Projekt Groner Tor: Farblicher Dreiklang im klassischen Klinkerstil

Großbauprojekt am Groner Tor: Neben dem Gebäude des Zoologischen Institutes der Universität Göttingen (oben rechts), das einmal Forum Wissen werden soll, entsteht das Verwaltungsgebäude der Sparkasse Göttingen und das Hotel Freigeist. Unten die Ansicht von der Bahndamm-Seite, darauf links das Hotel, rechts die Sparkasse. Grafik: Zoernack/nh

Göttingen. Auf Gelände am Groner Tor wachsen das neue Verwaltungsgebäude der Sparkasse Göttingen und das Hotel Freigeist aus dem Boden – die Arbeiten liegen im Zeitplan. Aktuell wird die Gestaltung der Fassade entwickelt.

Prägend für die Fassade sind die heimischen Natursteinfarben und Farbgestalter Peter Zoernack aus Dassel. Er hat Grafik, Design und Historisches Kulturgut studiert. Zeit seines Arbeitslebens bringt er Farbe bei Gebäuden ins Spiel.

Beauftragt vom Generalplaner des Sparkassen- und Hotelprojekts, der Göttinger Gesellschaft EBR, tüftelt er daran, die Farbgebung der Fassaden des alten Zoologie-Gebäudes und der neuen Häuser harmonisch zu verbinden – aber auch daran, Klinker- und Fugenfarben mit der Architektur abzustimmen.

Dass es Klinker werden, hat die Stadt der EBR in die Pläne diktiert. Für Zoernack ist das eine reizvolle Vorgabe – aber keine einfache. Am Ende soll ein optisches Zusammenspiel entstehen, die Gebäude müssen aber auch eigenständig wirken. Von weitem betrachtet stimmen die Farben stärker überein. Aus der Nähe sollen die Baukörper ihren Reichtum an Farbnuancen zeigen, sagt Peter Zoernack, der mit Akribie und Begeisterung arbeitet.

Helle, einladende Töne sind gewollt, weil Sparkasse, Zoologie und Hotel „offene, belebte Gebäude sind“. Das Sparkassen-Gebäude soll von den Menschen als freundlich-harmonisch empfunden werden.

Die Vorgabe liefert die Zoologie-Fassade, die unten dunkler, oben heller und generell „würdevoll gealtert“ ist, wie Zoernack sagt. „Auch das wird sich in der Fassade von Sparkasse und Hotel wiederfinden. Die ausgewählten Klinker sehen schon gealtert aus.“

Mittlerweile steht das Farbenspiel: Die Gebäude bilden einen Dreiklang, der sich in drei Grundfarbtönen bei den Klinkern findet: ein dunklerer Grau-Ton, zwei hellere, eher sandige Farbtöne.

„Der Aufwand war hoch, eine passende Abstimmung zu finden, da die Gebäude lange zusammen stehen werden“, erklärt Planer Rafie Elizei, der sich über Kritik an einer intensiven Begutachtung des Materials und möglicher Stein-Lieferanten ärgert. „Das ist – wie auch bei den Fußboden-Materialien – eine Entscheidung von großer Tragweite.“

Ein Fassaden-Modell gibt es übrigens schon. Es steht auf einem Privatgrundstück in Friedland und diente als variables Muster. „Es hat uns geholfen, auch die Abstimmung mit Fensterrahmen und Jalousien zu finden“, sagt Rafie Elizei.

Dass Architektur und Farbgestaltung am Ende immer streitbar sein werden, das weiß Zoernack nur zu gut. Er hat auch das Kreishaus in Göttingen gestaltet.

Der Farbentwurf war umstritten, nicht nur, weil der damalige Landrat das vorgesehene Rot aus Gründen anderer politischer Coleur ablehnte. So wurde es ein Orange-Ton mit Lichtkonzept. „Heute streitet niemand mehr darüber“, sagt Peter Zoernack lächelnd.

Von Thomas Kopietz

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