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Queere Gemeinschaft: In der Mitte der Stadt angekommen

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Haben die Ausstellung mit vielen Helfern organisiert: (von links) Saskia Johann, Ilka Jacobus, Hajo Gevers, Michael Fürst, Klaus Müller, Simone Kamin und Dean Cáceres.
Haben die Ausstellung mit vielen Helfern organisiert: (von links) Saskia Johann, Ilka Jacobus, Hajo Gevers, Michael Fürst, Klaus Müller, Simone Kamin und Dean Cáceres. © Kim Henneking

Auf 50 erfolgreiche Jahre blickt die queere Gemeinschaft in Göttingen zurück. Bis Ende Oktober gibt es dazu eine besondere Ausstellung.

Göttingen – „Diese Ausstellung gibt Hoffnung. Denn sie zeigt, dass wir in der Mitte der Stadt angekommen sind“, sagt Klaus Müller. Der Initiator und Koordinator eröffnete am Samstag die Ausstellung „In Bewegung kommen. 50 Jahre queere Geschichte(n) in Göttingen“ im Alten Rathaus. Bis zum 30. Oktober können Besucher dort das Leben und die Herausforderungen von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität kennenlernen und mit Vertretern der „LSBTIAQ“-Gemeinschaft ins Gespräch kommen.

„LSBTIAQ“ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, intersexuell, asexuell/ aromantisch und queer/questioning. Die Organisatoren nutzen den Begriff „queer“ als Sammelbegriff für alle Menschen, die sich nicht mit der heterosexuell geprägten Gesellschaft identifizieren. „Es wird erwartet, dass Menschen heterosexuell und monogam sind, heiraten und Kinder bekommen. Abweichungen von dieser Norm müssen erklärt werden“, fasst Koordinatorin Simone Kamin zusammen.

Welche Auswirkungen diese Erwartung auf das Leben von Göttingern in den vergangenen fünf Jahrzehnten hatte und teils noch hat, zeigt die Ausstellung in sechs Räumen. So werden gesetzliche und gesellschaftliche Diskriminierungen vorgestellt, die ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben für die queere Gemeinschaft erschweren beziehungsweise verhindern.

Dazu gehören auch Vorurteile gegenüber Aidskranken, bürokratische Hürden zur Änderung des Geschlechts und gesetzliche Regeln zur Adoption eines Kindes von gleichgeschlechtlichen Eltern.

Eine Karte der Stadt Göttingen zeigt Orte, an denen queeres Leben in Form von etwa 140 Gruppen und 60 Treffpunkten stattfindet. Ein weiterer Raum gibt Einblick in den Alltag – von Musik, Kleidung und Büchern bis hin zu Sexspielzeugen und Aidsprävention. Mit dem Smartphone können per QR-Code Interviews von Vertretern aller betroffener Gruppen angehört werden, die ihre Geschichte erzählen.

„Die Ausstellung soll zeigen, dass queeres Leben nicht nur in Berlin und Köln stattfindet“, erklärt Klaus Müller, der bereits 1972 die erste Schwulengruppe in Göttingen mitgegründet hat. Damals habe die „heteronormative Gesellschaft übermächtig gewirkt“. „Heute können wir uns hier versammeln und werden nett begrüßt. Das ist doch eine Erfolgsgeschichte.“ Dennoch gebe es weiterhin viel zu tun.

Beziehungen und Sexualität: Auch diese Themen werden in der Ausstellung thematisiert. Das Bild zeigt Sexspielzeug neben Aidsmedikamenten.
Beziehungen und Sexualität: Auch diese Themen werden in der Ausstellung thematisiert. Das Bild zeigt Sexspielzeug neben Aidsmedikamenten. © Kim Henneking

„Göttingen hat langlebige Strukturen und eine stark politisch engagierte queere Gemeinschaft“, sagt Simone Kamin, die hauptamtlich für die Göttinger Aidshilfe arbeitet. Sie wolle mit der Ausstellung auch das Engagement der Aktivisten würdigen. In ihrer Eröffnungsrede fordert sie ein „sichtbares, sicheres und selbstbestimmtes Leben“ für alle Menschen. Dass die gesellschaftliche Akzeptanz wächst, zeigte auch die Begrüßungsrede von Göttingens Sozial- und Kulturdezernentin Anja Krause: „Die Gesellschaft verändert sich und das ist gut so.“ In einer offenen Gesellschaft dürfe niemand aufgrund seiner Identität diskriminiert werden. „Es ist Zeit für diese Ausstellung.“ (Kim Henneking)

Kontakt: Queeres Zentrum, Tel. 05 51/29 17 25 24, E-Mail: info@queeres-zentrum-goettingen.de. Einzelne Besucher und Gruppen können sich für Führungen durch die Ausstellung anmelden. Termine: Freitag, 14. Oktober, 18.30 Uhr: Vorstellung des Begleitbuchs; Mittwoch, 19. Oktober, 19 Uhr: Erzählcafé; Sonntag, 23. Oktober, 17 Uhr: Quiznight; Dienstag, 25. Oktober, 19 Uhr: Theaterstück sowie 20 Uhr: Gesprächsrunde mit Göttinger Aidshilfe. Alle Veranstaltungen finden im alten Rathaus statt und sind kostenfrei. Die Ausstellung kann 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn kostenlos besucht werden.

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