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Restaurieren von Gemälden als zweites Standbein: Freie Kunst Akademie Obernjensa spürt die Pandemie

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Von: Michael Caspar

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Die Kunstakademie Obernjensa leidet unter der Pandemie. Das Bild zeigt Karola Schwedhelm an der Staffelei.
Die Kunstakademie Obernjensa leidet unter der Pandemie. Das Bild zeigt Karola Schwedhelm an der Staffelei. © Michael Caspar

Nur noch halb so viele Schüler wie früher kann die Freie Kunst Akademie Obernjensa in Pandemie-Zeiten unterrichten.

Obernjensa – Leiter Michael Melchior hat sich mit dem Restaurieren alter Meister ein zweites Standbein geschaffen. „Zum Glück gehört uns das Haus an der Dramfelder Straße 4, sonst würde es schwer“, sagt Melchior.

1998 hat er die Leitung von seiner Frau übernommen, die die Akademie zehn Jahre zuvor in den ehemaligen Praxisräumen ihres Vaters, eines Hausarztes, gründete. Seit zwei Jahren zwingt die Einhaltung der Mindestabstände zu kleineren Klassengrößen. Weil Ausstellungen ausfallen, gibt es zudem kaum noch Austausch mit Kollegen und Kunstfreunden.

Melchior restauriert nun, hat bereits ein gutes Dutzend solcher Auftragsarbeiten durchgeführt. Daneben schafft er dynamische, lebensfrohe Bilder mit klaren, kräftigen Farben. Auch mit einer Erweiterung seiner Kunstserie über die 118 chemischen Elemente beschäftigt er sich. Seine komplexen Linoleum-Drucke sind voller Symbolik. „Die Elemente entstanden durch die Urgewalt explodierender Sterne“, erklärt er. Und „Wir sind aus Sternenstaub und werden wieder dazu.“

Reastaurieren von Bildern: Komplexe Arbeit

Bis es so weit ist, will er aber noch vielen Menschen das Malen von der Pike auf beibringen. „Grundlage allen Schaffens ist der Farbkreis“, betont der Dozent. Durch Mischen der drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau lässt sich die gesamte Bandbreite der Farben erzeugen.

Die Kursteilnehmenden entwickeln ein Auge für das Spiel von Licht und Schatten. Sie schulen ihren Blick für die Veränderung der Farben im Laufe eines Tages sowie im Laufe eines Jahres. Melchior lässt die Schüler Motive mit dem Smartphone fotografieren, Ausschnitte auswählen und kombinieren. Danach üben sie die fotorealistische Wiedergabe. „Das ist die Basis für abstrakte Formen des Malens“, erklärt Melchior.

Solides handwerkliches Wissen will er vermitteln. Er und seine Frau haben ihr Diplom in Freier Kunst an der Kunsthochschule Kassel erworben.

Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule

Fast 100 junge Menschen haben die beiden auf die Aufnahmeprüfung an einer Kunsthochschule vorbereitet. Bewerber müssen dort eine Mappe mit Skizzen und Arbeitsproben vorlegen, die eine künstlerische Entwicklung sichtbar machen. „Wir helfen den jungen Menschen, ihren Stil zu finden“, sagt der Dozent.

Daneben unterrichtet Melchior Anfänger. Autodidakten professionalisieren bei ihm ihre Technik. Andere Kunstschaffende verfügen zuhause über keine Atelierräume oder sie schätzen den Austausch.

„In den ersten Jahren reichte der Radius unserer Akademie 200 Kilometer weit“, erinnert sich Melchior. Mit den Jahren entstanden auch anderswo freie Lehreinrichtungen, teilweise gegründet von seinen einstigen Absolventen. Heute kommen die Schüler aus dem Raum zwischen Northeim und Witzenhausen, Dransfeld und Duderstadt. (Michael Caspar)

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