Quartier soll Kunst-Stars locken

Wie ein Kunstwerk – neu trifft auf alt: In der Düsteren Straße baut Verleger Wolfgang Steidl das Grass-Archiv, wo Werke von Günter Grass ausgestellt und gelagert werden sollen. Es soll Bestandteil des Kunst-Quartiers werden, dass die Stadt mit Steidl plant. Jetzt gibt es dafür Geld aus Berlin. Hier der Blick aus dem neuen Anbau in den Altbestand – beide Teile bilden einen Komplex. Foto: Kopietz

Göttingen. Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl und die Stadt basteln – jetzt auch mit Geld vom Bund – an einem einmaligen Projekt in Göttingen, dem Kunst-Quartier „KuQua“.

Für eine kräftige Investitionsfinanzierung sorgt Geld aus Berlin: 4,5 Millionen Euro kommen aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Klar, dass sich Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler über diese Finanzspritze freut. „Es ist toll, dass das von uns vorgestellte und beantragte Projekt Kunstquartier Düstere Straße die Juroren voll überzeugt hat.“

Unterstützt werden aus dem Fördertopf Vorhaben zur Erhaltung historisch wertvoller Gebäudesubstanz. Darum geht es beim Kunstquartier – und um mehr, denn der Bereich Düstere Straße/Turmstraße/Nikolaistraße fristet abseits der großen Innenstadtstraßen ein Mauerblümchendasein. Alte Fachwerkhäuser sind teilweise in schlechtem Zustand, Neubauten sorgen für ein inhomogenes Bild.

Gerhard Steidl bemüht sich dort seit Jahren um eine Aufwertung, hat um das Verlagsgebäude Grundstücke erworben und Projekte in Angriff genommen – mit eigenem Geld. So ist der Rohbau des Grass-Archivs fast fertig. Ein eindruckvolles Ensemble aus zwei Gebäuden mit 100 Quadratmeter Grundfläche. Vorne, zur Düsteren Straße, wird die Fachwerkfassade herausgeputzt. Hinten geht ein moderner Galerie-Anbau direkt in den Altbau über. Neues trifft auf Altes, in überaus reizvoller Form.

Der Oberbürgermeister bewertet das Engagement Steidls als außerordentlich: „Ohne Gerhard Steidl wäre es nicht zum Projekt Kunst-Quartier gekommen.“ Und Köhler greift fast zu einem Superlativ, was die künftige Wirkung des „KuQua“ angeht: „Es wird ein Projekt von nationaler Bedeutung sein“, sagt er bei einem Ortstermin. „Damit wird die gesamte südliche Innenstadt erheblich aufgewertet“, ergänzt SPD-Vorsitzender Christoph Lehmann: „Es ist die große Chance, das Viertel in seiner wunderbaren historischen Substanz aufblühen zu lassen.“

Mehr noch: Über die später von mehreren Seiten zugänglichen Hinterhöfe werden Teile der Innenstadt damit neu begeh- und erlebbar. Apropos erleben: Das „KuQua“ wird auf keinen Fall ein Museum, sondern ein Raum auch für international renommierte Künstler wie Günter Grass, Karl Lagerfeld oder Fotografen von Weltklasseniveau sein, mit denen Steidl zusammenarbeitet.

SPD-Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann, der sich dafür eingesetzt hat, sieht im „KuQua“ deshalb ein Vorhaben, dass der Innenstadt neue Schubkraft geben kann. Rolf-Georg Köhler sagt es emotionaler: „Das ist ein tolles Projekt, das Göttingen als Kulturstadt kräftig aufwertet.“

Gleichwohl gibt er zu bedenken, dass zur Realisierung bei Gesamtkosten von mehr als acht Millionen Euro, weiteres Geld nötig sein wird. Man dürfe nicht lockerlassen bis das Kunst-Quartier steht.

Von Thomas Kopietz

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