Steinzeitliche Siedlung ist die größte jemals untersuchte in Niedersachsen

Grabung: Rosdorfer Funde könnten mehr als 7000 Jahre alt sein

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Ausgrabungen im Detail: Kreisarchäologin Dr. Andrea Bulla (von links), Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg, Erste Kreisrätin Christel Wemheuer, Landrat Bernhard Reuter und Grabungsleiter Dr. Eberhardt Kettlitz vor der Grabungsstelle in Rosdorf.

Rosdorf. Mehr als 50 Jahre ist es her, dass in Rosdorf eine steinzeitliche Siedlung entdeckt und erstmals dokumentiert wurde.

Durch die Neugestaltung des Geländes an der ehemaligen Anne-Frank-Schule können die Ausgrabungen jetzt weitergehen.

„Beim Bau der Schule Anfang der 1960er Jahre war man zum ersten Mal auf diese mehr als 7000 Jahre alte Siedlung gestoßen“, sagt Kreisarchäologin Dr. Andrea Bulla. Zwischen 1963 und 1970 habe es dort und in der angrenzenden Neubausiedlung „mehrere kleine Grabungen“ gegeben, bei denen auf einer Gesamtfläche von rund 23 000 Quadratmetern 64 Hausgrundrisse dokumentiert wurden - 52 davon aus der „Linienbandkeramischen Kultur“, die in die Zeit von 5500 bis 4900 vor Christus datiert wird. „Damit ist diese Siedlung die größte jemals untersuchte in ganz Niedersachsen“, so Bulla.

Kleiner Fund: Bei den Ausgrabungen traten Tonscherben zu Tage.

Auch wenn bislang nur wenige Werkzeuge oder Haushaltsgegenstände wie Krüge und Teller aus jener Zeit zu Tage gebracht worden seien, scheint ein Fund aus der ältesten Phase der Linienbandkeramischen Kultur zu stammen. „Wenn sich das bewahrheitet, dann ist dies eine sehr bedeutsame Stelle“, betont Grabungsleiter Dr. Eberhardt Kettlitz. In ganz Europa gebe es nur etwa 300 Stellen, an denen Siedlungen aus der Zeit von vor 7500 Jahren gefunden wurden.

Die Ausgrabungen sollen nun weiteren Aufschluss über die alte Siedlung geben. Drei Monate lang werden etwa 3000 Quadratmeter Boden untersucht. „Genau die Stellen, an denen dann gebaut wird“, erzählt Kettlitz. Denn die Gemeinde Rosdorf wird im kommenden Jahr ein Familienzentrum und ein privater Investor eine Pflegeeinrichtung für schwer- und mehrfachbehinderte Jugendliche auf diesem Gelände bauen. Da bei diesen Arbeiten alles zerstört werde, sei es enorm wichtig, sämtliche neu entdeckte Hausgrundrisse genau zu dokumentieren.

Archäologie wie ein Puzzle

„Archäologie ist wie ein Puzzle“, sagt der Grabungsleiter. „Man findet in den 1960er Jahren Teile, in den 1970er Jahren weitere und heute mit den neuesten technischen Möglichkeiten wieder andere.“ Die wenigen Gegenstände, die Kettlitz und sein Team bislang zu Tage gebracht haben, seien „von erheblicher Qualität“.

Geld sinnvoll angelegt

Als Noch-Eigentümer der 2014 geschlossenen Anne-Frank-Schule und des dazu gehörigen Geländes, das Ende des Jahres den Besitzer wechselt, hat der Landkreis Göttingen 200.000 Euro für die Ausgrabungen in den Haushalt eingestellt. Geld, das für Landrat Bernhard Reuter sinnvoll angelegt ist. „Auch wenn man hier vielleicht noch nicht von einer wissenschaftlichen Sensation sprechen kann - etwas ganz Besonderes ist es allemal“, sagt er. 

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