Aktion "Land schafft Verbindung"

Die Bauern kämpfen weiter: Landwirte aus Südniedersachsen wollen Druck auf Politik machen

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Sie gehören zu den Initiatoren des Landwirte-Protests in Südniedersachsen: (von links) Ulrich Jerebic aus Langenholtensen bei Northeim, Christian Frohme aus Hollenstedt bei Northeim, Henning Timmermann aus Güntersen bei Adelebsen und Arne Röttcher aus Lagershausen bei Northeim.

Rosdorf – Seit Anfang Oktober gibt es die Bauernaktion „Land schafft Verbindung“. Inzwischen machen in den Landkreisen Göttingen und Northeim mehr als 800 Landwirte mit. Sie kündigen weitere Aktionen an, wenn sich in der Politik nichts bewegt.

Im Oktober hatte sich das Bündnis als Reaktion auf das Agrarpaket der Bundesregierung und die schlechte Lage der Landwirte gegründet. Ganz am Anfang waren auch schon zahlreiche Bauern aus Südniedersachsen dabei. Zu den Initiatoren gehören Uli Jerebic aus Langenholtensen, Christian Frohme aus Hollenstedt, Arne Röttcher aus Lagershausen, Jonas Kenner aus Pöhlde, Elisabeth Keese aus Großenbrode, Henning Timmermann aus Güntersen und Sandra Sohnrey aus Esebeck.

„Wir sprechen für keinen Verband, sondern fühlen uns als Vertreter aller Landwirte“, sagt Henning Timmermann. Eine erste große Aktion gab es Ende Oktober in Hannover und anderen Städten. Dabei waren Zehntausende Landwirte auf der Straße. „Das hat Eindruck auf die Politik gemacht“, sagt Landwirt Timmermann.

Anfang Dezember gab es Gespräche von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit den Spitzen von 40 landwirtschaftlichen Organisationen. Dabei kam heraus, dass ein Zukunftspapier bis Ende Februar erstellt werden soll. Darin sollen zukünftige Vorstellungen, wie Landwirtschaft in Deutschland aussehen soll, formuliert werden. „Wir haben große Erwartungen, dass sich die Politik ehrlich mit dem Thema Landwirtschaft beschäftigt“, sagt Timmermann.

Allerdings gab es in den vergangenen Tagen andere Signale. Hintergrund: Inzwischen tauchte ein Referentenentwurf der Bundesregierung zum Thema Düngemittel auf. Darin wird eine starke Einschränkung der Düngemöglichkeiten ins Gespräch gebracht. „Wir sind für Einschränkungen beim Düngen, aber nicht mit pauschalen Maßnahmen“, so die Landwirte. Sie fordern, dass mit Blick auf die Nitrat-Werte im Grundwasser mehr Werte als Grundlage für Festlegungen zum Düngen verwendet werden.

In Südniedersachsen sind die Nitrat-Werte kein Problem: Alle Werte liegen unter den kritischen 50 Milligramm pro Liter. „Dazu hat die gute Zusammenarbeit der Landwirte mit den Wasserversorgern in Südniedersachsen beigetragen“, sagt Timmermann. Er berichtet, dass es vom Land finanzierte Beratungsangebote zum Thema Düngen gibt.

Achim HübnerLandvolk-Geschäftsführer

„Die Empfehlungen, die es dabei gibt, werden von vielen Landwirten akzeptiert und könnten eine Blaupause für Gebiete sein, in denen die Nitrat-Grenzwerte überschritten werden“, sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Göttingen, der die Arbeit von „Land schafft Verbindung“ unterstützt. „Die Landwirtschaft wurde in den vergangenen 30 Jahren auf Produktivität und Weltmarkt getrimmt. Jetzt sollen wir schöne Idylle machen. Das geht nicht gleichzeitig.“ Die Kernfrage ist aus Sicht von Hübner: Will Europa eine eigene effektive Lebensmittelproduktion?

Timmermann und seine Kollegen sind gespannt, was die Arbeit der Zukunftskommission ergibt: „Sollten wir den Eindruck haben, dass ein echter inhaltlicher Austausch nicht möglich ist, und wir nur hingehalten werden, dann wird es weitere Aktionen geben.“

„Wir sind als loser Haufen gestartet. Aber inzwischen sind wir schlagkräftig“, sagt Timmermann abschließend. Und er macht deutlich: „Wir Landwirte haben noch nie so gute Lebensmittel wie heute produziert. Darauf sind wir stolz.“ 

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