Villa soll abgerissen werden

Massiver Protest gegen neues Investoren-Projekt in Rosdorf

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Demonstration in Rosdorf: Etwa 200 Teilnehmer protestierten gegen ein Bauvorhaben eines Investors. Er will eine Villa abreißen und darauf ein Zwölf-Familien-Haus bauen.

Seit Jahren zählt Rosdorf zu den am schnellsten wachsenden Ortschaften im „Speckgürtel“ von Göttingen. Jetzt gibt es erstmals massiven Protest aus der Bevölkerung gegen das Bauvorhaben eines Investors.

  • Massiver Protest gegen Investoren-Projekt in Rosdorf im Kreis Göttingen
  • 200 Menschen und Tiere zogen durchs Dorf
  • "Fiegesche Villa" aus dem Jahr 1914 soll abgerissen werden

Mehr als 200 Frauen, Männer, Kinder und sogar mehrere Pferde und Ponys zogen lautstark protestierend durch Rosdorf imLandkreis Göttingen, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Schluss mit der Bauwut“, „Alte Häuser unterm Hammer – welch ein Jammer“ oder „Wenn das Tante Fiege wüsste“ stand auf Spruchbändern und Plakaten bei dem Protest-Marsch zu lesen. 

Konkret geht es bei den Protesten um den Plan des Investors, die 1914 gebaute „Fiegesche Villa“ in der Bahnhofstraße abzureißen und dort ein Zwölf-Familienhaus zu bauen. Direkt an die alte Villa angrenzend befindet sich ein großes Grundstück, das bis Ende Dezember 2019 von der benachbarten Reiteranlage gepachtet und als Pferdeweide genutzt worden war. 

Weil für die Betreiberin der Reitanlage eine vom neuen Eigentümer angestrebte massive Erhöhung der Pacht nicht in Frage kam, hatte dieser den Vertrag zum Ende des Jahres gekündigt.

Protest in Rosdorf im Kreis Göttingen: Angst um Reitstall

„Für eine tiergerechte Pferdehaltung benötigen wir möglichst viel Grün und Auslauf für die Tiere, was in einem Wohngebiet ohnehin sehr knapp ist“, sagte Reitanlagen-Betreiberin Janine Mühlbach beim Protest-Marsch. Sollte der Reitstall in Rosdorf im Kreis Göttingen sich nun wegen der Missstände auf Dauer nicht halten lassen, würde den Rosdorfern ein großes Stück Lebensqualität verloren gehen. „Immerhin bekommen bei uns bis zu 100 Kinder pro Woche Reitunterricht und viele Erwachsene haben die Möglichkeit, nach Feierabend beim Umgang mit den Pferden abzuschalten.“

Ruth Finckh, die seit 15 Jahren das ehrenamtliche Café in der Rosdorfer Grundschule leitet, sprach bei der Abschlusskundgebung am Gemeindezentrum in Rosdorf von einer „katastrophalen Entwicklung“ in Sachen Fiege-Villa und Reitstall. „Mit unserem Ort wird Schindluder getrieben“, schimpfte Finckh. Es werde „planlos und aggressiv“ abgerissen und neu gebaut, als wolle man „die Goldene Himbeere für den hässlichsten Häuserhaufen in Niedersachsen gewinnen“.

Protest in Rosdorf im Kreis Göttingen: Rückabwicklung des Vertrags gefordert 

Ralf Lesjak, Urenkel des Fiege-Villa-Erbauers August Fiege Senior, forderte im Namen der Demonstranten auf dem Protest-Marsch eine Rückabwicklung des Kaufvertrags. „Das wäre eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, betonte Lasjak. Der Investor könne sich auf andere Projekte konzentrieren, die Fiegesche Villa mit ihrer großen historischen Bedeutung wäre gerettet, der Pferdehof mit seiner wichtigen, soziokulturellen Bedeutung bliebe erhalten und sowohl der Ort als auch seine Bürger würden von Natur und Lebensqualität profitieren. 

„Und es es gibt bereits I nteressenten für Villa und Wiese, die beides erhalten wollen“, so Lesiak. Er appellierte an den Investor, die Idee aufzugreifen und bot an, bei der Realisierung zu helfen. 

Von der Gemeindevertretung Rosdorf forderte Lesiak, sich für den Erhalt von Pferdewiese und Fiege-Villa einzusetzen und den zukünftigen Bebauungsplan entsprechend zu gestalten. Das letzte Wort dürfte in diesem Fall noch nicht gesprochen sein.

VON PER SCHRÖTER

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