Premiere im Jungen Theater: Mit Voltaire auf großer Reise

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Szene aus Candide: Volaires satirische Novelle wird ab Samstag, 5. April, im Jungen Theater in Göttingen gezeigt. Für die Premiere gibt es noch Karten. Foto: Clemens Eulig/JT/nh

Göttingen. Voltaires satirische Novelle Candide feiert am Samstag, 5. April, im Jungen Theater seine Premiere. Robert Hartmann und Alisa Breitag aus der Regie und Dramaturgie des Stücks erzählten vorab von der Göttinger Version des Stückes.

Regen und Sonne zugleich will die Produktion „Candide oder: You are (not) in wonderland. Eine Reise um die beste aller möglichen Welten“ auf die Bühne des Jungen Theaters bringen. Unter diesem Titel, entführen Pessimismus und Optimismus des satirischen Romans von Voltaire die Zuschauer 90 Minuten in eine Welt aus dem 18. Jahrhundert. Doch diese Welt weist erstaunlich viele Parallelen zu heute auf.

Ganz bewusst habe man sich für die Originalnovelle von Voltaire und keine moderne Adaption entschieden, erklärt Dramaturgin Alida Breitag: „Die moderne Fassung, die versuchte das Geschehen ins Jetzt zu übertragen hatte für uns viel weniger Bezug zu heute als Voltaires Original, also haben wir es bei der Zeitlosigkeit belassen und fordern den Zuschauer auf, seine eigene Zeitreise aufzubauen.“

Der Zuschauer begleitet dabei den Protagonist Candide auf seiner Reise durch die Welt der Schrecklichkeiten. Von Verstümmelungen, über Sklaventum und Vergewaltigung ist alles dabei. Auf der Reise geht um Fragen wie: Was ist das Wunderland heute? Und haben wir es nicht schon längst, weil es in unserer eigenen Betrachtungsweise liegt? „Das Stück fragt nach der eigenen Position in der Welt, wie man mit Ohnmacht umgeht und sich selbst nicht als Spielball, sondern als aktives Element begreift“, erzählt Breitag.

Live-Musikelemente

Auch Live-Musikelemente erwarten das Publikum, die an das gleichnamige Musical von Leonard Bernstein angelehnt sind. Auch dabei spielte der Dualismus wieder eine Rolle, erzählt Regisseur Robert Hartmann: „Der Versuch die Hochkultur Voltaires mit dem Musical zusammenzubringen und zu schauen wo sich beides reibt und wie man zu einer Synthese kommen kann zieht sich durch den ganzen Abend.“ Probleme sollen dabei positiv gelesen werden: „Wir haben versucht über unsere drei Schauspieler jedes Kapitel mit einer anderen Färbung und einem neuen Blickwinkel zu versehen, gemischt mit einer Prise Humor, stellt sich dann auch nicht das todtraurige Gefühl ein“, erzählt Hartmann. Robert Hartmann und Alida Breitag gehören beide dem Regiekollektiv „Prinzip Gonzo“ an, dass sich schon zu Studienzeiten Hartmanns an der Hochschule für Schauspiel Ernst Busch bildete, als er entdeckte, dass Schauspiel fernab vom eingetrichtertem Egoismus so besser klappt. Die Grenzen zwischen Regie und Dramaturgie seien bei dieser Produktion sehr fließend, erzählen sie.

Für die Premiere am Samstag, 5. April, um 20 Uhr im Jungen Theater gibt es noch Karten. Das Stück wird außerdem im April noch am 8. und 17. April jeweils um 20 Uhr sowie am 25. April um 19.30 Uhr aufgeführt.

Von Lisa Brüßler

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