Pflanzenschutzmittel landen im Grundwasser: Landesbetrieb fordert Kurswechsel

Wasserschutzgebiet: Diese Schilder sind an vielen Straßen zu finden. Damit soll das wertvolle Trinkwasser bewahrt werden. Foto: dpa

Göttingen/Hannover. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft belastet das Grundwasser in Teilen Niedersachsens und kann ohne ein Gegensteuern künftig auch die Trinkwasserqualität gefährden.

Pestizide im Grundwasser in Südniedersachsen: Die Karte des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz zeigt die höchsten Einzelnachweise.

Dies haben landesweite Messungen von Pestiziden zwischen 2008 und 2013 ergeben, deren Ergebnisse der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vorstellte. Auch in Südniedersachsen wurden die Stoffe festgestellt, wie die Daten zeigen. Von den 1180 untersuchten Grundwassermessstellen wurden an 135 Punkten Pflanzenschutzmittel nachgewiesen. Allerdings stellt das NLWKN klar: Für den Verbraucher besteht keine Gefahr, da die Wasserversorgungsunternehmen durch eigene Untersuchungen des Trinkwassers sicherstellen, dass Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe eingehalten werden.

Aber: Trotz jahrelangen Bemühens habe sich die Grundwasserqualität nicht wirklich verbessert, sagte NLWKN-Sprecherin Herma Heyken. Gerade in den landwirtschaftlich geprägten Regionen ist das Grundwasser mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet. Und: Die bislang hohe Qualität des Trinkwassers, das aus geschützten Gewässern und Talsperren im Oberharz kommt, könne aber in Gefahr geraten, wenn es keinen Kurswechsel beim Einsatz von Pestiziden gibt, sagte Heyken.

Akuter Handlungsbedarf

Von „akutem Handlungsbedarf“ sprach Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Selbst Spuren von Pflanzenschutzmitteln gehörten nicht ins Grundwasser. Der Minister aus Göttingen setzt sich dafür ein, dass die Anwendung der Mittel eingeschränkt und die Zulassungspraxis durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft wird.

Wie der Landesbauernverband erklärte, sei auch den Landwirten an sauberem Grundwasser gelegen. Wenn Rückstände gefunden würden, die die Grenzwerte überschreiten, müssten Maßnahmen ergriffen werden. Denkbar sei ein Umstieg auf ein anderes Schutzmittel. Manche moderne Pestizide bauten sich zwar gut ab, bildeten dabei aber wasserlösliche Zwischenstoffe, die im Grundwasser nachgewiesen werden könnten. Auf jeden Fall werde der Bauernverband sich die NLWKN-Ergebnisse genau anschauen, um den Landwirten Empfehlungen geben zu können. Weitere Infos gibt es im Internet. (mit lni)

Hintergrund: Messungen in Mikrogramm pro Liter

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Die Messungen von Pflanzenschutzmittelbelastungen im Grundwasser erfolgen in Mikrogramm pro Liter. Je nach Wert sind die Messpunkte auf einer Karte des Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz farblich unterschiedlich gekennzeichnet. Als Grenzwert (Gesundheitlicher Orientierungswert) gelten je nach Pestizid Konzentrationen von 1,0 oder 3,0 Mikrogramm pro Liter. Gelbe Punkte auf der Karte zeigen einen Wert an, der unter 0,1 Mikrogramm pro Liter liegt. Werte unter 0,5 Mikrogramm pro Liter sind hellorange, Werte unter 1,0 Mikrogramm pro Liter dunkelorange gekennzeichnet. Konzentrationen von mehr 1,0 Mikrogramm pro Liter sind auf der Karte als rote Punkte zu sehen.

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