Göttinger Agrarökologen untersuchten insektenfressende Vögel auf Kakaoplantagen

Pflanzenschutz ohne Gift

Frisst Larven von Kakaobäumen: Der Molukken-Brillenvogel (Zosterops chloris) ist ein wichtiger Insektenfresser auf Kakaoplantagen in Indonesien. Für das Vorkommen der Vögel ist allerdings die Nähe zum Regenwald wichtig. Fotos: Uni Göttingen/nh

Göttingen. Vögel, die Schädlinge von Nutzpflanzen wie Kakao fressen, können als Alternative zum Einsatz von Pestiziden zu erfolgreichen Ernten beitragen – vor allem in den Tropen. Welche Vogelarten und welche landschaftlichen Faktoren für eine natürliche Schädlingsbekämpfung wichtig sind, ist jedoch bislang weitgehend unbekannt. Göttinger Agrarökologen konnten jetzt zeigen, dass besonders die häufig vorkommenden Vogelarten und die Nähe von Wald wichtig sind.

Die Forscher der Universität Göttingen untersuchten Kakaoplantagen auf der indonesischen Insel Sulawesi – einem der größten Produzenten von Kakao weltweit. Der Kakaobaum wird meist zusammen mit anderen Baumarten zur Beschattung angebaut. Darum gibt es in solchen Agroforstsystemen eine relativ hohe biologische Vielfalt.

„Methoden zur Nutzung dieser natürlichen Artenvielfalt und der damit verbundenen Funktionen, wie beispielsweise der Schädlingsregulation durch Vögel, könnten sowohl zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Kakaos als auch zur Entlastung angrenzender Lebensräume und Arten beitragen“, sagt die Göttinger Agrarökologin und Leiterin der Studie, Dr. Bea Maas.

Die untersuchten Plantagen unterschieden sich in Bezug auf Schattenflächen und die Entfernung zum Regenwald. Um den Erfolg der vorhandenen Vogelarten als Schädlingsbekämpfer zu bestimmen, formten die Forscher aus Knetmasse Larven und legten diese auf Kakaoblättern aus. Schnabelabdrücke zeigten später, dass Vögel versucht hatten, die „falschen“ Larven zu fressen.

Nützlicher Brillenvogel

Larven von Schmetterlingen und Käfern zählen zu den häufigsten und schädlichsten Insektengruppen in Kakaoplantagen. „Von allen häufigen Vogelarten in den Kakaoplantagen, konnte nur der Molukken-Brillenvogel in Zusammenhang mit Larvenattacken gebracht werden“, sagt Bea Maas.

Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Vorkommen der Brillenvögel sowie die Aktivität der Räuber mit der Nähe zum Regenwald zunahm. „Die Nähe von Wald ist daher nicht nur wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt, sondern auch für die wirtschaftlich bedeutsamen Dienste der insektenfressenden Vögel“, so Maas.

Die Wissenschaftler betonen die Bedeutung alternativer Landnutzungsmethoden als Möglichkeit auf den Einsatz von Pestiziden und anderen Chemikalien zu verzichten.

„Dass vor allem der gemeine Brillenvogel von so großer Bedeutung für die Regulation von Schädlingen ist, vereinfacht die Umsetzung solch nachhaltiger Bewirtschaftungsmaßnahmen“, erklärt Dr. Yann Clough von der Universität Göttingen und ergänzt: „Durch entsprechende Aufklärungsarbeit, ein erhöhtes Angebot von geeigneten Nistplätzen für die Vögel und den Schutz der restlichen Wälder kann der Kakao vor Raupen geschützt werden, ohne Pestizide einzusetzen.“

Die Ergebnisse der Göttinger Wissenschaftler sind in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology erschienen. (pug/zsh)

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