie auch

- Albtraum für die Klinik - Kommentar zum Organ-Skandal

- Transplantationsskandal: Tötungsverdacht gegen Klinik-Ärzte

Hintergrund für den Verdacht der Tötungsdelikte: Durch die Manipulation der Patientendaten kann es zu Veränderungen, also Verschiebungen in der Organ-Warteliste gekommen sein, die von Eurotransplant im holländischen Leiden geführt wird.

Dem Oberarzt und dem Abteilungsdirektor wird vorgeworfen, dass sie diese Reihenfolge durch die Manipulation von Labordaten gezielt verändert haben: Sie machten die Patienten kranker und somit bedürftiger für eine Organtransplantation.

„Deshalb könnten Menschen, die so kein Organ bekommen haben, in der Zwischenzeit gestorben sein“, sagte der Sprecher der Göttinger Staatsanwaltschaft Frank-Michael Laue auf Anfrage. „Genau das müssen wir jetzt prüfen und fangen gerade damit an.“

Die Akten seien erst in Göttingen angekommen und der Umfang lasse erwarten, dass viele Mitarbeiter damit betraut sein werden. „Eine sehr umfangreiche Arbeit“, ist das nach Aussage von Laue. So müssen sich die Ermittler der Staatsanwaltschaft auch durch die mehrere tausend Namen umfassende Liste der Organempfänger-Kandidaten wühlen.

„Die Ermittlungen stehen aber erst am Anfang“, sagte Laue, der keine Angaben zum Zeitpunkt erster Ergebnisse machen wollte. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“

Eine juristische Feinheit sei der Unterschied der Straftatbestände „fahrlässige Tötung“ und „bedingt vorsätzliche Tötung“, wie Laue sagt: Bedingt vorsätzlich wäre, wenn ein Tod durch das Verhalten billigend in Kauf genommen wird. Fahrlässig wäre es, wenn man gehofft habe, dass nichts passieren wird und alle auf der Liste eine Leber bekommen werden.

Auf eine fahrlässige Tötung nach § 222 Strafgesetzbuch steht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder eine Geldstrafe.

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.