Ringen um Erhalt der Kreismusikschule: Ver.di befürchtet das Aus

Geschäftsführer Kreismusikschule: Peter Staufenbiel. Foto: Kopietz

Göttingen. Die Gewerkschaft Verd.di sowie die Lehr- und Honorarkräfte der Kreismusikschule sorgen sich um den Erhalt der öffentlichen Bildungseinrichtung und plädieren für einen Weiterbetrieb in öffentlicher Hand.

Kürzlich war bekannt geworden, dass ein Defizit von knapp 800.000 Euro aufgelaufen ist. Das sei ein unhaltbarer Zustand, heißt es aus dem Kreishaus. Der Landkreis aber will die Kreismusikschule (KMS) weiterführen und flächendeckend das Angebot erhalten – was auch den Mitarbeitern Sicherheit bieten würde.

Kreismusikschule-Geschäftsführer und Rechtsanwalt/Insolvenzverwalter Peter Staufenbiel hat Pläne dafür erarbeitet und in eine Beratungsvorlage für die Ausschusssitzung am Montag um 16 Uhr im Kreishaus einfließen lassen.

Kurzum: Staufenbiel soll nun Partner – ob private oder öffentliche – für einen weiteren Betrieb suchen, was im Falle privater Unternehmen scheinbar sinnvoll, aber für die Mitarbeiter mit einem hohen Risiko verbunden wäre, wie Gewerkschaftssekretär Frank Ahrens sagt. „Dann wären die Arbeitsplätze gefährdet.“ Private Partner seien laut Ahrens nun einmal privatwirtschaftlich ausgerichtet.

Die Gewerkschaft sieht die Zukunft der Kreismusikschule „unter dem Dach des Landkreises oder in einer Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Göttingen-Osterode“. Dafür – also die Sanierung von innen und für eine neue Leitungsstruktur – müsste der Landkreis aber viel Geld in die Hand nehmen. Vorteil laut Verd.di: Die Arbeitsplätze blieben erhalten, der „ineffiziente und teure Wasserkopf an der Spitze der KMS (30 Beschäftigte) mit Verwaltungsdirektor, Musikschuldirektor und Geschäftsführer“ könnte verschlankt werden. Die Gewerkschaft wirft der Geschäftsleitung und dem Kreisrat und Aufsichtsratsvorsitzenden Marcel Riethig übrigens ein „groteskes Missmanagement“ vor.

Gewerkschaften und Lehrkräfte sind skeptisch, fürchten ein anderes Szenario, wie Ahrens sagt: die Einstellung des Betriebes, ein Ende des flächendeckenden Musikschulenangebotes im Landkreis. „Diese Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten“, sagt Ahrens, der nun auf die Fraktionen im Kreistag setzt. „Das Thema kocht jetzt, es passiert etwas.“ Ahrens erwartet von der Politik, sich für den Erhalt der öffentlichen Bildungseinrichtung einzusetzen.

Geschäftsführer Staufenbiel jedenfalls ist überrascht, ob der scharfen Kritik von Gewerkschaftsseite: Er habe Ver.di auch – ohne Erfolg – Gespräche angeboten, vermutlich, um Druck aus dem Kessel zu nehmen. Peter Staufenbiel sagt auf Nachfrage auch: „Die Liquidation und damit den Wegfall des Musikschulangebotes flächendeckend im Landkreis – auch für Menschen mit geringen Einkommen – will keiner.“ Nun müsste die Politik entscheiden.

Von Thomas Kopietz

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