Rockspektakel mit dem Jungen Theater im Rosdorfer Knast

Gastspiel des Jungen Theaters im Rosdorfer Gefängnis: Fünf legendäre Musiker werden in „Forever 27 Club“ wieder zum Leben erweckt. Foto: pid/Niemann

Rosdorf. Eine besondere Premiere gab es in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf: Erstmals fand dort ein Theater-Gastspiel statt.

Das Ensemble des Jungen Theaters Göttingen zeigte in der Sporthalle der Haftanstalt Auszüge aus dem Musikspektakel „Forever 27 Club“.

JVA-Leiterin Regina Weichert-Pleuger dankte den Schauspielern und Musikern für die Sonderaufführung. In ihrer Begrüßungsrede ging sie auch auf die beiden Suizide ein, die es kürzlich in der Haftanstalt gegeben hatte. Innerhalb weniger Tage hatten sich zwei Gefangene das Leben genommen. Dies sei sehr bedrückend, sagte Weichert-Pleuger. Man habe sich dann aber dafür entschieden, das Konzert trotzdem stattfinden zu lassen.

JT-Intendant Nico Dietrich begrüßte neben den Justizbeamten und auswärtigen Gästen insbesondere die rund 20 Gefangenen und Sicherungsverwahrte, die das Konzert verfolgten: „Schön, dass ihr da seid!“ Dietrich hatte bereits in der Spielzeit 2013/2014 das Dokumentartheater-Projekt „Wegschließen und zwar für immer“ am Deutschen Theater in Göttingen inszeniert, das sich mit der Sicherungsverwahrung auseinandersetzt. Ihm sei es schon länger ein Anliegen, auch mit dem Ensemble des Jungen Theaters in die Justizvollzugsanstalten zu gehen und dort Theater zu machen. Möglich wurde dies durch eine Unterstützung des Vereins „Kunst e.V. Göttingen“.

In dem Spektakel geht es um fünf legendäre Musiker, die eines gemeinsam haben: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Whitehouse sind mit 27 Jahren gestorben und in den Rock-Olymp eingezogen. Das JT-Ensemble erweckt die weltberühmten Musiker wieder zum Leben. Viele Songs der legendären Musiker handeln von Themen, die auch den Gefangenen vertraut sind: Verzweiflung, Drogen oder auch Gewalt. „Hey Joe“ von Jimi Hendrix beispielsweise, das Ali Berber interpretierte, ist ein Lied über einen eifersüchtigen Mann, der seine Frau erschießt. Linda Elsner widmete ihre Version des Janis-Joplin-Stücks „Ball and Chain“ den beiden Rosdorfer Häftlingen, die für sich offenbar keine Perspektive mehr gesehen und ihrem Leben ein Ende gesetzt hatten.

Am meisten Stimmung kam bei den Gefangenen auf, als Jan Reinartz ein Stück eines Musikers vortrug, der zwar nicht zum Club 27 gehört, aber vor allem durch seine legendären Konzerte in den US-Gefängnissen Folsom und San Quentin unsterblich geworden ist: Bei „I walk the line“ von Johnny Cash gingen alle begeistert mit. Dafür gab es dann auch am Schluss als Zugabe auch noch den „Folsom Prison Blues“.

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