Erfolgreiches Unternehmen

Ottobock überspringt erstmals die Umsatz-Milliarde

Beschenkt mit Sympathie, Buch und Blumen: Bundeskanzlerin Angela Merkel war im Februar vergangenen Jahres beim Festakt „100 Jahre Ottobock“ in Duderstadt zu Gast. Von links: der damalige Bürgermeister Wolfgang Nolte, Hans-Georg Näder und Verleger Gerhard St eidl. 

2019 gab es für Ottobock viel zu Feiern – man tat es opulent und viel Prominenz von Peter Maffay bis zu Kanzlerin Angela Merkel.

Auch im Nachgang kann Konzernchef Hans-Georg Näder nun anstoßen: Das Unternehmen legte – im Vergleich zu 2018 – verbesserte Zahlen vor. Das international tätige Medizintechnikunternehmen Ottobock mit seinen knapp 7400 Mitarbeitern wuchs 2019 weiter: Der Umsatz kletterte erstmals über die Milliardenmarke, um nominal acht Prozent auf 1,003 Millionen Euro (2018: 927 Millionen Euro). Der operative Gewinn vor Sondereffektin (Underlying EBITDA) kletterte um 10 Prozent von 174 auf 191 Millionen Euro.

Die entsprechende EBITDA-Marge des Unternehmens kletterte um 0,3 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent.

Überall gewachsen

Firmenchef Prof. Hans Georg Näder bilanziert: „Wir sind stolz darauf, sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis neue Rekordwerte erreicht zu haben. Unsere Geschäftsführung schafft es, dynamisches Wachstum und steigende Profitabilität miteinander zu verbinden“ so der Eigentümer und Vorsitzende des Verwaltungsrats der Ottobock SE & Co. KGaA.

Prothetik und Orthetik

Als da wären die Firmensparten. Im Segment „O&P“, dem das Prothetik- und Orthetik-Komponentengeschäft sowie die Versorgung von PatientInnen zugeordnet sind, hat Ottobock den Umsatz organisch um sechs Prozent auf 876 Millionen Euro gesteigert. Insgesamt habe Ottobock die führende Position auf dem Weltmarkt für Prothesen „technologisch wie wirtschaftlich klar behauptet“, wie es heißt.

Geschäftsfelder

Zum Segment „Others“ gehören auch das Rollstuhlgeschäft Human Mobility und der Start-up-Bereich Industrials. Ottobock hat darin den Umsatz organisch um sieben Prozent auf 127 Millionen Euro gesteigert. Auch das – vor Jahren stotternde – Rollstuhlgeschäft habe sich sich mit einem „Wachstum im zweistelligen Prozentbereich sehr positiv entwickelt“. Leichtgewicht-, Aktiv- und Sportrollstühlen sowie Elektrorollstühlen seinen stärker nachgefragt worden.

Mit Umsatzerlösen im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich sei der junge Zweig „Ottobock Industrials noch vergleichsweise klein, wachse aber exponentiell. Dafür sorgen belastungssenkende Exoskelette für Mitarbeiter in Produktion, Logistik und Handwerk..

Regionen

In Westeuropa wuchs der Umsatz um sechs Prozent. Es macht rund die Hälfte des Gesamtumsatzes von Ottobock aus. Während in Nordamerika und EEMEA (Osteuropa, Mittlerer Osten und Afrika) Umsatzzuwächse von zwei und sieben Prozent verzeichnet wurden, gab es höhere Raten im Asien-Pazifik-Raum ( acht Prozent) und Lateinamerika (15 Prozent).

Firmenkäufe

Ottobock investierte 184 Millionen Euro – 54 Millionen Euro mehr als 2018. 100 Millionen entfielen auf Zukäufe, vor allem mit dem Ziel, in veLändern näher am Kunden s zu sein. Übernommen wurde Vigo, ein führenden Patient-Care-Anbieter in Belgien und Polen (Umsatz: 70 Millionen Euro) sowie Unternehmen in in Frankreich, Italien, Schweden und in den USA.

Anlagevermögen

Zudem investierte Ottobock 51 Millionen Euro in Sachanlagen, vor allem, um um Produktion, Logistik und Service auszuweiten. In Duderstadt flossen 21 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum, ein Fräszentrum und das „iFab“ zur digital gesteuerten Fertigung von Prothesen und Orthesen per 3D-Druck.

Forschung

61 Millionen Euro hat Ottobock für Forschung und Entwicklung aufgewendet, so wurden 42 neue Patente angemeldet. Über die Stärken Innovationen und neuen Produktfamilien sowie neuer Versorgungskonzepte für Menschen mit Pro- und Orthesen wolle man den Wettbewerbsvorsprung verteidigen und Ausbauen, kündigte Näder an. , 497 Mitarbeiter arbeiten allein im Bereich Forschung und Entwicklung.

Ausblick 2020

Für 2020 hatte sich Ottobock erneut ein stärkeres Wachstum vorgenommen, wird aber, wird aber wohl der Corona-Krise Tribut zollen müssen. „In den ersten Monaten waren wir voll auf Kurs, diese Ziele zu erreichen“, sagt Philipp Schulte-Noelle. Doch die Pandemie habe die Patientenversorgung ab März deutlich eingeschränkt und zeitweise fast zum Erliegen gebracht.

Exakte Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis kann Schulte-Noelle noch nicht abschätzen. Es könne aber durchaus zu „positiven Nachholeffekten“ kommen. Schulte-Noelle ist Optimist: „Ich bin davon überzeugt, dass wir gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.“ In Duderstadt hält man „weiter der mittelfristigen Planung 2022 fest“.  tko

VON THOMAS KOPIETZ

Die Erfolgsfaktor von Ottobock

Als wesentlichen Erfolgsfaktor nennt Ottobock die zunehmende Versorgung von PatientInnen mit technologisch anspruchsvollen, mikroprozessorgesteuerten Prothesen. Dafür stehen die Beinprothesenlösung Genium und die intuitive Steuerung Myo Plus, mit der Anwender myoelektrische Hände dank künstlicher Intelligenz und Mustererkennung flüssig bewegen können. Weiteres Wachstumspotenzial im Segment O&P bietet das weltweit einzigartige Neuro-Beinorthesensystem C-Brace, das Menschen mit Lähmungen in den Beinen dabei hilft, wieder laufen und stabil stehen zu können. 2019 hat Ottobock die zweite Generation des C-Brace vorgestellt. Erfreulicherweise haben die Zulassungsstellen in den vergangenen Monaten die Erstattungszusagen der Gesundheitssysteme in Deutschland und Japan erteilt.

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