Hälfte der 80 Teilnehmer bestand aus Inhaftierten 

Erster Volkslauf hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalt Rosdorf

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Wären da nicht die hohen Mauern, wäre es ein ganz normaler sportlicher Wettkampf: Der erste Volkslauf in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf.

Rosdorf. Rund 80 Sportler sind am Sonntag beim ersten Volkslauf in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf mitgelaufen. Die Hälfte waren Gefangene und Sicherungsverwahrte.

30 davon aus anderen Anstalten und rund 40 externe Läufer. Mit dabei war auch die Leiterin der JVA Rosdorf. „Ich laufe schon seit vielen Jahren“, erklärte Regina Weichert-Pleuger. Sie hatte sich für die Zehn-Kilometer-Tour entschieden. Auf dem 1300 Meter langen Rundkurs innerhalb der Gefängnismauern auch durch Bereiche, die für die Gefangenen normalerweise nicht geöffnet sind, wurden zwei Streckenlängen über zehn und 21 Kilometer angeboten. Marathonläufe waren schon 2012 und 2014 in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf ausgerichtet worden. Um den Organisationsaufwand in Maßen zu halten, wurde der Marathon diesmal halbiert. Externe Zuschauer waren nicht zugelassen. Publikum gab es trotz leicht regnerischem Wetter aber doch - hinter vielen Anstaltsfenstern. Mit Klatschen und Zurufen feuerte Streckenposten Anja Heese die Läufer unermüdlich an. Für Neuankömmlinge in der Anstalt fungiert die Sozialpädagogin als erster Ansprechpartner.

Für die Gefangenen misst Weichert-Pleuger dem Ausdauersport wichtige Bedeutung zu: Im Training lernten sie, bei einer Sache zu bleiben. Ein Highlight sei, dass auch Externe mitlaufen könnten. Ein ehemaliger Insasse, der auch dabei sei, habe ihr gerade den erzieherischen Wert solcher sportlicher Wettkämpfe bestätigt. Mit dem Laufen habe er in seiner Zeit in der JVA angefangen, inzwischen habe er bereits seinen 29. Marathon bewältigt. Das Laufen sei ein großer Teil seiner Freizeitgestaltung geworden.

So sollte die sportliche Veranstaltung ein Stück Normalität ins Gefängnis bringen. Deshalb durfte Hans-Hermann Weißhoff auch nicht in einem gestreiften Sträflingskostüm mitlaufen. 100 Kilo habe er bei seiner Ankunft in Rosdorf noch vor wenigen Jahren gewogen. Durch das Laufen habe er sich in Form gebracht, erzählt der 61-Jährige, der jetzt nur noch einen kleinen Bauch hat. Zwei- bis dreimal in der Woche trainiere er. Vier- bis fünfmal jährlich nehme er teil an den Anstalts-Laufveranstaltungen in erreichbarer Nähe.

Ein Stück Normalität

Verschwitzt und zufrieden läuft Stefan Otto durchs Ziel. Der Bedienstete der JVA Celle hat die zehn Kilometer am schnellsten bezwungen. Keine Rolle spielen dabei die hohen Mauern, gezählt hat allein die sportliche Leistung.

Das ist für Alexander Fischer sehr wichtig. „Die Gefangenen sollen ja wieder Bestandteil unserer Gesellschaft werden“, sagt der Abteilungsleiter der Sicherungsverwahrung. Mit dem Volkslauf werde ihnen ein Stück Normalität vermittelt. 

Ergebnisse:

Frauen über 10 Kilometer:

1. Alina Conrady, 58:52

2. Carina Burkert, 59:28

3. Kathleen Schaller, 1:02:16

Männer über 10 Kilometer:

1. Stefan Otto, 39:57

2. Jan Frederik Zieger, 41:37

3. Vladimir Prnjat, 43:18

Männer beim Halbmarathon über 21 Kilometer:

1. Andreas Gerrits, 1:21:15

2. Frank Vasterling (Bediensteter aus der JVA Rosdorf), 1:28:11

3. Jens Naujocks, 1:30:31

Frauen haben beim Halbmarathon nicht mitgemacht.

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