Preis für französischen Menschenrechtler Kouchner

Urkunde und Teppich: Tilmann Zülch (rechts), Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker, zeichnete den früheren französischen Außenminister und Mitgründers der Ärzte ohne Grenzen, Bernhard Kouchner, für sein Engagement aus.

Göttingen. Der frühere Außenminister von Frankreich, Bernard Kouchner (74), wurde in Göttingen für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Vicro-Gollancz-Prei geehrt und rief dazu auf, die Ebola-Epidemie in Westafrika zu bekämpfen, der immer mehr Menschen zum Opfer fallen.

„Wir dürfen nicht wegschauen“, forderte er in der Aula der Universität am Wilhelmplatz. Dort war der Mitbegründer der Nichtregierungsorganisationen „Ärzte ohne Grenzen“ und „Ärzte der Welt“ zuvor von Tilmann Zülch, dem Generalsekretär der in Göttingen ansässigen Gesellschaft für bedrohte Völker, mit dem Victor-Gollancz-Preis ausgezeichnet worden.

Mit ihm werden Persönlichkeiten geehrt, die „sich einmischen, um menschliches Leid zu lindern, Verbrechen bezeugen, Täter benennen und Opfer von Verfolgung, Vertreibung und Völkermord aktiv zu kommen“. Namensgeber ist der britische-jüdische Humanist, Verleger und Schriftsteller Victor Gollancz (1893-1967).

Kouchner kritisierte nicht nur den mangelnden Einsatz der wohlhabenden Länder beim Kampf gegen Ebola, sondern auch das Elend von Flüchtlingen, denen nicht geholfen werde. „Wie kann man akzeptieren, dass 700 Menschen im Mittelmeer ertrinken“, beklagte er die allgemeine Gleichgültigkeit. „Die Menschen in Europa zu empören, ist unmöglich.“

Die Laudatio auf den Mediziner und Politiker sollte eigentlich der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, halten. Er sagte sein Kommen jedoch wegen eines plötzlichen Krankenhausaufenthaltes ab. Stattdessen wurde seine Würdigung verlesen. Neudeck betonte, mit den Ärzten ohne Grenzen habe Kouchner die Grundform moderner Hilfestellung in der Zivilgesellschaft gegründet: „Immer von den Schweinereien reden, den Mund aufmachen, nie das Ganze nur in die Archive geben, wie Du das im Biafra-Krieg bei der Arbeit für das Internationale Komitee des Deutschen Roten Kreuzes erlebst hast.“

Die Herausforderung Neudecks, am 9. November 2015, zumindest einen halben Marathonlauf für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu absolvieren, nahm der geehrte Bernhard Kouchner an.

Von Hans-Peter Niesen

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