Landvolk Göttingen: Der Milchpreis ist katastrophal

Aktion: Landwirte machten an Bundesstraßen in Niedersachsen Werbung für faire Milchpreise. Foto: dpa

Rosdorf. Für die Landwirte in Südniedersachsen gibt es derzeit eine gute und eine schlechte Entwicklung: Die Preise für Getreide für Getreide sind gut, für Milch katastrophal.

So bringt es Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Göttingen, auf den Punkt. Insbesondere der sinkende Milchpreis macht Hübner Sorgen. „Der Lieferstopp nach Russland, der nach wie vor für viele landwirtschaftliche Produkte gilt, macht Riesenschwierigkeiten und verdirbt die Preise“, sagt Hübner. Außerdem sorgen der Hochsommer und die Urlaubszeit für eine deutliche Absatzflaute bei Molkereiprodukten. Derzeit gibt es ganze 27 Cent pro Liter. Vor knapp zwei Jahren waren es noch über 40 Cent. „Die aktuelle Situation ist für viele Landwirte gefährlich. Das kann bei manchen der 140 Milchbauern in der Region bis an die Existenz gehen. Die Landwirte brauchen mindestens 33 Cent pro Liter, um kostendeckend arbeiten zu können.“

Allerdings gibt es bei den einzelnen Betrieben deutliche Unterschiede. Ein kleines Rechenbeispiel, wie sich der sinkende Milchpreis auswirkt: Ein Betrieb mit Kühen produziert etwa 700.000 Liter Milch im Jahr. Bei zehn Cent geringerem Milchpreis fehlen gut 70.000 Euro in der Hofkasse.

Hübner rechnet mit einer weiteren Belastung für die Landwirte. Hintergrund: Viele Betriebe müssen jetzt die Steuern für die gute Jahre nachzahlen, sodass die Finanzlage zusätzlich angespannt ist.

Beim Getreide sieht die Situation deutlich besser aus: „Wir waren wegen der lang anhaltenden Trockenheit von einer mäßigen bis schlechten Ernte ausgegangen. Aber die Situation ist besser als erwartet.“ Beispiel Wintergerste: Normal sind etwa acht Tonnen pro Hektar. In diesem Jahr sind es über neun Tonnen. „Das ist ein Spitzenergebnis. Wir haben dafür noch keine Erklärung.“ Auch der Preis ist mit 150 Euro pro Tonne im normalen Rahmen. „Die Landwirte können mit der Gerste zufrieden sein.“ Die Ernte von Weizen und Raps hat begonnen. Dafür gibt es aktuell noch keine gesicherten Zahlen.

Ertrag hängt vom Regen ab 

Hübner: „Der Ertrag hängt in diesem Jahr fast ausschließlich vom Regen ab, der am jeweiligen Standort gefallen ist. Außerdem ist entscheidend, ob der Boden das Wasser speichert.“ Manche Betriebe haben Glück und werden eine normale Ernte erreichen. Bei anderen könnte es zu einem weitgehenden Ausfall kommen.

Geschäftsstellen in Rosdorf und Duderstadt

Das Landvolk Göttingen besteht seit 1947. Die Interessenvertretung der Landwirte in der Region hat Geschäftsstellen in Rosdorf und Duderstadt.

Die 21 Mitarbeiter kümmern sich um die Belange der Landwirte. Zu den Dienstleistungen gehört die Buchführungsstelle, die den Landwirten die Arbeit für die Steuerbehörden abnimmt.

Kontakt: Landvolk Göttingen Kreisbauernverband, Götzenbreite 10, 37124 Rosdorf, Tel. 0551/7890450. www.landvolk-goe.de

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