In Göttingen spielten 46 Gehörlosen-Teams um die Deutsche Futsalmeisterschaft

Pfiffe finden kein Gehör

Spielszene in Göttingen: Auch bei Gehörlosen gibt es nach Schiedsrichterentscheidungen Diskussionen. Hier zückt Alexander Pradier eine rote Karte. Foto: Neu

Göttingen. Auf dem Hallenfußballfeld in der Sporthalle der Göttinger Geschwister-Scholl-Gesamtschule kommuniziert der 17-jährige Jan Medewitz mit seinen Händen. Nur mit Gebärdensprache kann der Hörgeschädigte mit seinen Teamkollegen Spielzüge ausmachen. Durch Vibrationen des Hallenbodens spürt er, den Gegner von hinten auf sich zu rennen.

„Manchmal reißen wir einfach die Arme hoch zur Verständigung“, erzählt der Einbecker Fußballer, der vor vier Jahren zum Gehörlosen-Sportclub Göttingen gekommen ist. Am Wochenende hat er mit seinem Team um die Deutsche Meisterschaft im Futsal, einer Form des Hallenfußballs mit kleinerem und schwererem Ball, gekickt.

„Die Spieler müssen sehr viel mehr aufeinander und Gegner schauen. Das erfordert unheimlich viel Konzentration“, erläutert der Trainer der GSC-Jugendmannschaft Christopher Manns. Hörgeräte müssen vor dem Spiel abgelegt werden. „Die Verletzungsgefahr ist zu groß.“

Dem Spielfluss scheinen jedoch weder gesprochene Worte noch Hörgeräte zu fehlen. Manns junge Fußballer dribbeln und tricksen, täuschen und passen über das Feld. Jedes Tor entlockt einigen der GSC-Jungs Jubelschreie. „Sie selber hören ihre Rufe nicht. Aber wie bei Hörenden ist das auch bei uns ein Zeichen der Freude“, sagt Trainer Manns. Außerdem werde so die Anspannung, die eine Deutsche Meisterschaft mit sich bringe, verarbeitet.

Dort, wo zehn Männermannschaften die Gehörlosen-Meisterschaftsspiele austragen, geht es ordentlich zur Sache. Ebenso wie in zwei weiteren Hallen, in denen jeweils zehn Senioren- und Frauenmannschaften um den deutschen Gehörlosen-Futsal-Titel kämpften.

Für Gehörlose sei Sport sehr wichtig, betont der Fußballwart des Deutschen Gehörlosenverbandes, Guido Zimmermann. „Viele haben beruflich kaum die Möglichkeit Fuß zu fassen. Hier sind sie eine große Gemeinschaft, in der sie sich wohl und nicht als Außenseiter fühlen.“

In ganz Deutschland gibt es laut Zimmermann derzeit mehr als 60 Gehörlosen-Sportvereine mit rund 1800 Mitgliedern. „Wir haben auch eine sehr erfolgreiche Fußballnationalmannschaft der Männer. Sie haben sich gerade den Weltmeistertitel geholt“, erzählt der Fußballwart weiter.

Jan Medewitz und die GSC Göttingen Jugendmannschaft schaffte es immerhin bis ins Viertelfinale. Dann war Schluss. „Wir haben den Traum verpasst“, sagte Trainer Manns.

Von Petra Neu

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