Linke-Fraktionsspitze in Göttingen

Linke-Wahlkampf in Göttingen: Politischen Gegnern und Miethaien die Zähne zeigen

Der Fraktionschef der Linke im Bundestag, Dietmar Bartsch, auf der Bühne vor dem Alten Rathaus in Göttingen. Ein riesiger, aufgeblasener Hai symbolisiert die Miethaie, die will die Linke zu Fischstäbchen verarbeiten.
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Bissig: Der Fraktionschef der Linke im Bundestag, Dietmar Bartsch, auf der Bühne vor dem Alten Rathaus in Göttingen. Eine Hai-Figur symbolisiert die Miethaie. Diese will die Linke zu Fischstäbchen verarbeiten.

Die Stoßrichtung im Wahlkampf ist klar: Die Linke attackiert die Regierungskoalition und spart dabei auch die FDP und Grünen nicht aus.

Göttingen - Am Freitag in Göttingen fährt die Co-Fraktionsspitze im Bundestag am Gänseliesel vor: Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali attackieren dort in ihren Reden besonders die SPD. Diese habe längst den Bezug zur Realität in Deutschland verloren, sagt Ali und macht diese Behauptung auch an abgelehnten Anträgen der Linke zum Mindestlohn fest.

„Wir haben schon lange 12 Euro die Stunde gefordert“, die SPD hatte das mehrfach abgelehnt“, so Ali. Nun entdeckten die Sozialdemokraten diese Summe plötzlich als eigene Forderung wieder.

Von einem zentralen Thema im Wahlkampf der Linke kündet rechts neben der Bühne vor dem Alten Rathaus ein aufgeblasener, riesiger Hai mit aufgerissenem Maul. Die Ansage der Linke ist wenig tierfreundlich aber klar: „Miethaie zu Fischstäbchen!“ 1,5 Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland. Das, und die Tatsache dass stetig mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen, als neu gebaut werden, ist für Ali ein Skandal. „Warum ist das so?“, fragt sie suggestiv, liefert gleich die Antwort: „Die Bauwirtschaft ist Großspender an Parteien. Politik darf nicht käuflich sein!“

Die Linke nehme keine Parteispenden an. „Wir machen das nicht, nehmen keine Spenden von Unternehmen an “, sagt die Fraktionsvorsitzende und fügt an: „Wir sind konsequent sozial. Wir decken auf.“ Das gibt Beifall.

Links neben der Bühne steht das überlebensgroße Bild einer Pflegekraft – mit sechs Armen. Symbol für die übermenschliche Arbeit die viele in dem Beruf für zu wenig Geld leisten müssen und für ein weiteres Top-Thema der Linke. „Die Situation für Pfleger hat sich nicht verbessert, 50 Euro brutto Gehaltserhöhung sind ein Hohn“, schimpft Amira Mohamed Ali.

Als 2020 während der Corona-Krise im Bundestag die Abgeordneten aufgestanden seinen, um den wahren Helden, auch den Pflegern, in der Krise Beifall geklatscht hätten, hatte sie noch gedacht: „Man hat verstanden, wer die wahren Leistungsträger der Gesellschaft sind.“ Ali sagt heute: „Dem ist nicht so. Die Regierungsparteien haben nicht verstanden.“ Eigentlich gebe es keinen Fachkräftemangel in der Pflege: „Leider arbeiten zu wenig Pflegekräfte, weil die Arbeitsbedingungen zu schlecht sind, sie es nicht mehr schaffen.“ Das müsse sich ändern.

Dietmar Bartsch sitzt der weil im Liegestuhl, genießt die warmen Sonnenstrahlen und klatscht oft. Auf der Bühne widmet er sich dem Thema und dem Land, das seiner Partei zuletzt öffentlich arg zugesetzt hat: Afghanistan.

Nach 20 Jahre Militäreinsatz stünde ein „desaströses Ergebnis“, weder der Terrorismus sei besiegt worden, noch ein stabiles demokratisches System aufgebaut worden. Seine Partei hätte „früh eine klare Meinung und 20 Jahre eine „gerade Haltung“ zum Thema Militäreinsatz gehabt. Bartsch stellte auch klar: Die Linke sei auch nie gegen die Evakuierung der Menschen und Helfer der ausländischen Militärkräfte aus Kabul gewesen, hätte diese sogar früh eingefordert. „Wir waren nur gegen dieses schludrige deutsche Mandat gestimmt.“ Das sei auch viel zu spät gekommen.

Dietmar Bartsch erinnerte auch daran, dass die Partei, damals noch als PDS-Nachfolger früh den Einzug in Kommunalparlamente in Südniedersachsen geschafft habe. Er appellierte an die etwa 200 Zuhörer mit ihren Stimmen „die Linke kommunal stärker zu machen“ und ihr ein „Mehr an Beteiligung“ zu ermöglichen. Landratskandidat Eckart Fascher, Oberbürgermeisterkandidat Edgar Schu und Bundestagskandidat Thomas Goes werden das gerne gehört haben. (Thomas Kopietz)

Angriffsmodus: Amira Mohamed Ali, Fraktionsvorsitzende der Linke im Bundestag, spricht vor dem Alten Rathaus in Göttingen und kritisiert die Regierung.

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