Lob von Ministerin

Biogasanlage in Rosdorf: Ein Beitrag zur Energiewende

+
Die Biogasnalage in Rosdorf.

Landwirtschaftliche Biogasanlagen können einen großen Anteil zum Erreichen der Klimaziele in Deutschland beitragen – gesellschaftlich und politisch gewürdigt werden deren Verdienste offenbar nicht.

Im Gegenteil, trotz der großen Leistungen um die CO2-Einsparung stehen die Landwirtschaft und die Biogasbranche beim Klimaschutz in der Schmuddelecke. Diese Meinung vertritt Dr. Dirk Augustin, Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsbetriebe der Uni Göttingen und Aufsichtsratsvorsitzender der Biogas Göttingen GmbH & Co. KG und diskutierte darüber mit Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU).

Seit 2011 am Netz

Die 2011 ans Netz gegangene Biogasanlage, die von 52 Landwirten, dem Landvolk Göttingen und dem Maschinenring Göttingen betrieben wird, macht aus Gülle, Energiepflanzen und Mist Biogas und spart jährlich 30 000 Tonnen Kohlendioxid ein – und damit den Ausstoß von 3000 Göttingern inklusive Fliegen, Autofahren und Heizen sowie die Emissionen am Arbeitsplatz, rechnete Augustin vor. Berücksichtigt sei in dieser Bilanz bereits, welche Energie die Biogasanlage selber verbrauche sowie die der Landwirtschaft, die die Energiepflanzen anbauen.

Gaspipeline

Ein Teil des Biogases geht über eine Pipeline in die Stadt Göttingen, die daraus Strom und Wärme machen. Auch in den drei eigenen Blockheizkraftwerken der Biogasgesellschaft entsteht neben Strom auch Wärme, die unter anderem ein Seniorenheim, ein Freibad und die JVA Rosdorf beheizt.

Sehr effizient

„Wir sind sehr effizient, auch weil wir neben dem Strom eben auch die Wärme nutzen“, erläuterte Augustin – der Wirkungsgrad von 75 Prozent stelle Atomkraftwerke (35 Prozent) und Kohlekraftwerke (bis zu 45 Prozent) weit in den Schatten.

Rückendeckung fehlt

Doch den über 9500 Biogasanlagen in Deutschland fehlt die politische Rückendeckung. „Wir brauchen in der Branche verlässliche Rahmenbedingungen, um weiter investieren zu können“, so Augustin.

Lob von Otte-Kinast

Die Ministerin lobte die Betreiber ausdrücklich – neben dem Klimaeffekt würden sie auch dazu beitragen, die Nährstoffproblematik in Niedersachsen zu lösen, da die Biogasanlage jährlich 8000 bis 10.000 Tonnen Hühnertrockenkot aus den Überschussregionen Nordwestniedersachsens einsetze.

Thema Lachgas

„Auch das vermindert Klimagase wirksam“, ergänzte Aufsichtsratschef Augustin bei dem Gespräch in Rosdorf, weil im Hühnermist enthaltende Gase wie das klimaschädliche Lachgas in der Biogasanlage genutzt werden statt gelagert am Feldrand oder auf dem Acker in die Umwelt zu gelangen.

Betreiber drücken Gesetzes-Probleme

Viele Probleme – etwa das Erneuerbare-Energien-Gesetz – bestehen auf Bundesebene, aber einige auch im Land. Das wurde bei dem Besuch von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in Rosdorf deutlich.

So sollen gewerbliche Biogasanlagen künftig ihren beim Vergären entstehenden Gärrest neun Monate statt wie bisher sechs Monate lagern können. Das ist für Dr. Dirk Augustin, Aufsichtsratsvorsitzender der Biogas Göttingen, ein Unding, da die anfallende Rosdorfer Biogasgülle spielend auf den 8500 Hektar der beteiligten Gesellschafter - die Landwirte - ausgebracht werden könne, diese quasi wie eigene Flächen zu werten sei. Biogasanlagen, die auf so viel Fläche zugreifen könnten, könnten nicht mit gewerblichen Betrieben ohne Fläche gleichgesetzt werden, monierte er, „wir wollen da gleichbehandelt werden.“

Im Gespräch über das Thema Biogas: (von links) Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, Anlagenleiter Christoph Bergmann, Landvolk-Vorsitzender Hubert Kellner, Maschinenring-Geschäftsführer Jan Hampe und Dr. Dirk Augustin, Aufsichtsratsvorsitzender Biogas Göttingen. 

Maschinenring-Geschäftsführer Jan Hampe ergänzte: „Dieser Bau von einem zusätzlichen Güllelager kostet 400 000 Euro und bringt uns keinen Cent mehr Erlös ein.“ Die Ministerin, selber Landwirtin mit Milchvieh und Biogas auf einem Hof bei Hameln, kennt die Problematik und hat diese bereits auf dem Schreibtisch zur Entscheidung. Zugleich machte sie klar: „Ich in die Landwirtschaftsministerin, aber als Verbraucherschutzministerin auch die Ministerin aller Bürger.“ Die Entscheidung müsse zudem rechtssicher sein.

Vor dem Hintergrund der geforderten CO2-Einsparung für alle Wirtschaftsbereiche in Deutschland waren sich Biogasanlagenbetreiber und Ministerin einig, dass die Einsparung der Klimagase durch die Landwirtschaft, etwa durch Biogas, auch der Branche zugeschrieben werden müsse und nicht etwa den Energiekonzernen, die zum Teil Bioenergieanlagen betreiben. Augustin forderte weiterhin, dass der Einsatz von Biomethan – also aufbereitetes Biogas – in Fahrzeugen nicht länger benachteiligt werde gegenüber der einseitig und massiv geförderten Elektromobilität, die zu dem viel schlechter in der Treibhausgasbilanz sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.