Sonderschau im Städtischen Museum

Reformation kommt in Göttingen erst zwölf Jahre nach Thesenanschlag in Gang

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Ausstellungsstück: In der Schau wird eine Rekonstruktion des Barfüßer-Altars gezeigt. Viola Bothmann (links), freie Restauratorin und Kuratorin Andrea Rechenberg präsentieren das Modell.

Göttingen. 1529 – das Jahr der Reformation hat auch in Göttingen Spuren hinterlassen, es kam zu bewegenden Ereignisse. Diese sind Thema einer Sonderausstellung im Städtischen Museum Göttingen. 

Die Schau „1529 – Aufruhr und Umbruch“ öffnet am Sonntag, 9. April und wird bis zum Jahresende zu sehen sein.

Einmalige Ausstellung

Gezeigt werden die Hintergründe, die zur Reformation in der Stadt führten – mit Hilfe teils noch nie gezeigter Objekte. Der zweite Teil der Ausstellung dokumentiert die politischen, kulturellen und religiösen Bedingungen der Zeit.

Sonderschau bis Jahresende: Daran beteiligt sind (von links) Prof. Dr. Peter Aufgebauer (Geschichtsverein), Mirko Repp (Sound & Vision), Julian Jungnickel von der Museumswerkstatt, Museumsleiter Dr. Ernst Böhme, die freie Restauratorin Viola Bothmann, Dr. Saskia Johann (Wissenschaftlische Volontärin), Silke Stegemann (Leiterin Museumswerkstatt) und Kuratorin Andrea Rechenberg.

Dafür werde die für Niedersachsen einmalige Sammlung des Museums zur Kirchenkunst in ein neues Licht gesetzt. „Die überaus wertvollen sakralen Objekte erzählen vom Denken und Handeln der Menschen – vor und nach der Reformation.“

Göttingen ist spät dran

Mit dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 beginnt die Reformation in Deutschland. Während sich in vielen Städten der neue Glaube früh und energisch Bahn bricht, bleibt Göttingen zunächst davon fast unberührt. Hier finden sich nur wenige Hinweise auf das Eindringen reformatorischen Gedankengutes.

1524/25 bestehen offenbar Verbindungen zu Anhängern des Reformators Thomas Müntzer in Mühlhausen, von denen einige wohl auch vorübergehend in Göttingen Unterschlupf finden.

Rat geht hart vor

1528 predigt ein Kaplan in der Kirchengemeinde St. Jacobi öffentlich im lutherischen Sinn, und es werden vermehrt lutherische Schriften gekauft – und wohl auch gelesen. Aber: Gegen diese reformatorisch gesinnten Kreise geht der Rat hart vor, indem er „auffällige“ Personen massiv verwarnt oder gar aus der Stadt entfernen lässt.

1529: Stürmische Zeiten

Dann, im Verlauf des Jahres 1529, beginnen sich die Dinge stürmisch zu entwickeln: Im benachbarten Grone predigt Johann Bruns, Geistlicher im Dienste des Erzbischofs von Mainz, im lutherischen Sinn und erhält regen Zulauf aus der Bürgerschaft.

Die Fronleichnamsprozession Ende Mai, ein Höhepunkt im katholischen Kirchenjahr und daher von Symbolwert, wird schließlich von Anhängern der Reformation gestört.

Tumulte bei Prozession

Am 24. August 1529, zwölf Jahre nach Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers (1483-1546) und am Bartholomäustag, prallen auch in Göttingen die Vorstellungen der „Altgläubigen“ und der Reformatoren aufeinander. Es kommt zu einer Gegendemonstration der Reformationsanhänger, die sich zum großen Teil aus der Gruppe der „Neuen Wollenweber“ rekrutieren.

Luther-Lied gesungen

In der Stadt wütet eine tödliche Seuche. Mit einer Prozession bitten Bürger um Schutz und Gottes Hilfe. Während des Umzuges kommt es zu einem Tumult, als eine Gruppe von Menschen beginnt, laut ein Kirchenlied des Reformators Martin Luther auf Deutsch zu singen.

Erster Gottesdienst

Das herausfordernde öffentliche Auftreten gilt als der eigentliche Beginn der Reformation in Göttingen. Am 24. Oktober 1529 hält der Pfarrer Friedrich Hüventhal in der großen Kirche des Paulinerklosters gegen den Willen der Mönche den ersten regulären evangelischen Gottesdienst ab. Die in den folgenden Monaten erarbeitete evangelische Kirchenordnung wird am Palmsonntag, 10. April, 1530, von den Kanzeln verkündet.

Begleitprogramm

Das Städtische Museum bietet ein umfangreiches Begleitprogramm an. Es bestehe auch aus Vorträgen, einer Quiz-App, Weinverkostung, einer Exkursion sowie museumspädagogischen Aktionen für Kinder und Schulen, heißt es in einer Ankündigung.

Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“: Eröffnung am Sonntag, 9. April, um 11.30 Uhr, Städtisches Museum, Am Ritterplan. Das Museums ist montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

www.museum.goettingen.de

Von Thomas Kopietz

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