Paul van Laar ist selbstständiger Produktdesigner in Göttingen

Göttinger Produktdesigner bringt Ideen zum Leuchten

Paul van Laar steht unter einer von ihm entworfenen Lampe, die unter dem Markennamen „Lumodo“ vertrieben wird. Die Farbe lässt sich per App steuern.
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Paul van Laar steht unter einer von ihm entworfenen Lampe, die unter dem Markennamen „Lumodo“ vertrieben wird. Die Farbe lässt sich per App steuern.

Paul van Laar arbeitet immer – zumindest gedanklich. Der 30-Jährige führt seit wenigen Monaten gemeinsam mit seinem Partner Gerrit Wahle das Büro für Produktdesign „White Lime“ in Göttingen.

„Ich muss alles anfassen, alle Details kennenlernen. Das ist ständige Inspiration“, sagt van Laar zur Arbeit. Van Laar ist schon seit 2017 selbstständig und kann von seinem Beruf leben, sein Spezialgebiet sind extravagante Leuchten und Lichtinstallationen. Partner Wahle ist ein Experte für Textilien. Woran sie derzeit arbeiten, ist streng geheim. Immerhin arbeiten die beiden Kreativen an Produktneuheiten für ihre Kunden. „Wir beschränken uns nicht auf eine Produktkategorie. Wichtig im Designprozess ist, dass wir komplett offen an eine Aufgabe herangehen. Nur so können wir von der Expertise unserer Kunden profitieren“, erklärt van Laar. „Wir arbeiten ehrlich, nah und kooperativ zusammen.“ Enge Kundenbeziehung, fast schon freundschaftlich, sind ihm wichtig. Er arbeitet im Göttinger Co-Workingspace Startraum an Ideen und Prototypen.

Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit studierte van Laar Industriedesign an der Fachhochschule Darmstadt und absolvierte mehrere Praktika: bei einem Schreiner und bei Porsche Design, einer Agentur für Produktdesign, die eine Tochter des Autobauers ist. In seinem Studium konnte er mit großer Praxisnähe zwei wichtige Disziplinen verbinden: die Kunst und das Ingenieurwesen. „Das sind zwar völlig verschiedene Herangehensweisen, aber der Blick über den Tellerrand bringt unheimlich viel bei der Ideenfindung.“

Der Designprozess beginne immer mit einem Problem, sagt van Laar. „Ich will ja nicht einfach nur eine Lampe kreieren – es geht darum, den konkreten Bedarf meiner Zielgruppe zu erkennen. Geht es um Ästhetik, Energieeffizienz oder um maximale Helligkeit?“ Dann beginnt die Recherche: Was gibt es schon auf dem Markt, wo ist noch eine Nische frei? Was sind aktuelle Trends oder soll das Produkt ein eher zeitloses Design bekommen? Die wichtigste Frage: Kann ein USP geschaffen werden? Die Abkürzung steht für „Unique Selling Point“, was übersetzt Alleinstellungsmerkmal bedeutet. Wirtschaftliche wie ökologische Nachhaltigkeit sind Grundbedingungen für alle Projekte. „Am Ende entscheiden natürlich die Wünsche und die Expertise der Kunden darüber, wie etwas gemacht wird. Ich sage offen und ehrlich was ich davon halte – Nein sage ich aber nicht“, erklärt van Laar.

Die ersten Konzepte bestehen aus „schnellen Zeichnungen“, das erste Modell entsteht aus Papier. Hat sich der Kunde für eine Richtung entschieden, wird die Arbeit detaillierter. Am Computer entstehen 3D-Modelle mit exakten Maßen. „Diese Modellierungen sehen dann schon super realistisch aus, sind von hochwertigen Produktfotos kaum zu unterscheiden“, berichtet er. Der neuste Clou: Durch eine Brille für virtuelle Realität lassen sich die Modelle rundherum betrachten, so als ob sie tatsächlich im Raum stünden. Mithilfe eines 3D-Druckers werden dann Prototypen aus Kunststoff gedruckt. „Das ist zwar nicht unbedingt günstig, allerdings ist eine neue Form für einen Plastikspritzguss immer viel teuerer. Das lohnt sich in diesem Stadium noch nicht.“

In Göttingen fühlt sich Paul van Laar sehr wohl und will nicht nur wegen seiner Freundin in der Universitätsstadt bleiben. „Soweit ich weiß, gibt es in der Region keine vergleichbare Agentur“, sagt er. Auch soll es nicht bei einem Zwei-Mann-Betrieb bleiben: „Wir haben vor, auf etwa zehn Köpfe zu wachsen.“ Ein mögliches neues Feld könnte die Gestaltung von digitalen Benutzeroberflächen sein.

Von Gregory Dauber

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