Was die TV-Zuschauer nicht sehen konnten

Bundesvision Song Contest: Stefan Raab lieferte Live-Erlebnis vom Feinsten

Göttingen. Der Bundesvision-Song-Contest ist eine sportliche Angelegenheit, zunächst für die Musiker, die den Wettstreit gewinnen wollen. Aber auch für einige der 3500 Zuschauer in der Lokhalle, die Pro7 und Brainpool mit Technik und 200 Mitarbeitern zu einem Licht- und Soundtempel gemacht haben.

Revolverheld siegt beim Bundesvision Song Contest

Bevor Pro7 um 20.15 Uhr auf Sendung geht, hat die Sporteinheit längst begonnen. Die Zuschauer aber werden aufgewärmt, vom TV-Unikum Elton, der im Fahrwasser Raabs berühmt geworden ist. „Bitte ordentlich jubeln und keine Buhrufe“, fleht Elton, um sich gleich über die Fans aus den Bundesländern lustig zu machen. Sie sitzen vorne und stehen, wenn „ihre“ Musiker auftreten, ganz vorne. „Woher seid Ihr? Aus Rostock! Dritte Liga“, pflaumt Elton. Marteria, Mecklenburg-Vorpommerns-Starter kontert Elton später: „Die Stadt mit dem geilsten Fußball-Klub.“

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20.13 Uhr pfeift die Sende-Leiterin den echten Wettkampf für Zuschauer an. Vorne an der Bühne, in den Fan-Boxen, die an Hörer der beteiligten privaten Radio-Sender verlost worden waren, sind Plätze frei. Das aber geht gar nicht, die Kameras sollen doch lückenlose Fan-Massen einfangen. Also: „Wer einen Platz hier haben möchte, schnell herkommen und setzen!“ – so der Befehl und Startschuss: Noch 1.30 Minuten bis zur Live-Übertragung. Viel zu viele Leute rennen los. Der Platz an der Sonne lockt, der die Übertragung in eine Million Haushalte garantiert. Einige schaffen es. Die anderen müssen fix zurück. Erstaunlich: um 20.15 Uhr sitzen alle. Das Publikum ist diszipliniert – und das über vier Stunden.

In der Halle ist es spannend. Die Werbepausen werden genutzt: im flotten Lauf auf die Toilette und an die Theke. Die Filmchen mit dem Helden-Raab als Abenteurer in Niedersachsens Wildnis beachtet kaum jemand – mit Recht. Im TV läuft derweil Werbung.

An den Theken wird nicht minder sportlich Tempo gemacht, in Rekordzeit die Schlange der Wartenden abgearbeitet. Respekt.

Recht zügig und kurzweilig mit schönen Vorweg-Filmchen geht der Auftritt der 16 Starter vorüber. Dann aber wird es zäh: Die Auswertung dauert, einige der Punkteübermittler, Moderatoren von Privat-Radios, nerven. Ein Highlight setzt Comedian „Dennis“ aus Köln. Sein Slang-Slapstick kommt an. So punktet in NRW und aus Dennis‘ Mund auch „Material“ statt Marteria aus Rostock. Und auch 2013-Sieger Bosse rockt die Halle: Riesenjubel. Manche tanzen.

Fazit: Der Song-Contest ist, wenn auch von der Musik-Qualität her nicht hochklassig, aber optisch ein echtes Erlebnis. Sound und Licht sind stark. Das Bühnenbild, das sich über fast die gesamte Hallenbreite erstreckt, zeitweise eine Augenweide. Hier sitzt der Hallenzuschauer gegenüber dem TV-Glotzer klar in der ersten Reihe. 3499 und ein Zuschauer haben die vier Stunden in der Halle durchgehalten, wenn auch mit Ermüdungserscheinungen. Die Kinder zu Hause aber sind eingeschlafen. Sie wurden sportlich nicht gefordert. „Zu langweilig“, sagen sie.

Werbung für Göttingen

„Diese Werbung für Göttingen wäre sonst nicht zu bezahlen.“ Als Event mit unschätzbarem Werbewert sieht der künftige Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler die Übertragung aus der Lokhalle. Werbung für Göttingen betrieben übrigens auch die Stars in Interview: Raab lobte die Lokhalle als tolle Location und Göttingen als wunderbare (Radfahrer-)Stadt. Max Mutzke fand es „nur schön“ und will ein Stück des alten Bahndamms kaufen. „Kann er gerne haben“, sagt Köhler. Revolverheld-Sänger Johannes Strate wird Göttingen „nie vergessen, weil es hier großartig war“.

Von Thomas Kopietz

Bundesvision Song Contest in Göttingen

Bundesvision Song Contest in Göttingen

Rubriklistenbild: © Foto:  Jelinek

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