In den drei Gemeinden rumort es

Ärger um Feuerwehrreform im Landkreis Göttingen

Gefahrgutunfall mit Rattengift auf der Autobahn 7 Ende 2014 südlich von Göttingen: Auch damals waren die Feuerwehren des Brandschutzabschnitts Mitte in den Großeinsatz eingebunden (Archivbild).
+
Gefahrgutunfall mit Rattengift auf der Autobahn 7 Ende 2014 südlich von Göttingen: Auch damals waren die Feuerwehren des Brandschutzabschnitts Mitte in den Großeinsatz eingebunden (Archivbild).

In den Feuerwehren in den Gemeinden Friedland, Rosdorf und Gleichen rumort es kräftig. Sie bilden aktuell den Brandschutzabschnitt Mitte im Landkreis Göttingen. Und der soll möglicherweise vom Kreistag aufgelöst werden.

  • Die Feuerwehren in den Gemeinden Friedland, Rosdorf und Gleich sind sauer.
  • Es geht um die Zukunft des Brandschutzabschnitts Mitte.
  • Der Landkreis Göttingen verweist auf einen Beschluss des Kreiskommandos der Feuerwehren.

Friedland/Rosdorf/Gleichen – Über das Thema soll in der Sitzung des Finanzausschusses an diesem Mittwoch gesprochen werden. Der Ärger kocht hoch, weil die Argumente der Führungsspitzen der drei Gemeindefeuerwehren offenbar nicht in die Entscheidungsfindung einfließen.

Der Brandschutzabschnitt Mitte wurde nach der Grenzöffnung ins Leben gerufen. Damals nahmen der Schwerlastverkehr und die Gefahrguttransporte in diesem Bereich des Kreises stark zu. Diese potenziellen Gefahren stiegen noch einmal 2006 mit der Eröffnung der Autobahn 38 und des Heidkopftunnels. Allein auf der Ost-West-Route der Autobahn 38 sind nach Schätzungen bis zu 2,5 Millionen Lastwagen jährlich unterwegs, heißt es aus Feuerwehrkreisen.

Ärger um Feuerwehrreform: Neue Herausforderungen

Außerdem hat sich die Art der Herausforderungen für die Wehren in den vergangenen Jahren verändert. Es gibt mehr Einsätze nach Unwettern oder Amtshilfen bei Sportveranstaltungen (Verkehrsregelung). Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der Ehrenamtlichen, die diese Aufgaben bewältigen müssen, drastisch. Zudem wird durch die Aufteilung des Brandschutzabschnitts eine Kosteneinsparung von lediglich 5000 Euro jährlich erzielt, rechnen die drei Gemeindefeuerwehren mit Blick auf ein Papier aus dem Kreishaus vor.

Die Gemeindebrandmeister Heiko Wiegmann (Friedland), Heiko Böhlken (Gleichen) und Martin Willing (Rosdorf) machen gemeinsam mit dem früheren Abschnittsleiter Albert Sasse deutlich: „Sehr abstrus ist, dass die Verbände der Feuerwehren für eine so tiefgreifende und zukunftsweisende Entscheidung nicht angehört werden. Für alle Entscheidungen, die in Niedersachsen getroffen werden, werden Verbände im ganzen Land um Anhörung gebeten. Warum nicht im Landkreis Göttingen, im eigenen Landkreis, das ist schon sehr schwer verständlich.“

Ärger um Feuerwehrreform: Wichtige Argumente

Ein weiteres Argument für den Fortbestand des Brandschutzabschnitts: Er deckt sich weitgehend mit dem Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Friedland. Außerdem gibt es eine besonders enge Zusammenarbeit der drei Gemeindeverwaltungen.

Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs stärkt den Feuerwehren in den drei Gemeinden unterdessen den Rücken: „Die Gemeindebrandmeister können erwarten, dass die Argumente der Gemeindefeuerwehren in die Beratung der Kreistagsgremien vor der Entscheidung einfließen. Sie haben das Recht, angehört zu werden“, sagt er. „Man reißt eine Gemeinschaft nicht einfach auseinander. Wir haben gute Argumente für das Fortbestehen des Brandschutzabschnitts Mitte, dessen Arbeit gut eingespielt ist“, sagt Friedrichs. Auch die SPD-Kreistagsfraktion fordert eine intensive Beratung ein. Dazu sollen neben dem Kreisbrandmeister auch die Brandabschnittsleiter sowie je ein Vertreter der drei Kreisfeuerwehrverbände eingeladen werden. Für die drei Gemeindefeuerwehren ist mit Blick auf die Brandschutzabschnitte klar: Die große Lösung ist nicht immer die beste.

Brandschutzabschnitt wurde 1992 ins Leben gerufen

Der Brandschutzabschnitt Mitte im Landkreis Göttingen, der zurzeit kommissarisch vom Gleichener Gemeindebrandmeister Heiko Böhlken geleitet wird, besteht aus den Gemeindefeuerwehren Rosdorf, Gleichen und Friedland. Er wurde 1992 ins Leben gerufen. Sollte dieser Brandschutzabschnitt aufgelöst werden, so sollen nach den Plänen der Kreisverwaltung die Gemeindefeuerwehren Rosdorf und Friedland dem Brandschutzabschnitt West (Hann. Münden, Staufenberg, Dransfeld und Adelebsen) zugeordnet werden. Die Gemeindefeuerwehr Gleichen soll dann dem Brandschutzabschnitt Ost (Bovenden, Gieboldehausen, Duderstadt und Radolfshausen) angegliedert werden.

Ärger um Feuerwehrreform: Kreis verweist auf Entscheidung im Januar

Von Seiten der Kreisverwaltung wird auf den umfangreichen Prozess zur Neustrukturierung der Feuerwehren im Landkreis Göttingen hingewiesen. Eine wichtige Entscheidung sei dabei von den Führungskräften der Feuerwehren Anfang des Jahres getroffen worden.

Beginnend mit einem Workshop im Mai 2019 seien verschiedene Varianten der Abschnittsbildung diskutiert worden. Das Kreiskommando der Feuerwehr, dem auch alle Stadt- und Gemeindebrandmeister sowie die Abschnittsleiter angehören, sei ebenfalls informiert worden. „Das finale Treffen der Führungskräfte der Feuerwehren im Kreisgebiet zu dieser Thematik fand Anfang Januar im Feuerwehrgerätehaus in Bovenden statt“, heißt es aus dem Kreishaus. Für den Neuzuschnitt gab es dabei laut Kreisverwaltung 18 Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme sowie vier Enthaltungen.

Ärger um Feuerwehrreform: Demokratische Entscheidung

„Aufgrund der durchgehenden Einbindung und finalen demokratischen Entscheidung durch die verantwortlichen Führungskräfte der Feuerwehr und unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben des Niedersächsische Gesetzes über den Brandschutz und die Hilfeleistung der Feuerwehr sind weitere Anhörungen nicht mehr erforderlich“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Kreishaus.

Aus Sicht der Verwaltung ist es der falsche Ansatz von einer Auflösung des Brandschutzabschnitts Mitte zu sprechen. „Dies ist und war nie Ziel der Strukturreform“, heißt es weiter. „Wichtig für den Landkreis ist der effektive Neuzuschnitt der Brandschutzabschnitte unter der Maßgabe, dass drei Abschnitte gebildet werden sollen.“ Bei der Neustrukturierung war noch eine andere Variante in der Diskussion. Diese sei aber im Oktober verworfen worden.

Ärger um Feuerwehrreform: Thema Zukunftsvertrag

Ein weiterer Aspekt sei der Zukunftsvertrag des Landkreises Göttingen, der Einsparungen vorsieht. „In diesem Kontext wurde vorgeschlagen, sowohl die Anzahl der Brandschutzabschnitte als auch der Kreisfeuerwehrbereitschaften von vier auf drei zu vermindern, bei gleichzeitigem Erhalt der Leistungsfähigkeit der Kreisfeuerwehr.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.