Primatenzentrum-Forscher: Duft von Früchten macht Affen Appetit

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Verführerischer Duft sichert Samenausbreitung: Tamarine fressen die Früchte des Leonia-Baumes und breiten so die Samen der Pflanze aus.

Göttingen. Eine exotische Ananas oder ein knackiger roter Apfel – frische reife Früchte sind eine beliebte Nahrungsquelle bei Mensch und Tier. Das ist kein Zufall. Pflanzen produzieren attraktive Früchte, um ihre Vermehrung sicher zu stellen.

Denn mit ihrem Kot verbreiten Tiere die Samen gefressener Früchte. Dass dabei neben dem Aussehen der Duft eine wichtige Rolle spielt, haben Forscher vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen kürzlich gezeigt.

Da Pflanzen ortsgebunden sind, brauchen sie Tiere wie Affen, Vögel und Fledermäuse, um ihre Samen über weite Strecken auszubreiten. Damit die Tiere diese Aufgabe jedoch zuverlässig übernehmen, müssen die Früchte für sie attraktiv sein, erklären die Wissenschaftler. So haben die Pflanzen im Laufe der Evolution ein nahrhaftes Fruchtfleisch entwickelt, das reich ist an Zuckern, Fetten, Eiweißen, Vitaminen und Mineralien. Außerdem sollten die Früchte für nahrungssuchende Tiere leicht erkennbar sein.

Affen als Samenausbreiter

Bis vor kurzem ging man davon aus, dass sich Affen, die in tropischen Ökosystemen zu den wichtigsten Samenausbreitern gehören, vor allem am Aussehen ihrer Nahrung orientieren. Dass sie auch einen gut entwickelten Geruchssinn haben, wurde erst in den letzten Jahren nachgewiesen. Um herauszufinden, ob und welche Rolle der Duft der Früchte für die Affen spielt, haben DPZ-Forscher mit Kollegen aus Deutschland, Schweden und Mexiko zwei Studien durchgeführt.

In der ersten Studie haben die Forscher den Geruch reifer und unreifer Früchte gemessen und dazu an der DPZ-Feldstation im peruanischen Amazonasregenwald Duftproben von Früchten genommen. Dabei kam heraus, dass sich der Geruch von reifen und unreifen Früchten bei den Pflanzen, deren Samen von Affen verbreitet werden, unterscheidet. Bei Pflanzen, die auf Vögel als Samenausbreiter angewiesen sind, war der Geruch dagegen unabhängig vom Reifegrad.

In einer zweiten Studie haben die Forscher dann untersucht, ob Affen reife und unreife Früchte tatsächlich am Geruch unterscheiden können. Dazu haben sie Duftmischungen hergestellt, die den Geruch von Früchten verschiedener Reifegrade imitieren.

Bei Versuchen mit Klammeraffen zeigte sich, dass diese unreife, teilreife und reife Früchte zuverlässig am Geruch unterscheiden konnten. Also sei der Geruch ein verlässliches Signal für die Affen, um reife Früchte zu erkennen, folgern die Forscher.

Ökologische Funktion

„Unsere Studien zeigen, dass der angenehme Geruch, den viele reife Früchte ausströmen, eine wichtige ökologische Funktion hat: Er dient der Kommunikation zwischen Pflanze und Affe“, sagt Omer Nevo, Hauptautor der beiden Veröffentlichungen.

Die Ergebnisse der Studien wurden im Scientific Reports (2015) und im Journal of Chemical Ecology (2016) veröffentlicht. (zsh/nh)

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