Raoul Schrott: So schön kann Wissenschaft erzählt werden

So ist die Welt: Astrophysiker und Autor Ulrich Woelk (links) und Literat Raoul Schrott in der Reihe Science & Arts. Foto: Kopietz

Göttingen. Welch´ ein Anspruch: das aktuelle Wissen um die Entstehung des Universums und der Erde nicht wissenschaftlich, sondern literarisch in einem Buch erzählen! Raoul Schrott hat nichts anderes in seinem 800-Seiten Werk „Erste Erde. Epos“ getan. Er erzählte über den Prozess beim Literaturherbst in der Reihe „Science & Arts“. Dabei waren auch die Wissenschaftler Ulrich Woelk und Joachim Reitner.

Göttingen. Welch´ ein Anspruch: das aktuelle Wissen um die Entstehung des Universums und der Erde nicht wissenschaftlich, sondern literarisch in einem Buch erzählen! Raoul Schrott hat nichts anderes in seinem 800-Seiten Werk „Erste Erde. Epos“ getan. Er erzählte über den Prozess beim Literaturherbst in der Reihe „Science & Arts“. Dabei waren auch die Wissenschaftler Ulrich Woelk und Joachim Reitner.

„Wenn ich schon hier auf der Erde bin, wollte ich einfach wissen, warum und wo ich stehe und zwar bevor ich ins Grab steige“, sagt Schrott schmunzelnd und unverkennlich im Tiroler Akzent.

Und er wollte wissen, wo die Wissenschaft in der Frage nach dem Ursprung steht. Also las Schrott viel und reiste noch mehr – rund um den Erdball. „Ich musst einfach zu den Orten, die für die Entstehung stehen.“

Diese Entstehungsgeschichte betrachtet Schrott vielschichtig, reduziert sie weder auf religiöse Thesen, noch nur auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse, wenngleich er sagt: „Es ist nicht viel geblieben von den biblischen Entstehungstheorien. Die biblische Komponente muss mit den Naturwissenschaften neu zusammengebaut werden.“

Der Literat Schrott ging also Wege, wie sie viele Forscher auch in digitalen Zeiten – glücklicherweise – immer noch gehen: Weg vom abstrakten Wissen aus Dissertationen, hin zu den physischen Schauplätzen. „Ich kann nur verstehen, wenn ich die Dinge in Wirklichkeit sehe.“ So entstünde ein Kontext, der mit den Möglichkeiten der Sprache vermittelt werden könne.

Aber auch Mythen, so wie die noch als Reaktion auf christliche Missionare vor etwas mehr als 100 Jahren in Neuseeland entstandene Entstehungsgeschichte der Welt, macht Schrott auf diese Art erlebbar, beschreibt sie dann wunderbar – auch in der Sprache der Maori und seiner eigenen poetischen.

Raoul Schrott hat viel gelernt während seiner siebenjährigen Recherchetour durch die reale Welt und die Welt des Wissens. Das alles niederschreiben in einem Sachbuch, das ist seine Sache aber nicht. Biochemische Prozesse in Schaubildern und nüchternen Worten erklären: Nein!

Die Wissenschaftler auf dem Podium der schreibende Astrophysiker Ulrich Woelk und der Göttinger Geobiologe Joachim Reitner, die ihr Wissen zur Entstehungsgeschichte den etwa 150 Zuhörern in der Alten Mensa präzise und kurz vermitteln, nötigt das Ergebnis „Erste Erde. Epos“ Respekt, ja Bewunderung ab.

Die scherzhafte Suggestiv-Frage des Moderators Stefan Lohr, wo denn Reitner in dem Schrott-Buch den Rotstift ansetzen würde, beantwortet Reitner mit Humor: „Der Name Schrott ist hier keineswegs Programm.“ Woelk sagt voller Respekt: „Es ist ein Wagnis, ein solches Buch zu schreiben.“ Das Werk jedenfalls ist ein großer Wurf. Für Moderator Lohr gar „das literarische Ereignis des Jahres“.

• Roaul Schrott, „Erste Erde. Epos“, Hanser-Verlag, 800 Seiten, 68 Euro.

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