Kinostreifen "Verfehlung": Rosdorfer Knast diente als Filmstudio

Filmpräsentation in der Rosdorfer Justizvollzugsanstalt: (von links) Hauptdarsteller Sebastian Blomberg, Regisseur und Drehbuchautor Gerd Schneider, Gefängnis-Chefin Regina Weichert-Pleuger und Produzent Felix Eisele. Foto: Schlegel

Rosdorf. Das Rosdorfer Gefängnis diente vor einem Jahr als Filmstudio für den Streifen „Verfehlung“. Darin geht es um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

Der Spielfilm, der seit Ende März in den Kinos gezeigt wird, hatte am Montag im Gefängnis Premiere. Vor einem Jahr wurden wesentliche Teile des 95-Minuten-Films in der Rosdorfer Justizvollzugsanstalt gedreht. Etwa 20 Bedienstete und 15 Gefangene spielten als Komparsen mit.

Regisseur und Drehbuchautor Gerd Schneider suchte für die Verfilmung ein modernes Gefängnis. Durch einen Tipp kam er auf die Rosdorfer Justizvollzugsanstalt, weil dort schon für einen Tatort gedreht wurde. Die übrigen Szenen entstanden im Raum Stuttgart. In Baden-Württemberg darf aber nicht in einem Gefängnis, das in Betrieb ist, gefilmt werden. Deshalb waren die Macher froh, in Südniedersachsen drehen zu dürfen.

„Wir wollen den Vollzug zeigen, wie er heute ist“, sagt Regina Weichert-Pleugert, Leiterin des Rosdorfer Gefängnisses. Für die achttägigen Dreharbeiten wurde eigens eine Abteilung vorübergehend frei gemacht. Gefilmt wurde in den Zellen, den Gängen, auf dem Hof, im medizinischen Bereich, Bürobereich sowie im Transportbus.

Im Mittelpunkt des Films steht die Figur des Gefängnisseelsorger Jakob Völz, gespielt von Sebastian Blomberg. Er muss sich in der U-Haft um seinen Freund und Priester kümmern, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. „Schon lange hat mich der Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen erschüttert. Vor etwa sieben Jahren hatte ich dann die Idee zu einem Film, der sich mit genau diesem Thema auseinandersetzt“, sagt Regisseur Schneider, der selbst Priesteramtskandidat war. „Vor diesem Hintergrund war es mir wichtig zu erzählen, dass es kein System der Vertuschung gibt, aber das Vertuschen durchaus systematische Züge hat.“

Bislang läuft der Streifen in keinem Kino der Region. Kinos in Göttingen sind angefragt, ob sie den Film zeigen wollen. Auf alle Fälle wird der Film im Fernsehen zu sehen sein, denn Südwestrundfunk, Arte und Bayerische Rundfunk haben den Streifen mitfinanziert.

www.verfehlung-film.de

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