Einzelhandel

Alltag im Supermarkt in Corona-Zeiten: Kleine Gespräche an der Kasse fehlen

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Auch mit Maske täglich für die Rewe-Kunden im Einsatz: Kassiererin Vanessa Bejtus (links) mit ihren Kollegen Jan Bergolte und Marie Krause. 

Im Einzelhandel hat sich seit Beginn der Corona-Krise eine ganze Menge verändert. Wir haben uns in einem Supermarkt in Rosdorf umgesehen.

Die Mund-Nasen-Bedeckung ist für die Menschen zum täglichen Begleiter geworden – für die einen mehr, für die anderen weniger, das wird jetzt bei der Lockerung deutlich. Vanessa Bejtus gehört zu denjenigen, für die eine Bedeckung wichtig ist. Sie arbeitet als Kassiererin im Rewe-Markt von Matthias Jacobs in Rosdorf. Der Markt ist gut besucht, auch nach dem Ende der Hamsterkäufe. Vanessa Bejtus hat häufig Kontakt zu Kunden

Allein deshalb wurden im Rewe in der Göttinger Straße, wie in vielen anderen Märkten früh erste Maßnahmen zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter ergriffen, wie das Anbringen von Abstandsmarkierungen auf den Fußböden und Plexiglas-Scheiben an den Kassen sowie das Tragen von Handschuhen und Mund-Nasen-Schutz. Vanessa Bejtus kam gerade aus dem Urlaub, den sie in ihrer Wohnung in Rosdorf verbracht hatte, als die Maskenpflicht eingeführt wurde. Zuhause konnte sie sich in Ruhe mit dem Gedanken an das Arbeiten unter den neuen Bedingungen auseinandersetzen:

„Ich hatte mir schon überlegt, wie das wohl sein würde, aber dann habe ich das Ganze praktisch gesehen und mir gedacht: Ich muss ja nur noch die Hälfte meines Gesichts schminken und spare dadurch Make-up“, lacht die 21-Jährige, die sich längst an das Tragen der Maske gewöhnt habe.

Insgesamt brächten die Corona-bedingten Maßnahmen einige Vorteile mit sich. „Ich fühle mich dadurch einfach sicherer. Da man in diesem Beruf tagtäglich mit sehr vielen Menschen in Kontakt steht, sind die Plexiglas-Scheibe und das Tragen des Mundschutzes wirklich eine hilfreiche Sicherheitsvorkehrung“, befürwortet sie die Maßnahmen.

Für ältere Kundinnen und Kunden aber sieht Bejtus auch Nachteile: „Viele Ältere können das kleine Loch, durch das man die Zahlung abwickeln kann, nicht richtig erkennen und stoßen dann an der falschen Stelle mit der Hand an die Scheibe. Das tut mir immer richtig in der Seele weh.“ Dann hilft sie und‚navigiert’ sozusagen hinter der Scheibe. Ein herzlicher zwischenmenschlicher Moment sei das, einer, der ihr in Corona-Zeiten etwas zu kurz kommt. Denn gerade für alleinstehende Menschen erfülle das Einkaufengehen eine wichtige Funktion, die über das Beschaffen von Lebensmitteln hinaus geht: „Viele Kunden nutzen ihren Einkaufsbummel auch dazu, sich ein bisschen zu unterhalten. Man merkt, dass sie traurig sind, weil sie das nicht mehr so können.“

Auch Vanessa fehlten und fehlen die kleinen Gespräche, die sie vor allem mit den Stammkunden immer mal zwischendurch geführt hat. Die Corona-Zeit hat vieles verändert: „Die Kunden kommen jetzt in den Markt und wollen schnell wieder raus, weil auch das Mundschutz-Tragen für sie unangenehm ist.“ Während die Kunden nur für den Aufenthalt Mund und Nase bedecken müssen, sind es für Vanessa und Kollegen oft fünfeinhalb Stunden und mehr pro Schicht, die sie mit Pausen unter der Maske verbringen.

„Es wird super warm unter dem Mundschutz und man bekommt fast schon Hitzewallungen. Deshalb gehen wir ab und zu auch zwischendurch kurz in unseren Aufenthaltsraum, um mal eben ‚durchzulüften’. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Für viele Kollegen, gerade die Brillenträger, ist es sicherlich schwieriger.“

Die Freundlichkeit den Kunden gegenüber habe darunter allerdings nicht zu leiden, im Gegenteil: Da die Hälfte des Gesichts versteckt sei, verstärke sich automatisch die Gestik und das Sprechen - und damit auch das freundliche Auftreten. „Außerdem möchten wir unseren Kunden gerade jetzt ein gutes Gefühl geben. Es gibt momentan schon genügend Gründe, sich Sorgen zu machen. Das muss man nicht noch zusätzlich befeuern, indem man mit Angst und schlechter Laune hinter der Kasse sitzt.

VON ANKE HEIDENREICH

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