Quarantäne-Quartier im Eichsfeld

Bundesinnenministerium richtet Transit-Unterkunft für Spätaussiedler ein

Der Rosenthaler Hof im Duderstädter Ortsteil Westerode bei Nacht.
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Der Rosenthaler Hof im Duderstädter Ortsteil Westerode bei Nacht.

Nach Deutschland kommende Spätaussiedler werden ab sofort vorübergehend in einem ehemaligen Hotel in Duderstadt im Eichsfeld (Landkreis Göttingen) untergebracht. Erst nach zweiwöchiger Quarantäne und zwei negativen Corona-Tests dürfen sie in die eigentliche Erstaufnahmeeinrichtung in Friedland (ebenfalls im Landkreis Göttingen) weiterreisen.

Duderstadt/Friedland – Wie das Bundesinnenministerium (BMI) am Montag auf Nachfrage bestätigte, ist das ehemalige Hotel Rosenthaler Hof im Duderstädter Ortsteil Westerode als Transit-Unterkunft für Spätaussiedler angemietet worden. Weitere derartige Quarantäne-Quartiere gibt es nach Angaben eines BMI-Sprechers in der Nähe des Frankfurter Flughafens (330 Plätze), in Langenhagen bei Hannover (35 Plätze) und Bad Kissingen in Bayern (34 Plätze). Der Rosenthaler Hof bietet den Angaben zufolge Platz für 250 Menschen; bis Montagnachmittag waren 14 Spätaussiedler dort untergebracht.

Diese Maßnahmen ergriff das Innenministerium – das bis zur Registrierung und Verteilung auf die Länder für die Spätaussiedler verantwortlich ist – nachdem sich im Grenzdurchgangslager Friedland Ende Juni 60 Menschen mit Covid-19 infiziert hatten. Friedland ist die einzige zentrale Aufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler aus den ehemaligen Sowjet-Republiken. Zwischenzeitlich war ein Aufnahmestopp verhängt worden, seitdem wurden im Grenzdurchgangslager keine neuen Corona-Fälle mehr registriert.

Die Spätaussiedler sollen möglichst bei Ankunft am Frankfurter Flughafen auf das Virus getestet werden. „Mit Blick auf die besondere Unterbringungsverantwortung des Bundes ist eine Testung von Spätaussiedlern bei Einreise am Flughafen Frankfurt in Vorbereitung“, erklärte BMI-Sprecher Björn Grünewälder gegenüber unserer Zeitung. Pilottestungen fanden in der vergangenen Woche statt.

In Duderstadt und in den anderen „Interims-Unterkünften“ seien die Verpflegung und medizinische Betreuung der Bewohner gewährleistet, betonte der BMI-Sprecher. Ein Sicherheitsdienst soll die Erfüllung aller staatlichen Vorgaben, insbesondere die des Gesundheitsamtes, überwachen. Bei einem positiven Test auf Covid-19 erfolge eine Rückmeldung über das Gesundheitsamt an das Quarantäne-Hotel, so Grünewälder.

Bei Lokalpolitikern hat das Quarantäne-Quartier in Duderstadt für teils heftige Kritik gesorgt. Der Duderstädter Bürgermeister Thorsten Feike (FDP) hatte sich im Vorfeld über die fehlende Informationspolitik des Bundesministeriums beklagt. Kurz vor dem Einzug der ersten Spätaussiedler hatte es dann doch noch Gespräche gegeben. Die Unsicherheit, was das für die Menschen in der Region bedeutet, bleibt dennoch.

Derweil beruhigt das BMI: Die Testungen am Frankfurter Flughafen, der Transport der Spätaussiedler in die Unterkünfte sowie die Unterbringung selbst sollen unter „strenger Beachtung der geltenden Hygienevorschriften“ stattfinden. Positiv-Getestete würden von den gesunden Menschen separiert. Und erst nach Ablauf der 14-tägigen Quarantäne werden die Spätaussiedler weiter nach Friedland gebracht. Die Verteilung der Menschen auf Deutschland trifft das Bundesverwaltungsamt dann von Fall zu Fall, so der BMI-Sprecher.

Von Andreas Arens

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