Prämie fürs Ferkel-Ringelschwänzchen: Landwirte haben aber Mehrkosten

Kampf ums Tierwohl: Die niedersächsische Ringelschwanzprämie ist umstritten. Denn wer etwas fürs Tierwohl tun will und das Kupieren lässt, muss in artgerechte Haltung zusätzlich investieren. 16,50 Euro pro Tier decken die Kosten laut Bauernverband nicht. Foto: dpa

Hannover. Im Niedersachsen gibt es die „Ringelschwanzprämie“. Das Land zahlt Bauern Geld dafür, dass sie die Ferkel-Schwänze nicht kupieren.

Christian Wesseler will, dass es seinen Schweinen gut geht. In seinen Ställen hat er deshalb umgerüstet: weniger Schweine, mehr Abwechslung und Beschäftigung. Doch den Aufwand lässt er sich bezahlen. Seit rund einem Jahr zählt Wesselers Hof mit 2000 Mastplätzen zu den Betrieben, die vom Land die sogenannte Ringelschwanzprämie erhalten. Das heißt: der Landwirt schneidet seinen Schweinen nicht mehr das Schwänzchen ab. Für jeden gesunden Ringelschwanz erhält er 16,50 Euro vom Land. „Für mich ist das am Ende ein Nullsummenspiel“, sagt Wesseler.

Das Abschneiden der Ringelschwänze, das sogenannte Kupieren, soll verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig den Schwanz abbeißen – aus Langeweile oder aus Platzmangel. Ähnlich gehen auch Hühnerhalter vor und kürzen ihren Tieren oft die Schnäbel.

Doch Tierschützer kritisieren diese Maßnahmen heftig. Denn häufig infizieren sich die Wunden oder Krankheitserreger gelangen ins Tier. Mit der Prämie sollen die Schweinemäster deshalb dazu angehalten werden, das gegenseitige Anbeißen auf andere Weise zu unterbinden. Auch die Hühnerbauern können die Förderung beantragen. Niedersachsen ist bundesweit Vorreiter bei dem Thema.

„Wir beobachten unsere Tiere permanent“, sagt Schweinehalter Wesseler. „Regelmäßig hängen wir neues Spielzeug in den Ställen auf, schaffen mehr Platz für die Tiere, variieren das Futter.“ Die 16,50 Euro vom Land dienen als Entschädigung für diesen Aufwand. Trotz aller Maßnahmen lasse sich aber nicht zu 100 Prozent verhindern, dass sich die Schweine gegenseitig verletzen, sagt Wesseler.

Das Landwirtschaftsministerium ist mit der Resonanz seiner Maßnahme dennoch zufrieden – in diesem Jahr haben 156 Betriebe die Prämie beantragt. „Schwanzbeißen ist bei guter Haltung vermeidbar“, erklärt Minister Christian Meyer (Grüne). „Die Ergebnisse des ersten Jahres der Ringelschwanzprämie sind eine grandiose Leistung der Tierhalter für mehr Tierwohl, die zurecht honoriert wird.“ Laut Landesbauernverband wäre jedoch erst eine Prämie von 25 Euro kostendeckend.

Vor Beginn der ersten Bewilligungsrunde Ende 2015 hatten 116 Betriebe die Förderung beantragt. 108 von ihnen bekamen schließlich die Prämie. Wesseler: „Das sind erschreckend wenige Teilnehmer“, sagt er. Die Auflagen seien schon streng, aber er will trotzdem weitermachen. (lni)

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